OG Keemo: "Mann beißt Hund"

OG Keemo: "Mann beißt Hund"

OG Keemo: Hundeleben in der Hood

Stand: 10.01.2022, 00:00 Uhr

Auf seinem zweiten Album nimmt uns OG Keemo mit in den Block. In einem audio-cineastischen Spektakel bringt er sein Leben so nah, dass wir es fühlen können.

Von Ellen Köhlings & Pete Lilly

OG Keemo "Mann beißt Hund"

COSMO Sound Supreme 10.01.2022 02:48 Min. Verfügbar bis 10.01.2023 COSMO


"Mann beißt Hund“ ist trotz seiner filmischen Inszenierung nicht angelehnt an die gleichnamige Mockumentary. Dennoch liegt dem zweiten Longplayer von OG Keemo – in Zeiten von Playlists höchst selten – ein Konzept zugrunde. Das Album will von "Anfang“ bis "Ende“ durchgehört werden – idealerweise über Kopfhörer. Es ist dicht in seinen Erzählungen, die mit jedem Hören neue Aspekte bereithalten. Dennoch bedarf es oft nur weniger Wörter, um krasse Bilder und detaillierte Szenen vor dem inneren Auge zu entwerfen. "Mann beißt Hund“ erzählt eine Geschichte – die von OG Keemo.

Hundejahre

Vierbeiner ziehen sich wie eine rote Hundeleine durch "Mann beißt Hund“. Ob als einsame Streuner, kläffende Straßenköter, bissige Bulldoggen oder treue Begleiter. Mal zähnefletschend, mal mit eingezogenem Schwanz. Hunde haben im HipHop schon immer eine wichtige Rolle gespielt von Snoop Dogg über DMX bis jetzt zu OG Keemo. Wo seine Geschichten spielen, unterscheiden sich die Zweibeiner wenig von den Vierbeinern. Dort trumpfen die Instinkte über die Intelligenz.

Jagdhunde

Die drei Charaktere Malik, Yasha und Keemo nehmen uns mit in ihre Hochhaussiedlung. Das Album versetzt die Zuhörenden von der Vogel- in die Froschperspektive. Es zoomt auf die tristen Eingangsstufen, auf denen suchende Seelen ihren Turf verteidigen. OG Keemo drückt den Buzzer, gewährt Einlass in verlassene Treppenhausschluchten. In dieser lebensfeindlichen Gegend kämpfen Menschen ums Überleben, spielen vielleicht mit dem Gedanken sich das Leben zu nehmen, vergeuden zwangsläufig ihr Potenzial.

Hundebellen

"Mann beißt Hund“ ist Street im wahrsten Sinne des Wortes. Und OG Keemo ist immer noch Underground. Er ist der Lieblingsrapper deiner Lieblingsrapper. Er schert sich nicht um Hype, nimmt sich lieber alle Zeit der Welt, bis er seine Kunst teilt. Die besteht im Storytelling und erinnert, ob er es hören will oder nicht, an Kendrick Lamar und Biggie Smalls. Partner in Crime, Produzent Funkvater Frank, stellt den in Keemos markerschütterndem Timbre verpackten Reality-Raps den perfekten Soundtrack aus bewährtem Boom-Bap, düsterem Drill-Nihilismus und warmen Soul-Samples zur Seite. Einzelne Stücke hervorzuheben, würde "Mann beißt Hund“ nicht gerecht werden. Das wäre, als ob man nur einzelne Szenen eines Films empfehlen würde.