Live hören
Madgal - *Zan Zendegi Azadi_Ohne Sound Der Welt*
Iftin Band: "Mogadishu's Finest: The Al-Uruba Sessions"

Iftin Band: "Mogadishu's Finest: The Al-Uruba Sessions"

Sieben Jahre Suche nach somalischer Musikgeschichte

Stand: 13.01.2023, 00:05 Uhr

Mit Iftin Band lässt das grammy-nominierte Label Ostinato Records Musik aufleben, die lange in den Kassettenregalen der somalischen Diaspora verstaubte. Bläserlastig, elektronisch und weit mehr als die Geschichte einer Hotel-Band.

Von Elena Tara Bavandpoori

Iftin Band: "Mogadishu's Finest: The Al-Uruba Sessions"

COSMO 16.01.2023 02:44 Min. Verfügbar bis 09.01.2024 COSMO


1987, Mogadishu. Die somalische Band Iftin spielt für internationale und hochrangige Gäste im Luxushotel Al-Uruba. Mit anderen somalischen Sänger:innen nehmen sie Songs auf, inspiriert von ihren traditionellen Klängen und von den musikalischen Importen der Hotelgäste aus aller Welt. Denn durch die Handelsrouten und internationalen Reisenden sind in Mogadishu nicht mehr nur traditionelle somalische Musik wie der schnelle Trommel-Rhythmus Banaadiri gefragt, sondern auch Afrobeat aus Westafrika, Funk à la James Brown oder arabische Klänge und Bollywood-Musik. Iftin Band ist ein Produkt des Landes: Da Somalia geografisch an der Schnittstelle von Asien, Afrika und dem arabischem Raum liegt, schlägt sich das auch in ihrer Musik nieder.

Von Mogadishu in die ganze Welt

Im versteckten Studio des Luxushotels nehmen Iftin Band Songs über Liebe und Romantik auf, aber auch über die Huldigung der Frau wie etwa in dem Song "Ruuney". Denn zu der Zeit sind Frauen sowohl in der Musik, als auch in der Gesellschaft Somalias geschätzt und bekleiden wichtige Positionen. Doch mit dem Bürgerkrieg Anfang der Neunziger verstreuen sich die Aufnahmen zusammen mit den fliehenden Somalier:innen und geraten in Vergessenheit. Das grammy-nominierte Label Ostinato Records hat sich auf eine siebenjährige Suche begeben, um die Aufnahmen zu finden.

In den Fundstücken zeigen sich die vielfältige Inspiration von Iftin Band, aber auch ihre Wurzel in somalischen Sounds. Beispielsweise im Dhaanto, der durch seinen Off-Beat an Reggae erinnert. Oder im Qaarimi, eine besonders nostalgische Form des gesungenen Liebeslieds. Jeder der 14 Tracks hat Feature-Artists, die den musikalischen Radius der Iftin Band erweitern und einen größeren Einblick in die somalische Musikszene der Zeit geben. So zum Beispiel die Zusammenarbeit mit Dr. Rafi im Song "Hobolada Hooyibo". Dr. Rafi war Autor, Komponist und Sänger und eine wichtige Figur in der somalischen Musik.

Eine musikalische Zeitkapsel

Die Aufnahmen von Iftin Band sind ein Fenster in eine besondere Zeit. Sie lassen ein verspieltes, wildes und aufregendes Leben in den Kellern der Theater und Hotels in Mogadishu erahnen. Sie spiegeln eine musikalische Metropole wider. Es ist eine Geschichte, die sich ohne die Mühe und Suche von Ostinato Records nicht erzählen ließe. Aber vor allem lässt sie sich nicht ohne die der somalische Diaspora erzählen, die mit rund eine Million Menschen die größte afrikanische Diaspora der Welt darstellt. Von ihnen hatten viele die Kassetten aus der Heimat aufbewahrt und blieben so über ihr gemeinsames musikalisches Erbe verbunden. "Iftin Band: Mogadishu's Finest: The Al-Uruba Sessions" repräsentiert tiefe somalische Kultur, eine hartnäckige Suche von Musikliebenden und ein globales Miteinander, das weit über die Geschichte von Iftin Band hinausgeht.