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Der Streit um Straßennamen

Eingang U-Bahn Haltestelle Mohrenstraße in Berlin-Mitte. Das "Mohren" überklebt mit "George Flyod"

#Decolonize

Der Streit um Straßennamen

Mohrenstraße, Zigeunerweg oder Lüderitzstraße: In Deutschland gibt es eine Vielzahl an Straßen und Plätzen, deren Namen rassistisch vorbelastet sind oder die nach Personen benannt sind, die als Mittäter und Mitschuldige der NS-Zeit oder im deutschen Kolonialismus gelten.

Sollten Straßen, deren Namen einen rassistischen Bezug haben oder mit NS-Verbrechen oder dem deutsche Kolonialismus in Verbindung stehen, nicht einfach unbenannt werden? Und wer entscheidet eigentlich darüber? In COSMO behandeln wir diese und andere Fragen und schauen intensiv auf Straßen und Plätze, deren Namen für Diskussionen sorgen.

Disput um die Mohrenstraße in Berlin-Mitte

In Deutschland kommen immer mehr Straßennamen auf den Prüfstand. In Berlin-Mitte etwa fordern schwarze Aktivist*innen die Umbenennung der Mohrenstraße, weil sie den Begriff "Mohr" als verletzend wahrnehmen. Die Initiative "Decolonize Berlin" schlug vor, die Straße nach dem schwarzen Philosophen Anton Wilhelm Amo, zu benennen. Die Bürgerinitiative "Pro-Mohrenstraße" setzt sich gegen eine Umbenennung ein.

Streitpunkt Mohrenstraße: Warum umbenennen?

COSMO 24.06.2020 02:52 Min. Verfügbar bis 24.06.2021 COSMO

Streitpunkt Mohrenstraße: Warum nicht umbenennen?

COSMO 24.06.2020 02:40 Min. Verfügbar bis 24.06.2021 COSMO

Megaloh zum Disput um die Mohrenstraße

COSMO 25.06.2020 01:27 Min. Verfügbar bis 25.06.2021 COSMO

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Kommentar zur Mohrenstraße

COSMO 25.06.2020 02:07 Min. Verfügbar bis 25.06.2021 COSMO

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Afrikanisches Viertel in Berlin

Das Afrikanische Viertel liegt im Stadtteil Wedding. Drei Namen sollen geändert werden. Der Nachtigalplatz, die Petersallee und die Lüderitzstraße.

Streit um das Afrikanische Viertel in Berlin

COSMO 25.06.2020 05:33 Min. Verfügbar bis 25.06.2021 COSMO

Ein Straßenschild mit den Namen «Sansibarstraße» und «Lüderitzstraße» steht am 14.06.2017 an einer Kreuzung im afrikanischen Viertel in Berlin

Der Streit um Straßennamen - Interview mit der Historikerin Bebero Lehmann

COSMO 11.03.2020 07:07 Min. Verfügbar bis 12.03.2021 COSMO

Die Straße "Deutsches Reich" in Bochum

COSMO 12.03.2020 07:21 Min. Verfügbar bis 12.03.2021 COSMO

Der Stadtteil "Neger" in Olpe

Spätestens seit den weltweiten Black Lives Matter-Protesten stellt sich auch für Deutschland die Frage: Wie gehen wir eigentlich mit Statuen, Straßennamen, aber auch ORTSNAMEN um, die rassistisch aufgeladen sind? Hier fällt gleich ein Wort, das viele Menschen verletzt, aber das steht tatsächlich so auf offiziellen Landkarten und Ortsschildern: Olpe-Neger. Ein Dorf im Sauerland heißt so, der Name geht aber nicht zurück auf das N-Wort mit dem Schwarze diskriminiert werden. Sondern auf den Fluß im Ort. Jetzt werden Rufe laut, das Dorf umzubenennen.

Der Stadtteil "Neger" in Olpe

COSMO 26.06.2020 03:45 Min. Verfügbar bis 26.06.2021 COSMO

Das "Chinesenviertel“ in Köln

Das sogenannte Kölner "Chinesenviertel“ besteht aus der Takustraße, dem Takuplatz, der Lansstraße und der Iltisstraße. Alle Namen hängen zusammen mit der Niederschlagung des Boxeraufstandes in China durch europäische Kolonialmächte vor 120 Jahren. Damals hat das deutsche Kampfschiff Iltis unter dem Kommando von Korvettenkapitän Lans das Taku-Fort mit den Aufständischen chinesischen Unabhängigkeitskämpfern beschossen. Die Straßen im "Chinesenviertel" haben ihre Namen trotz Diskussionen bislang behalten. Ist eine Umbenennung bei den Anwohnern kein Thema mehr?

Das "Chinesenviertel" in Köln

ZZZ_COSMO Sound Guide (inaktive) 26.06.2020 03:14 Min. Verfügbar bis 26.06.2021 COSMO

Diskussion um Kolonial-Straßen in Düsseldorf

Nicht nur um die Umbenennung der "Mohrenstraße" in Berlin-Mitte wird gestritten, sondern auch um viele andere Straßen in ganz Deutschland. Zum Beispiel in Düsseldorf, wo es Forderungen gibt Straßennamen zu ändern, die nach deutschen Kolonialisten benannt sind.

