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Umziehen - wie nachhaltig geht das?

Umzug

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Umziehen - wie nachhaltig geht das?

Es gibt Momente im Leben, da wird das mit dem Nachhaltig-Leben schwierig. Eine Situation: Umziehen. Das ist nicht nur viel Schleppen, sondern häufig eine ganze Menge Müll! Shia Su, unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin ist diese Woche umgezogen und das natürlich so nachhaltig wie möglich.

Umziehen - wie nachhaltig geht das?

COSMO | 10.06.2018

Cosmo: Wie hast Du das mit dem Umzug gemacht?

Shia Su: Ich hatte überlegt, ob wir nicht ein Elektroauto dafür mieten könnten. Elektro-Transporter zum Mieten konnte ich leider gar nicht finden und alle Elektro-Autos waren sportliche oder kleine Modelle ohne Anhängerkupplung.
Am Ende haben meine Schwiegereltern uns unter die Arme gegriffen. Ein paar wenige, aber sperrige Dinge, wie die Matratze hatten wir sowieso noch bei ihnen auf dem Dachboden gelagert. Wir sind also zu viert in deren Kleinwagen, mit Matratze und Fahrrad im Anhänger, losgefahren. Unterwegs nach Köln haben wir an drei Stationen auf dem Weg gebrauchte Möbel für die neue Wohnung abgeholt, um zusätzliche Fahrten und Emissionen zu vermeiden. Als Minimalisten haben wir zum Glück sowieso nicht viel, das passte also problemlos rein. So wenig, dass wir nicht mal etwas zum Ausmisten gehabt hätten.

Cosmo: Aber wenn du ausgemistet hättest, hättest Du das Zeug aber sicher nicht stumpf auf den Sperrmüll geworfen, oder?

Shia Su: Nein, nicht, wenn die Dinge noch brauchbar sind! Grundsätzlich macht es Sinn, sich vor einem Umzug von unnötigem Ballast zu trennen, bevor man das quer durchs Land zu karrt. Die Sachen einfach wegzuwerfen, wäre aber nicht nachhaltig. Über regionale Facebook-Gruppen oder Ebay-Kleinanzeigen zum Beispiel kannst du die Dinge noch toll unter die Leute bringen, entweder verkaufen oder auch verschenken. Und das ganz lokal. Es gibt ja schon genug Dinge auf dieser Welt. Statt unsere knapper werdenden Ressourcen darauf zu verwenden, immer mehr Sachen zu produzieren, macht es einfach mehr Sinn, die Dinge umzuverteilen. Da hab ich mich schon öfters gewundert, was mir nicht noch alles unter den Nägeln weggerissen wurde. Alte Handyladegeräte und angebrochene Lebensmittel zum Beispiel. 

Cosmo: Wie hast du das denn mit Umzugskartons gemacht?

Shia Su: Wir hatten jetzt gar keine. Als Minimalisten haben wir ja nicht so viel. Hätten wir Umzugskartons gebraucht, würden zehn für meinen Partner und mich zusammen sicherlich locker reichen, aber wir haben alles in zusammengesuchte Kartons verstauen können. Aber auch Umzugskartons muss man nicht bei jedem Umzug für teures Geld kaufen. Lieber Freunde, Arbeitskollegen und Bekannte fragen, denn irgendwer hat immer Umzugskartons im Keller, die du dir dann ausleihen kannst. Unsere zusammengesuchten Kartons werden wir nach dem Umzug wahrscheinlich zum Verschenken ins Internet stellen. Eine tolle Sache sind übrigens wiederverwendbare Boxen, die du dir speziell für Umzüge mieten kannst. So fällt auch kein Altpapier-Müll an – und die Kisten sind auch etwas stabiler als Kartons.

Cosmo: Wie ist das denn mit den Möbeln – konntest Du da alle bisherigen Möbel mitnehmen oder hast Du neue kaufen müssen?

Shia Su: Ja, leider. Wir waren bis vor kurzem ein Jahr im Ausland und haben da nur das Allernötigste eingelagert, die besagte Matratze bei den Schwiegereltern. Das heißt, wir hatten fast keine Möbel mehr für den Umzug.  Zum Glück sind Möbel etwas, was man wirklich super gebraucht bekommt, hat ja sogar bei uns mit der Abholung mitten im Umzug geklappt. Aber manchmal wird es schon knifflig. Mein Partner und ich leben als Minimalisten lieber auf kleinem Raum. Unsere neue Wohnung ist nur 30 Quadratmeter groß und da wollten wir unbedingt ein Schrankbett, also ein Bett, das tagsüber in einen Schrank eingeklappt wird. Dann auch noch ein spezielles Maß, weil man das nur in die eine Nische stellen kann. Spoileralert: Das hat nicht geklappt. Das haben wir uns also neu gekauft und liefern lassen. Da kam natürlich auch eine Menge Müll zusammen: Styropor, Schrauben in Plastik abgepackt und riesige Kartons natürlich. Manchmal stößt man an die Grenzen, auch, wenn man versucht, so nachhaltig wie möglich zu leben, aber das finde ich in Ordnung. Wir kaufen nur neu, was sich nicht gebraucht auftreiben lässt.

Stand: 10.06.2018, 12:08