Ezra Collective: "Where I'm Meant To Be", Cover - Die Bandmitglieder in einem Raum beim gemeinsamen musizieren.

Ezra Collective: "Where I'm Meant To Be"

Ezra Collective: Die Reise geht weiter

Stand: 14.11.2022, 00:01 Uhr

Seit einigen Jahren wird die britische Metropole London bewundert für ihre pulsierende Jazz-Szene. Das dem Jazz anhaftende verstaubte und elitäre Image wurde durch die vielen jungen und talentierten, Genre-fusionierenden Artists aus dem Melting Pot ordentlich aufpoliert. Mitverantwortlich dafür sind Ezra Collective. Die fünf Musiker haben jetzt ihr zweites Album rausgebracht: "Where I’m Meant To Be".

Von Kai Brands

Ezra Collective: "Where I'm Meant To Be"

COSMO 14.11.2022 02:43 Min. Verfügbar bis 14.11.2023 COSMO


Der energiegeladene Mix mit Einflüssen aus verschiedenen globalen Sounds wie Dub, HipHop oder Afrobeat hat das Quintett zu einem der Aushängeschilder der modernen britischen Jazz-Landschaft gemacht. Die meisten der Songs auf dem neuen Album "Where I’m Meant To Be" sind wie gemacht, um sich dazu zu bewegen.

Pause durch Pandemie

Gekonnt prägnante und einprägsame Bläsermelodien von Tenor-Saxofonist James Mollison und Trompeter Ife Ogunjobi, lässige und treibende Rhythmen von Drummer und Bandleader Femi Koleoso und seinem Bruder TJ Koleoso am Bass sowie die facettenreichen Sounds von Pianist und Keyboarder Joe Armon-Jones unterstreichen ihr großes Spielgefühl. Drei Jahre nach ihrem gefeierten Debüt "You Can’t Steal My Joy" liefert das Ezra Collective erneut ab. Nach vielen Auftritten und einer insgesamt intensiven Zeit hat die gezwungene Pause durch die Pandemie der Gruppe nicht so zugesetzt wie anderen, sagt Femi: "Ich denke, dass die Pandemie die Leute unterschiedlich getroffen hat. Manche waren gerade dabei durchzustarten und ihr Momentum wurde gestoppt. Andere wie wir waren schon durchgestartet und brauchten eine Pause. Uns hat das alles auf eine gewisse Art zum richtigen Zeitpunkt erwischt."

Auf die Bildschirme

Mit dem neuen Album und durch das Signing beim Label Partisan Records kamen auch neue Möglichkeiten, erzählt Femi. Zum ersten Mal, seitdem es die Band gibt, haben sie Musikvideos veröffentlicht. Vorher war das Budget nicht da, sagt er. Eine entscheidende Person auf dem Weg zu den eigenen Visuals war Sängerin Jorja Smith, eine Freundin der Band, die ebenfalls kurz im Song "Togetherness" zu hören ist und mit der Femi ebenfalls als Live-Drummer auf der Bühne stand. "Sie hat mein musikalisches Gehirn auf eine andere Eben gebracht, weil sie mir gezeigt hat, was alles möglich ist. Es war Jorja, die mir gezeigt hat, wie Coachella aussieht und die mir gezeigt hat, wie man eine Tour innerhalb von Sekunden ausverkauft", sagt Femi.

Mehr Zeit als sonst

Für die Aufnahme der zwölf Songs (und zwei gesprochenen Skits) waren Ezra Collective zwei Wochen im Studio - so lange wie noch nie. Dadurch gab es mehr Zeit für die Post-Produktion. Allerdings sei die Band auch mit mehr Plan ans Album gegangen. Herausgekommen sind vor allem gewohnt abwechslungsreiche Instrumental-Stücke. Ein Ziel war es etwa, Afrobeat noch mehr in den Fokus zu rücken. "Als Ezra Collective haben wir immer gesagt, dass wir eine Afrobeat-Band sind, die von Fela Kuti inspiriert ist. Aber wir hatten keine Songs, die sich so angehört haben haben. Und auf diesem Album wollte ich unbedingt Songs, die klingen wie Uncle Tony oder Fela Kuti", sagt Femi. Mit "Uncle Tony" ist die 2020 verstorbene nigerianische Afrobeat-Drummer-Legende Tony Allen gemeint, das große Vorbild von Femi Koleoso, mit dem er später befreundet war und mit dem er an seinen Skills gearbeitet hat. Tony Allen kommt ebenso wie der britische Regisseur Steve McQueen auf dem Album zu Wort. Sie und so viele andere Dinge, die ihnen passiert sind, haben Ezra Ecollective an den Punkt gebracht, an dem sie gerade sind - eine der Bedeutungen des Albumtitels "Where I’m Meant To Be".

Erben und Visionäre

Die nigerianischen Wurzeln des Kollektivs werden nicht nur musikalisch hochgehalten, sondern auch visuell wie etwa im Video zu "No Confusion" mit UK-Rapper Kojey Radical. Er ist einer der insgesamt vier musikalischen Gastsänger. Mit dabei ist auch die sambisch-australische Rapperin Sampa The Great. Mit ihnen gemeinsam schlägt die Band die Brücke zwischen dem musikalischen Erbe, das vor ihnen da war und der Zukunft, die sie definieren. Ezra Collective wollen die Urheber wertschätzen und machen dann respektvoll ihr eigenes Ding.