Diskussion um Kolonial-Straßen in Düsseldorf

COSMO 25.06.2020 03:46 Min. Verfügbar bis 25.06.2021 COSMO

Empfehlung zur Umbenennung von zwölf Straßen und die Gründe dafür

Ein wissenschaftlicher Beirat aus Historikern empfiehlt aus den unten genannten Gründen, zwölf Düsseldorfer Straßennamen umzubenennen, die an historisch belastete Personen erinnern.

Hermann von Wissmann

Hermann von Wissmann (1853-1905) war Offizier, Kolonialbeamter und Afrikaforscher. Als Reichskommissar und Gouverneur von Deutsch-Ostafrika soll er Verbrechen gegen die afrikanische Bevölkerung verübt haben. Aufgrund dieser aggressiven Aktivität in der Kolonialzeit wird über eine mögliche Straßenumbenennung beraten.

Hermann von Wissmann (1853-1905) war Offizier, Kolonialbeamter und Afrikaforscher. Als Reichskommissar und Gouverneur von Deutsch-Ostafrika soll er Verbrechen gegen die afrikanische Bevölkerung verübt haben. Aufgrund dieser aggressiven Aktivität in der Kolonialzeit wird über eine mögliche Straßenumbenennung beraten.

Hans-Christoph Seebohm (1903-1967) war deutscher Politiker und in der Nazi-Zeit ein hoher NS-Funktionär. In dieser Zeit hat seine Familie im Sudetenland jüdischen Besitz "arisiert". Trotzdem war er von 1949 bis 1966 Bundesminister für Verkehr und 1966 Vizekanzler der BRD. Wegen seiner Nähe zum Rechtsextremismus empfiehlt der Beirat eine Änderung des Straßennamens. Er knüpfte trotz seiner Mitgliedschaft in der CDU rechtsextreme Netzwerke.

Alfred Graf von Schlieffen (1833-1913) war preußischer Generalfeldmarschall und zählte zu den großen Militärstrategen der Kaiserzeit. Deshalb wurde eine Düsseldorfer Straße nach ihm benannt. Sein aggressiver Militarismus und Kolonialismus sind Gründe für eine mögliche Umbenennung der Straße.

Nach dem deutschen Politiker Theodor Leutwein (1849-1921) wurde eine Düsseldorfer Straße im Jahr 1936 benannt. Leutwein war Offizier und Kommandeur der kaiserlichen Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika.

Adolph Woermann (1847-1911) war Kaufmann und Großreeder. Er zählt zu den Schlüsselfiguren der deutschen Kolonialwirtschaft.

Franz Adolf Eduard von Lüderitz (1834-1886) war ein deutscher Kaufmann. Er zählt zu den frühen Wegbegleitern des deutschen Kolonialismus. Wegen seines aggressiven Vorantreibens des Kolonialismus empfiehlt der Düsseldorfer Beirat eine Umbenennung.

Börries Freiherr von Münchhausen (1874-1945) war deutscher Lyriker und Senator der Deutschen Akademie der Dichtung. Weil Münchhausen Antisemit war und das NS-Regime unterstützte, empfiehlt der Beirat die Umbenennung der Straße.

Ferdinand Porsche (1875-1951) war Automobilkonstrukteur und Unternehmer. Er war ein Pionier der deutschen Automobilbranche. In seinem Automobilwerk wurden tausende Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge zur Arbeit gezwungen. Seine exponierte Stellung im Dritten Reich und die Unterstützung des NS-Regimes sieht der Beirat der Stadt Düsseldorf als Grund, diesen Straßennamen zu ändern.

Dr. Carl Peters (1856-1918) war deutscher Kolonialpolitiker und Reichskommissar für Ostafrika. Er hatte den Beinamen "Hänge-Peters", weil er zahlreiche Afrikaner umbringen ließ. Er gilt als eine der umstrittensten Personen der deutschen Kolonialbewegung.

Hans Erich Pfitzner (1869-1949) war ein Komponist, Dirigent und Autor. Ab 1936 war er Senator der NS-Reichskulturkammer. Pfitzner war in der Musikgeschichte einer der bedeutendsten Vertreter der Spätromantik. Sein Antisemitismus und seine Stellung im Dritten Reich sind die Gründe für eine Empfehlung des Beirats.

Heinz Ingenstau (1910-1971) war in zahlreichen NS-Organisationen führend aktiv und ab 1937 auch Mitglied der NSDAP. Trotzdem konnte er nach dem zweiten Weltkrieg in Düsseldorf Landgerichtsdirektor und Stadtdirektor werden.

Wilhelm Schmidtbonn (1876-1952) gehörte während der Nazi-Diktatur zu den erfolgreichsten Schriftstellern Deutschlands. Sein Antisemitismus und seine Unterstützung des NS-Regimes stellen die Benennung einer Straße nach ihm in Frage.

Stand: 26.06.2020, 14:00