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Megaloh: "Drei Kreuze", Cover des Albums

Megaloh: "Drei Kreuze" - Abschied und Neuanfang

Stand: 03.10.2022, 00:01 Uhr

Megaloh wurde vom Geheimtipp zum Chartstürmer, rockte die ganz großen Bühnen und malochte in der Logistik. Auf seinem letzten Major-Album geht einer der besten MCs Deutschlands hart ins Gericht mit dem Rap-Geschäft und blickt trotzdem mit Hoffnung in die Zukunft.

Von Adrian Nowak

Wie könnte man seinen Abschied vom großen Majorlabel besser begehen als mit einem zünftigen Diss gegen die seelenlose Musikindustrie?  "Sie beurteilen Musik, sie sind nicht mal Fans / und die digitalen Streams –es sind nicht mal Cents […]." "Wie wurde aus einem Partner nur ein Kontrahent?" rappt Megaloh auf "Letztes Abendmahl", dem Opener seines fünften Solo-Albums "Drei Kreuze" und dem vierten für den Major-Riesen Universal. Die desillusionierte Abrechnung mit dem Musikgeschäft kommt daher wie angriffslustiger Battlerap, nur geht es nicht gegen andere Rapper, sondern gegen die eigenen Plattenfirma: "Es geht nicht mehr um Kunst, sondern um Content". Wie Megaloh aus den Tiefen des Haifischbeckens an die Oberfläche schwimmt, erleben wir im weiteren Verlauf von "Drei Kreuze". Sein fünftes Album ist eine vielschichtige musikalische Reise, die Abbruch, Umbruch und Aufbruch wortgewaltig schildert.

Megaloh: "Drei Kreuze"

COSMO Album der Woche 03.10.2022 02:39 Min. Verfügbar bis 03.10.2023 COSMO


Dreimal Drei Kreuze  

Über der Erzählung steht das vieldeutige Bild der "Drei Kreuze". Sie erinnern zuerst an Jesus, der verraten und neben zwei Räubern gekreuzigt wurde. Der Rap-Messias Megaloh wird dagegen von der Plattenindustrie hintergangen. Gleichzeitig erinnern drei Kreuze auch an Menschen, die mit drei Kreuzen fragwürdige Verträge unterzeichnet haben. Die dritten "Drei Kreuze" sind die, die Katholiken machen, wenn sie einer unangenehmen Situation unbeschadet entkommen sind. Megaloh blickt also nicht total verbittert auf die Vergangenheit und bisweilen zuversichtlich auf den nächsten Abschnitt seiner Rap-Karriere.

Von der Dunkelheit …

"Fress‘ dich auf, lieber du als ich, ich komme mit der Dunkelheit, fall nicht!" Bedrohlich geht es zu auf "Moral vs Realität", in dem Megaloh das Leben eines Kriminellen beschreibt, den manchmal das schlechte Gewissen plagt. Direkt und düster ist auch das viel beachtete "Statements". Hier blickt der Rapper, der einst selbst ziemlich explizit gereimt hat, kritisch auf das Street Image mancher Rapstars. Genauso rechnet er mit der Jagd nach Klicks oder den eingeschränkten Hörgewohnheiten mancher Rapfans ab: "Wie willst du wissen was schmeckt, wenn du nur Scheiße gefressen hast?" Doch es ist nicht alles finster auf "Drei Kreuze", die Tracks "Endless War" und "Allein" schwenken zwischen nachdenklichen Strophen und leichtfüßigen Refrains.

… ins Licht

Geradezu hoffnungsvoll ist das Stück "Keep it moving" mit dem R&B-Sänger Garey Godson, in welchem Megaloh davon berichtet, wie er trotz aller Widrigkeiten immer weiter macht. Auf der hellen Seite ist auch das euphorische "Licht", in dem er begleitet von sanften Highlife-Gitarren seinem Sohn Ratschläge gibt.  Während das Musikgeschäft Megaloh oftmals stresst, findet Uchenna van Capelleveen privat sein Glück im Familienleben: "Auch ich bin durchs Dunkeln geirrt, ich fand zu meinem Licht / Ich war davor lange verloren, ich hab mich gefunden durch dich".

Zwischen Sesamstraße und Mobb Deep 

Ein neuer Abschnitt ist für Megaloh auch seine verstärkte Tätigkeit als Beatproduzent. Unter dem Pseudonym Oga Beats schmiedete er für "Moral vs Realität" einen geradlinigen Beat der an Mobb Deeps Klassiker "Survival of the Fittest" angelehnt ist. Für "Fragen" samplet Oga tatsächlich die Titelmelodie der Sesamstraße , das ist nicht unbedingt hardcore und hätte arg nach hinten gehen können – tut es aber nicht.  Ein ungewöhnlicher Klangschnipsel war auch die Grundlage für den Abschieds-Track „Macht’s gut“. So hat Oga zunächst „Tschüssi“ von den Prinzen gesamplet, später hat Prinzen-Frontmann Sebastian Krumbiegel seinen Part sogar neu eingesungen. Auf dem unbeschwerten Beat zieht Megaloh eine fast versöhnliche Zwischenbilanz : "Morgen ist nicht versprochen, aber gestern ist weg / ich glaube es ist der Moment, der jetzt zählt, ist die Story schon zu Ende erzählt?" Mit Sicherheit nicht.