J. Lamotta: "ככה שמעתי"

J. Lamotta: "ככה שמעתי"

Neustart auf Hebräisch

Stand: 24.07.2022, 00:01 Uhr

J. Lamotta kehrt auf ihrem dritten Album heim nach Tel Aviv und erfindet sich dabei ganz nebenbei neu. Hebräische Lyrics getragen von geschmeidigem Future-R'n'B. Schwerelose Sounds, die berühren, auch wenn man die Worte nicht versteht.

Von Anne Lorenz

J. Lamotta: "ככה שמעתי"

COSMO Album der Woche 01.08.2022 02:25 Min. Verfügbar bis 01.08.2023 COSMO


Auf ihren ersten beiden Alben hat J. Lamotta noch englisch gesungen. Sie wollte, dass ihre Musik ein internationales Publikum erreicht. Doch die Sehnsucht, sich in ihrer Muttersprache auszudrücken, wurde immer größer. Anfang der Pandemie ist ihr dann ein Gedichtband von Jacob Raz in die Hände gekommen – Autor, Poet, Zen-Buddhist und Professor am Institut für Ostasienwissenschaften in Tel Aviv. Inspiriert von seinen Texten hat J. Lamotta angefangen, selbst auf hebräisch zu schreiben. Eine Herausforderung sagt die Musikerin, Sängerin, Songschreiberin und Produzentin: "Es flowt eben nicht so einfach wie im Englischen." Aber J. Lamotta fühlt sich, als könne sie sich auf Hebräisch tiefer, oder natürlicher ausdrücken.

Berlin – Tel Aviv

J. Lamotta ist in Tel Aviv geboren, in eine jüdische Familie mit marokkanischen Wurzeln. Nach ihrem Studium an der Jazzschule in Tel Aviv hat sie sieben Jahre in Berlin gelebt. Als 2020 wegen Corona plötzlich alle ihre Konzerte abgesagt wurden, ist sie in ihre Heimatstadt zurückgekehrt. Aus einem Besuch wurde ein längerer Aufenthalt, der in J. Lamotta vieles aufgewirbelt und ausgelöst hat. Am Ende kam ihr die Erkenntnis, dass sie zurück zu ihren Wurzeln gehen muss, um sich in ihrer Musik weiterzubewegen.

Authentische Geschichten

J. Lamotta teilt in ihren Songs Gedanken über ihren Lebensalltag in Tel Aviv. Ihre Lieder handeln von Aufbruch und Hoffnung, von kindlicher Zuversicht, Schönheitswahn oder schmerzhaften Trennungen. Ihre Texte sind spirituell, philosophisch, politisch oder gesellschaftskritisch, vor Allem aber immer ganz persönlich. J. Lamotta ist es wichtig Geschichten authentisch zu erzählen und dabei niemanden belehren zu wollen. Getragen von modernen, stimmungsvollen Grooves berührt ihre Musik - auch wenn man kein Hebräisch versteht.

Schwereloser Future-R'n'B

J. Lamotta verabschiedet sich auf ihrem dritten Langspieler von den samplelastigen Beats und jazzigen Soul-Grooves ihrer vorhergehenden Alben und findet zu einer geschmeidigen Melange aus R'n'B, Pop und elektronischen Einflüssen. Hier und da kommt ein bisschen HipHop dazu: schwerelose, tiefenentspannte Sounds, die das Multitalent größtenteils selbst produziert. Featuregäste auf "ככה שמעתי"  sind experimentierfreudige Artists aus der aktuellen Musik-Szene von Tel Aviv: die beiden Rapper Michel Moshonov und Avi G, sowie die Neo-Soul Sängerin Jenny Penkins. Es ist Musik, die berührt, auch wenn man die Worte nicht versteht.