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I wie Integration

Interview mit Abdulrahman Abbasi

"Wir schaffen das"-Lexikon

I wie Integration

Aus dem Lateinischen integrare für: ergänzen, auffrischen, neu anfangen. Also eigentlich eine schöne Sache. Allerdings war lange nicht klar, dass sich Integration nicht von selbst einstellt. Erst 2010 (!) wurde der Republik bewusst, was für eine Aufgabe Integration ist.

Bundeskanzlerin Angela Merkel: Multikulti ist gescheitert

"Wir haben uns eine Weile lang in die Tasche gelogen, wir haben gesagt: Die werden schon nicht bleiben, irgendwann werden sie weg sein, das ist nicht die Realität. Und natürlich war der Ansatz zu sagen: Jetzt machen wir hier mal Multikulti und leben so nebeneinander her und freuen uns übereinander - dieser Ansatz ist gescheitert. Absolut gescheitert!"

Wissenschaftler sagen, dass zur gelungenen Integration vier Ebenen gehören. Erstens: kulturelle Integration, zum Beispiel durchs Deutschlernen; zweitens: strukturelle Integration, also die Teilhabe an Bildung und Arbeit; drittens: soziale Integration, also dass man nicht nur Beziehungen zu Seinesgleichen hat. Und viertens: emotionale Integration, also eine gewisse persönliche Identifikation mit der Mehrheitsgesellschaft.

Weiterhin ungeklärt ist die genaue Aufgabenverteilung: Wie viel müssen neue Bürger leisten und wie viel Alteingesessene bieten? Diese Frage stellt sich aktuell besonders aufgrund der sogenannten Flüchtlingskrise. Die Religionslehrerin und Autorin Lamya Kaddor hat in ihrem Buch "Die Zerreißprobe" die These vertreten, dass jetzt auch mal die Deutschen dran sind.

Lamya Kaddor: Bringschuld

"Natürlich haben wir Deutsche auch eine Bringschuld! Plakativ gesagt: Man hat uns Jahre lang zugerufen: Integriert euch! Ich kann für mich sagen: Das ist passiert, ich bin integriert. Und jetzt ruft man: Haut ab! Und ich sehe das gar nicht ein, dass ich abhaue!"

Nach der Veröffentlichung ihres Buches 2016 musste Lamya Kaddor aber erst mal unter Polizeischutz gestellt werden, weil Rassisten sie für ihre Forderungen bedrohten. Aber nicht nur Besorgte Bürger kommen ab und zu durcheinander beim Thema Integration. Auch die CSU und ihr Chef Horst Seehofer, wenn sie zum Beispiel eine Deutschpflicht in Wohnzimmern fordern. Dass das nicht klappen konnte, wurde Seehofer auch bald selbst bewusst.

Horst Seehofer: Keine Kontrollen in Familien

"Ich kenne niemanden in der CSU, der überlegt oder auch nur in Erwägung gezogen hätte, dass in einer Familie oder für das Leben in einer Familie jetzt Vorschriften erlassen werden sollen und Kontrollen."

Bis das Großprojekt Integration uns gelungen vorkommt, müssen wohl auf allen Seiten noch so einige Missverständnisse geklärt werden.