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Richtig Recyceln – was passiert mit unserem Müll?

Eine braune, eine gelbe, eine graue und eine blaue Mülltonne

Nachhaltigkeit

Richtig Recyceln – was passiert mit unserem Müll?

Mülltrennung wird in Deutschland großgeschrieben. Wir trennen ihn in unzählige Kategorien – alles im Namen des Recyclings. Aber wird wirklich alles, was nicht Restmüll ist, auch recycelt? Was eigentlich mit unserem Müll passiert, weiß unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su.

Richtig Recyceln - Was passiert mit unserem Müll?

COSMO 28.04.2019 04:30 Min. Verfügbar bis 28.04.2020 COSMO

Cosmo: Die Mythen ranken sich darum, dass sowieso alles verbrannt wird. Stimmt das?

Shia Su: Jein. An diesem Mythos ist aber schon ein Fünkchen Wahrheit dran. Die Recyclingquote beim Gelben Sack ist nämlich ziemlich schlecht. So ungefähr ein Drittel vom Plastikmüll darin wird recycelt, obwohl mehr darin recycelbar wäre. Aber recycelt wird nur, wenn es wirtschaftlich profitabler ist, als die Sachen zu "verbrennen". Das Wort "verbrennen" wird in der Industrie sehr ungern benutzt, da spricht man lieber von der "thermischen Verwertung". Das bedeutet, dass der Plastikmüll als Ersatzbrennstoff zum Beispiel an Kraftwerke geht. Denn Plastik wird aus Erdöl hergestellt und brennt genauso gut wie andere fossile Brennstoffe. Es setzt auch genauso viele Treibhausgase frei. Weil sowohl "Recycling" als auch die "thermische Verwertung" in Deutschland als "Verwertung" gilt, können wir mit einer statistisch wunderschön anzusehenden Verwertungsquote von ungefähr 99 Prozent glänzen.

Cosmo: Shia, was ist mit dem Joghurtbecher – ausspülen oder nicht?

Shia Su: Der Joghurtbecher muss nicht noch extra ausgespült werden. Wichtig ist aber, dass der Metalldeckel komplett abgerissen wird! Je sortenreiner, desto besser recycelbar. Da steht nicht irgendein Mensch in der Anlage, der extra bei jedem Joghurtbecher den Deckel abmacht. Wenn der Deckel dran bleibt, landen Deckel und Becher zusammen beim Metall und der Plastikbecher verbrennt beim Einschmelzen.

Cosmo: Was ist mit Verpackungen, die sehr offensichtlich aus verschiedenen Materialien bestehen?

Shia Su: Verpackungen sind in den letzten Jahren immer schicker und ausgefeilter geworden – und so immer weniger recycelbar, obwohl die einzelnen Komponenten es wären. Aber die müssen sich natürlich auch maschinell trennen lassen. Und da jeder Hersteller sein eigenes Verpackungsdesign hat, wird das schwierig. Selbst wenn, dann ist das unglaublich aufwendig. Die Realität sieht so aus, dass gerade so viel davon recycelt werden, dass die gesetzlichen Quoten erfüllt sind.

Cosmo: Auf dem Pizzakarton steht "bitte recycle mich" drauf. Darf der wirklich in die Altpapiertonne?

Shia Su: Wenn der Karton super sauber ist geht das. Aber welcher Pizzakarton ist das schon? Aber in den Biomüll darf der verdreckte Karton. Anders ist das bei Papptellern oder Pappbechern. Die sind in der Regel nämlich mit Plastik beschichtet und gehören in den Restmüll. Was übrigens auch nur sehr selten recycelbar ist, ist schwarzes Plastik. Die Anlagen können wegen der Pigmente darin die Plastikart nämlich nicht zuordnen.

Stand: 27.04.2019, 15:30