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Cover des Albums "IOTA" von Lous and The Yakuza: Lous in einem weißen Kleid hält den Kopf einer blauen Person, die vor ihr liegt

Lous and The Yakuza: "IOTA"

Zwischen Straße und Laufsteg

Stand: 20.11.2022, 00:01 Uhr

Die 26-jährige Sängerin und Rapperin Lous and The Yakuza aus Belgien ist einer der erfolgreichsten Musikacts des Landes. Zwischen Straßengeschichten und High Fashion hat sie sich ihren ganz eigenen Platz erschaffen. Jetzt ist ihr zweites Album "IOTA" erschienen, auf dem sich Lous als eine neue Version ihrer selbst präsentiert.

Von Vincent Lindig

Lous and The Yakuza: "IOTA"

COSMO Album der Woche 21.11.2022 02:42 Min. Verfügbar bis 20.11.2023 COSMO


Die kongolesisch-belgische Sängerin lässt auf dem zweiten Album ihre düstere Vergangenheit hinter sich, um einen intimen Blick in ihr Innerstes zu werfen. Auf "IOTA" ergründet sie Verletzlichkeit, Leidenschaft und toxische Beziehungen. Der Albumtitel bezieht sich auf den griechischen Buchstaben Iota, der auch als Metapher für das Geringste steht. "Ein Jota ist die kleinste Einheit von etwas", sagt sie. "Ich verwende das Wort, um auszudrücken, was übrigbleibt. Es geht um das Ende von mir, meines Körpers. Und wie viele Liebschaften hatte ich, wie oft wurde mein Herz gebrochen? Es geht also viel um das Ende. Aber das Gute ist, dass darin auch immer ein Neuanfang liegt. Man muss ihn nur sehen".

Der lange Weg nach oben

Die Vergangenheit von Lous and The Yakuza war düster und von Umbrüchen geprägt. Ihre Eltern, bekannte Ärzte in Lous' Heimatland, die Demokratische Republik Kongo (ehemals Zaire), mussten Ende der 90er aufgrund des zweiten Kongo-Krieges nach Belgien fliehen. Es folgte ein weiterer Umzug nach Ruanda Anfang der 2000er Jahre, bevor Lous und ihre Familie sich 2011 permanent in Belgien niederließen. Doch dort waren die Probleme noch nicht vorbei. Da ihre Eltern Lous' Vision, Musikerin zu werden, nicht unterstützten, wurde sie von ihnen erst enterbt und dann aus der Wohnung geworfen - es folgte Obdachlosigkeit auf den Straßen Brüssels, während sie versuchte, in der Musikszene der Stadt durchzustarten. Ihr Talent erregte bald Aufsehen, der bekannte Rapper Damso nahm sie auf einen Remix und förderte sie. 2020 erschien ihr Debütalbum "Gore", das nach dem Horrorgenre benannt war und ihre Vergangenheit aufarbeitete. Das Debüt wurde zum großen Erfolg und machte sie zu einem Star der Brüsseler HipHop Szene. Mehrere Millionen Streams, diverse Musikpreise und Glamour-Covershoots später ist Lous inzwischen meilenweit von der Realität der Straße entfernt - und kann sich auf "IOTA" endlich öffnen.

Mode, Mangas und schwere Beats

Ihre Kunstvision geht weit über die Musik hinaus und hat viele Erscheinungsformen, angefangen bei der selbst entworfenen Rune, die Lous and The Yakuza auf der Stirn tätowiert hat und die zwei zur Sonne ausgestreckte Arme symbolisiert, bis zu beeindruckend choreografierte Videos zwischen Manga-Ästhetik und kongolesischen Ritualmasken. Sie entwirft und näht ihre eigenen Kostüme, modelt, schreibt Gedichte und malt. Inspiration zieht sie eklektisch aus den verschiedensten Richtungen, ihre Begeisterung für japanische Kultur und Mangas im Speziellen trägt sie im Namen: Das "Yakuza" steht einerseits für ihre Liebe zu Japan, aber auch für ihr kreatives Team, das sie umgibt und schützt.

Die Kongo-Clique

Lous and The Yakuza ist Teil einer kongolesischen Diaspora, die mit Artists wie Stromae, Damso, Baloji und anderen den Sound französischen Raps und der belgischen Musikszene im Allgemeinen immer stärker prägt. Lous weiß, woher diese starke kreative Prägkraft stammt: "Im Kongo ist Musik normal, jeder spielt ein Instrument, jeder singt", erzählt Sie. "Das ist ein kulturelles Ding, das hat noch nicht mal unbedingt mit Talent zu tun. Jede einzelne Person macht Musik und das ist einfach ein Teil unserer Erziehung und des Aufwachsens. Und ich glaube, dass wir deshalb so viel Einfluss auf alle möglichen Musikstile haben. Aber ja - Menschen aus dem Kongo haben das gewisse Etwas". Lous' eigene steile Laufbahn ist ein weiterer Beweis für diese Aussage.

Prominente Unterstützung

"IOTA" wurde wie schon der Vorgänger "Gore" komplett vom spanischen Produzenten El Guincho produziert. Er hat mit Größen wie Björk, J. Balvin und Rosalía gearbeitet - für letztere produzierte er das Debütalbum "El Mal Querer", das mit zwei Grammys ausgezeichnet wurde. Seine professionelle Übersicht - und seine, wie Lous im Interview erzählt, strenge Art während Studiosessions - halten die musikalische Vision zusammen. Seine Einflüsse aus karibischen Rhythmen spiegeln sich in Songs wie "Takata" wider, während er Lous' Stimme auf dem flächigen Opener "Ciel" allen Raum zur Entfaltung gibt. Schwere HipHop Drums wie auf "Kisé" komplettieren das Spektrum, das "IOTA" zu einer beeindruckenden Station auf Lous' musikalischer Weiterentwicklung machen. Lous and The Yakuza bleibt ein Gesamtkunstwerk. Und mit "IOTA" manifestiert sie ihren Ruf als eine der inspirierendsten Artists Europas.