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Cover von James BKS: "Wolves Of Africa"

James BKS: "Wolves Of Africa"

Auf den Spuren Manu Dibangos

Stand: 11.07.2022, 00:01 Uhr

Der Franzose James BKS ist ein afrofuturistischer Soundalchemist. Der Produzent verbindet sein Wissen über moderne Clubbeats mit einem Ohr für Rhythmen aus Afrika – inspiriert von seinem Vater, Kameruns Saxofon-Legende Manu Dibango. Auf "Wolves Of Africa" führt er die Familientradition in die Zukunft.

Von Adrian Nowak

James BKS: "Wolves Of Africa"

COSMO Album der Woche 11.07.2022 02:39 Min. Verfügbar bis 11.07.2023 COSMO


Das BKS in James BKS steht für "Best kept secret", das bestgehütete Geheimnis. Obwohl Lee-James Edjouma seit 2008 erfolgreich Beats für Größen wie Snoop Dogg, P. Diddy oder Booba produziert hat, kennt man seinen Namen kaum. Das andere "Best kept secret" im Leben von James BKS war die Identität seines leiblichen Vaters, den er erst als Erwachsener kennengelernt hat.

VON DER BANLIEUE IN DIE STAATEN

Die unglaubliche Familiengeschichte von James BKS beginnt in Frankreich, wo er 1982 auf die Welt kommt. Er wächst in Paris bei seiner Mutter und seinem Stiefvater auf, in der Freizeit begeistert er sich für Basketball und HipHop-Kultur und beginnt erste Beats zu bauen.

Mit 19 AJhren siedelt die Familie in die USA über, er versucht erfolglos Profi-Basketballer zu werden und macht nebenbei Musik in seinem kleinen Kellerstudio in Virginia.  Er schraubt Beats für die lokale Rapcrew The Kulture, deren Mixtape niemand geringeres als Akon in die Hände bekommt. Er holt James für ein Praktikum nach Atlanta, wo er beginnt für Weltstars wie Snoop Dogg aber auch für französische HipHop-Größen wie Booba zu produzieren. Doch der Hustle mit der Major-Industrie stellt ihn nicht zufrieden. 2010 beschließt er nach Frankreich zurückzukehren.

SCHICKSALHAFTE BEGEGNUNGEN

In Frankreich kommt es zu allerhand schicksalshaften Begegnungen. James lernt seine Ehefrau kennen und gründet mit ihr die Produktionsfirma Grown Kid. Er verkauft weiter Beats und macht jetzt auch Film-Soundtracks -- unter anderem hat er für das Gangster-Drama "Le Gang Des Antillais" einen Song mit Talib Kweli produziert.

Als er zu einem Meeting bei einer Musikmesse geht, trifft er dort zufällig seinen leiblichen Vater: Kameruns Saxofon-Legende Manu Dibango. Bis zu Dibangos Tod 2020 sind die beiden eng verbunden, Manu führt seinen Sohn in die Musik Afrikas ein, zeigt ihm vor allem Rhythmen aus seiner Heimat Kamerun. Außerdem inspiriert er ihn, selbst nach Afrika zu reisen, um die reichhaltige Kultur des Kontinents zu erforschen.

BACK TO THE ROOTS

Bei einem Trip nach Gabun findet James Inspirationen für eine neue musikalische Richtung. Er lernt das Volk der "Kwele" kennen und widmet ihm das erste Stück, dass unter dem Künstlernamen James BKS erscheint. Als Gast hört man hier den kanadischen Rapper Allan Kingdom und als Grundlage für die treibende Dancenummer dient ein Sample aus "Senga Abele" von Manu Dibango – so schließt sich der Kreis.

James BKS wendet sich von klassischen HipHop-Beats ab und erforscht nun verstärkt die Rhythmen und die Kultur Afrikas. Dabei meidet er allerdings die allseits bekannten Afrobeats aus Nigeria und Ghana, sondern geht viel tiefer.  Für sein Lied "Kusema" arbeitet James BKS mit einem Perkussionisten aus der Band seines Vaters, der für ihn einen kamerunischen Bikutsi Rhythmus einspielt. Kusema heißt auf Swahili "Sprich" oder "drück dich aus" und ist der erste Song, bei dem ausschließlich James BKS am Mikro zu hören ist. Ansonsten glänzt sein Album mit Gastauftritten des südafrikanischen Rappers The Big Hash, der Sängerin Charlotte Dipanda aus Kamerun und vielen mehr.

Ein besonderes Highlight ist "The New Breed", das eine gezupfte afrikanische Laute mit fetten Trap-Beats verbindet. Hier hört man die Rapperin Little Simz, Q-Tip von A Tribe Called Quest und den Filmstar Idris Elba über Afrika und die Diaspora rappen. Schwarze Menschen aus Großbritannien, den USA und Frankreich präsentieren also ein freshes, stolzes und modernes Afrikabild, dazu singt ein Chor auf Swahili vom "Bweha wa mbuga", dem Goldenen Schakal.

DIE WÖLFE HEULEN AUCH IN AFRIKA

Der kommt zwar nicht in Afrika vor, ist aber entfernt mit dem afrikanischen Wolf verwandt. Das Stück inspiriert James zum Albumtitel "Wolves Of Africa": "Wenn man über einen Wolf spricht, dann denkt man zuerst an ein Tier aus Europa. Ich dachte das ist eine tolle Art, um über meine Reise zu sprechen. Ich bin nicht in Afrika geboren, aber Afrika ist immer noch in mir. Deswegen sehe ich mich selbst als Wolf aus Afrika."

Nigeria und Ghana werden mittlerweile von der Popwelt wahrgenommen, aber "Wolves Of Africa" bringt Sounds aus anderen Regionen Afrikas in den Mainstream. James BKS mischt südafrikanische Chöre oder Makossa aus Kamerun mit zeitgemäßen Beats, Vocals und Melodien – Papa wäre stolz gewesen.