Live hören
Jetzt läuft: Deep end von Benji Flow

Was jeder von uns für mehr Nachhaltigkeit tun kann

Schüler bei einer "Fridays for future"-Demo

Zero-Waste-Expertin Shia Su

Was jeder von uns für mehr Nachhaltigkeit tun kann

Bei den Europawahlen stehen wohl wie kaum zuvor auch Themen wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Fokus. Doch nicht jeder, der in Europa lebt, darf auch wählen. Gut, dass COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su noch viel mehr Möglichkeiten kennt, wie man auch zwischen den Wahlen aktiv werden kann.

Nachhaltigkeit: Wie und wo zwischen den Wahlen engagieren?

05:01 Min. Verfügbar bis 26.05.2020

COSMO: Shia, wie erlebst Du das? Wollen sich mehr Menschen tatsächlich für mehr Nachhaltigkeit engagieren?

Shia Su: Auf jeden Fall! Da hat sich in den vergangenen fünf Jahren richtig viel getan. Ich weiß noch, als ich 2014 recherchiert hatte, um nach Möglichkeiten zu suchen, diesem Müll-Wahnsinn zu entkommen, bin ich auf genau einen Unverpackt-Laden in ganz Deutschland gestoßen. Das war der Einzige. Ein weiterer war in Planung, aber hatte noch nicht eröffnet. Heute gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen genommen schon über 100 solcher Läden. Das würde nicht gehen, wenn die Nachfrage in der Gesellschaft nicht da wäre. Zivilgesellschaftlich ist es mit den "Fridays for Future"-Demos zum Beispiel ebenfalls deutlich lauter geworden. Es sind außerdem viele neue Bürgerinitiativen entstanden, die Nachhaltigkeitsthemen zum Beispiel in ihren Kommunen einfordern. Dieses Engagement ist toll und irre wichtig, weil wir laut der letzten IPCC-Studie der Vereinten Nationen nur noch elf Jahre Zeit haben, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden. Die Uhr tickt also.

COSMO: Was wäre dein Tipp Nummer 1, um sich für Nachhaltigkeit stark zu machen?

Shia Su: Mund aufmachen! Es ist echt total krass, was man alles ändern kann, wenn man einfach im Alltag öfters mal den Mund aufmacht. Als ich vor einigen Jahren mit dem Müllvermeiden anfing, bin ich in Bioläden gegangen und habe einfach dort den Betreibern erzählt, dass ich gerne weniger Müll machen möchte und gefragt, was sie da für Möglichkeiten haben. Ein Bioladen hatte sich dann weiter informiert und daraufhin eine Unverpackt-Ecke aufgemacht. Einige Cafés, mit deren Besitzern ich viel gesprochen habe, haben irgendwann ihre Einweg-Strohhalme durch wiederwendbare ausgetauscht oder geben Servietten nur noch auf Nachfrage heraus. Ich habe sogar schon eine total spannende private Führung durch unsere örtliche Abfallaufbereitungsanlage bekommen, weil ich einfach als Bürgerin bei der Stadt angerufen habe, um nachzufragen, was eigentlich mit unserem Müll passiert. Probiert es mal selbst aus und fragt freundlich nach.

COSMO: Was ist dein Tipp Nummer 2?

Shia Su: Werdet im weitesten Sinne politisch aktiv. Viele wissen das nicht, aber jeder kann Abgeordnete, Parteien und Fraktionen anschreiben oder auch einfach im jeweiligen Büro anrufen oder sogar vorbeischauen. Das sind auch nur Menschen und außerdem gehört das zu ihrem Job, sich um unsere Anliegen zu kümmern oder zumindest irgendwie darauf zu reagieren. Ich selbst habe mich immer in meiner unmittelbaren Umgebung engagiert. Bei mir war das erst die Universität, wo ich hochschulpolitisch aktiv war und dann habe ich in der Kommunalpolitik als Referentin gearbeitet. Bis heute bin ich der Meinung, dass gerade diese unteren Ebenen stark unterschätzt werden. Gerade da kann man viel bewegen. Schließt euch Protesten wie "Fridays for Future" an, tretet bei Verbänden oder Initiativen an, die eurer Meinung nach für die richtigen Themen kämpfen oder schreibt einfach mal Hersteller an, um sie zur Verantwortung zu ziehen.

COSMO: Dein Tipp Nummer 3?

Shia Su: Den eigenen Alltag klimafreundlicher gestalten. Mit jeder Konsumentscheidung unterstützen wir nämlich entweder Menschen, die es besser machen wollen – beispielsweise indem wir Sachen kaufen, die ethisch vertretbar produziert werden, oder zu regionalen Bio-Lebensmitteln greifen - oder wir unterstützen weiter ausbeuterische Praktiken, in dem wir die Hersteller mit unserem Geld dafür entlohnen. Es gibt zum Glück unzählige Möglichkeiten, den eigenen CO2-Abdruck zu verkleinern – und das Schöne ist: Die können wir ganz direkt umsetzen. Während wir bei den anderen Formen des Engagements die Entscheidungen ja eher indirekt beeinflussen, indem wir wählen gehen oder Druck machen, haben wir unser Konsumverhalten selbst in der Hand. Klar, keiner von uns kann alles auf einmal machen, aber jeder kann etwas machen. Wir sind dem Ganzen nicht einfach machtlos ausgeliefert.

Stand: 26.05.2019, 10:00