W wie Willkommenskultur

Refugees welcome

"Wir schaffen das"-Lexikon

W wie Willkommenskultur

Ein Zustand, in dem sich viele Menschen in Deutschland im Sommer 2015 befanden. In diesem Gefühl sind sie zum Beispiel winkend zum Bahnhof gegangen - um einreisende Flüchtlinge willkommen zu heißen. Viele boten neben einer freundlichen Gesinnung auch Kleidung und Lebensmittel an, um die Neuankömmlinge zu unterstützen. So richtig in Fahrt gekommen ist die Willkommenskultur nach Merkels berühmt gewordenem: "Wir schaffen das!"

Mit dem sie ihrem Volk Mut zusprechen wollte. Die Willkommenskultur bezeichnet eigentlich eine aufgeschlossene Haltung gegenüber Menschen, die neu in ein Land kommen. Von Kritikern wird sie seit dem Sommer 2015 - auch bekannt als Flüchtlingskrise - eher als übertriebene und durchaus gefährliche Gefühlsduselei gesehen. CSU-Häuptling Horst Seehofer freut sich deshalb heute, "dass die bedingungslose Willkommenskultur beendet ist".

Obwohl das wohl nicht so ganz stimmt - wie die Bertelsmann Stiftung bei einer Befragung Anfang des Jahres herausgefunden haben will.

Migrationsexperte Ulrich Kober zur Studie: Willkommenskultur im Stresstest

"Die noch junge Willkommenskultur in Deutschland hat ihren ersten richtigen Stresstest bestanden. Die Mehrheit der Befragten glaubt nach wie vor, dass die Flüchtlinge und Einwanderer in Deutschland willkommen sind. Allerdings sieht man auch, dass die Aufnahmebereitschaft zurückgeht und dass auch die Skepsis gegenüber Migration wächst."

Ob das eine gute oder schlechte Nachricht ist, wird leider nicht so richtig klar. Denn Deutschland fällt es offenbar schwer, zwischen seinen Extremen - von NSU-Terror bis zur überschwänglichen Willkommenskultur - eine gute Balance zu finden.