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Kabaka Pyramid: "The Kalling"

Kabaka Pyramid: "The Kalling" - Reggae meets HipHop

Stand: 10.10.2022, 00:01 Uhr

Kabaka Pyramid zählt mit Chronixx und Protoje zu den jamaikanischen Artists, die Reggae zukunftsfähig gemacht haben. Mit seinem komplett von Damian Marley produzierten zweiten Album "The Kalling" verfolgt er einen universellen Ansatz.

Von Ellen Köhlings

Kabaka Pyramid: "The Kalling"

COSMO Album der Woche 10.10.2022 02:44 Min. Verfügbar bis 10.10.2023 COSMO


Im Gegensatz zu seinen Kollegen Chronixx und Protoje hatte der Jamaikaner Kabaka Pyramid nie den ganz großen Hit. Aber der Rapper und Sänger hat kontinuierlich an sich und seiner Kunst gefeilt. Er ist ausgiebig getourt, hat fleißig veröffentlicht, hat sich selbst das Produzentenhandwerk beigebracht und hat jetzt die perfekte Balance aus Reggae und HipHop gefunden - zwei Genres, denen auch Damian Marley mit Haut und Haar verfallen ist. Der war bereits an Kabakas erstem Album "Kontraband" beteiligt und hat nun "The Kalling" komplett produziert.

Klevere Lyrics

Bis dato hatte Kabaka Pyramid nie mit einem einzigen Produzenten an einem Projekt gearbeitet. Musik und Texte entstanden eher im stillen Kämmerlein und wurden dann darauf getestet, ob sie einem Publikum zusagen, das vor allem Lyrics zu schätzen weiß. Doch Damian Marley wählte einen anderen Ansatz, der eher an den seines Vaters erinnert: Musik als universelle Sprache, die ein breites Publikum erreicht. Das ist Kabaka und Damian gelungen. Sie werden ihren Ansprüchen gerecht. Sie liefern ein starkes, eingängiges und gut durchhörbares Album ab. "The Kalling" lebt sowohl von den cleveren Lyrics des Rappers und Sängers Kabaka Pyramid, als auch von der fetten wie facettenreichen Produktion von Damian Marley.

Kompromissloser Reggae

In diese hochklassige Reggae-Produktion fließen Funk, Soul, Jazz und vor allem HipHop organisch ein. In Zeiten, in denen sich viele in Jamaika an den international dominanten Richtungen Trap und Afrobeats orientieren, war es für Kabaka wichtig, echte Reggae-Riddims einzubeziehen, die kompromisslos und frisch klingen. Mit erstklassigen Musikern – hauptsächlich aus dem Ghetto Youths International-Umfeld von Damian, aber auch mit Mitgliedern aus Kabakas Band Bebble Rockers – setzen die beiden einerseits auf Livemusik, andererseits auf Samples großer Reggae-Klassiker, wie es sich seit Damians "Welcome To Jamrock" bewährt hat. Dadurch wird der Sound, der Vibe, das Feeling  vergangener Zeiten in die Jetztzeit katapultiert. Kabaka überträgt ein Element aus der HipHop- in die Reggae-Kultur .

Koole Samples

Für den universellen Ansatz von "The Kalling" suchten Kabaka Pyramid und Damian Marley nach klassischen Reggae-Songs, die auch heute noch überall auf der Welt gespielt werden. Dabei stießen sie u.a. auf "Fade Away" von Junior Byles – aus urheberrechtlichen Gründen hier "Faded Away" genannt. Für die Neuauflage dieses Klassikers konnte Buju Banton als Feature-Gast gewonnen werden. Damian veränderte den Riddim noch etwas und verpasste ihm einen Old-School Reggae-Dancehall-Sound aus den späten 80ern und frühen 90ern. Eine Zeit, die auch Buju Banton geprägt hat.

Ein weiteres Sample-Highlight ist Kabakas Lieblingssong von Peter Tosh: "Mystic Man". Hier experimentiert der Rapper mit einem jamaikanischen HipHop-Vibe, inspiriert von UK-Rapper:innen, die statt eines amerikanischen ihren eigenen Akzent vorziehen. Thematisch orientiert sich Kabaka an Peter Toshs Original und greift in den Strophen Dinge auf, die ihn bewegen und beschäftigen. Er spricht über Rastafari, basisches Ernährung und veganes Leben. Er stellt sich seinen Zuhörer:innen vor. "Mystic Man" ist das perfekte Intro für "The Kalling".

Kritisches Bewusstsein

Inhaltlich schafft Kabaka Pyramid ein Bewusstsein für soziale Missstände. Er predigt wirtschaftliche Unabhängigkeit ("Make Things Work") und plädiert dafür, für seine Haltung einzustehen ("Stand Up"). In "Addiction" geht es aber zum Beispiel auch um Abhängigkeiten des Alltags – sei es die von Zucker oder die vom Smartphone. Doch Kabaka begnügt sich nicht mit Klagen. Vielmehr analysiert er die Wirklichkeit als scharfer Beobachter, bleibt dabei hoffnungsvoll und immer dankbar wie zum Beispiel in "Life Is Everything" oder "Grateful". Der Jamaikaner weiß um seine Berufung: Er möchte mit seiner Musik ein kritisches Bewusstsein schaffen, in der Hoffnung, dass sich seine positiven Botschaften in der Realität manifestieren. "The Kalling" versteht er als nötige Balance zu den vielen Ablenkungen auf der Welt.