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"Der schleichenden Vertäglichung des Faschismus entgegentreten"

Das Künstlerkollektiv "Zentrum für politische Schönheit" hat auf dem Nachbargrundstück des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke das Berliner Holocaust-Mahnmal nachgebaut.

Interview mit Cesy Leonard von Zentrum für Politische Schönheit

"Der schleichenden Vertäglichung des Faschismus entgegentreten"

Björn Höcke, Thüringer AfD-Chef, bekannt für seine rechte Gesinnung und seine Polemik gegen das Holocaust-Mahnmal bekommt einen Nachbau des Mahnmals direkt vor die Haustür. Gebaut vom "Zentrum für politische Schönheit". Über Sinn und Zweck der Aktion sprechen wir mit Cesy Leonard.

Was ist der Sinn dieser Aktion?

Wir wollen mit dem Mahnmal der schleichenden Vertäglichung des Faschismus entgegentreten. Wir möchten das Björn Höcke täglich auf dieses Mahnmal blicken muss, von seinem Haus aus.

 Hat Björn Höcke schon reagiert?

Momentan sieht es so aus, dass - so berichten die Leute, die vor Ort sind - von seinem Grundstück aus gepöbelt wird. Nicht nur von ihm, sondern auch von anderen Rechtsradikalen. Wir haben einen gesehen, der eine AfD-Jacke trägt. Bis jetzt ist er aber mit uns noch nicht ins Gespräch gekommen.

Das ist ein kleiner Ort. Da sind Leute, die sich bei Björn Höcke versammelt haben und ihr auf der anderen Seite bei der Stele. Gibt es auch drum herum Leute, die sich das anschauen? Wie reagieren die?  

Bis jetzt haben wir nur wenige Reaktionen von den Anwohnern bekommen. Das was wir gehört haben ist, dass viele auch nicht mit Höckes Gesinnung übereinstimmen, aber sich nicht trauen, sich öffentlich dagegen zu stellen. In Thüringen und auch um diesen Ort herum gibt es sehr viele Neonazis und Rechtsradikale und ich denke, dass die Leute Angst haben, öffentlich Stellung zu beziehen. Daher ist es uns wichtig mit dem Mahnmal ein Zeichen für ein offenes Deutschland, ein menschenfreundliches, ausländerfreundliches Deutschland zu setzen.

Interview mit Cesy Leonard | Zentrum für politische Schönheit

COSMO | 22.11.2017 | 03:57 Min.

Per Crowdfunding habt ihr innerhalb von wenigen Stunden 28.000 Euro gesammelt. Wofür sammelt ihr noch?

Unser Plan ist es, das Mahnmal dort langfristig zu sichern. Wir haben jetzt schon über 28.000 Euro. Wir möchten, dass das Mahnmal die nächsten fünf Jahre dort stehen bleibt, wir die Miete des Grundstücks dort bezahlen und die Mahnmalpflege gesichert ist.

Eure Aktion macht bundesweit Schlagzeilen. Gehst du davon aus, dass man bei Björn Höcke selber etwas bewegen kann?

Ich denke, dass wichtigste ist, in Deutschland bei denjenigen Menschen etwas zu bewegen, die noch unentschlossen sind und vielleicht nicht viel über die rechte Gesinnung wissen, dass man ihnen dadurch Mut macht. Vor allen Denjenigen, die als Flüchtlinge herkommen oder Menschen, die als Flüchtlingshelfer Repressalien gefürchtet haben, bis hin zu Morddrohungen, was ja Gang und Gebe war, auch hier in Thüringen. Dass man ihnen Mut macht, dass es eine breite Öffentlichkeit gibt, eine wache Zivilgesellschaft, die mit Mut und solchen Aktionen sich ganz klar gegen die Gesinnung der AfD und die rechtsradikale Gesinnung in Deutschland stellt.

Stand: 22.11.2017, 16:00