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Plastikmüll einsparen beim Einkaufen

Das Bild zeigt das Obst- und Gemüseregal in einem Supermarkt.

Zero-Waste-Expertin Shia Su

Plastikmüll einsparen beim Einkaufen

Wir machen zu viel Müll: Mehr als 200 Kilogramm Verpackungsmüll kommen statistisch auf jeden Menschen in Deutschland. Cosmo-Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su hat mal getestet, wie sich in einem herkömmlichen Supermarkt Plastikmüll einsparen lässt und welche Alternativen es gibt.

Plastikmüll einsparen beim Einkaufen

COSMO 02.06.2019 04:20 Min. COSMO

Inzwischen gibt es doch auch einige "Unverpackt-Läden", bei denen man ohne Verpackung einkaufen kann. Wieso hast du trotzdem das Experiment gemacht?

Weil wir leider nicht in einer perfekten Welt leben. Es gibt viele Gründe, warum jemand nicht in einem Unverpackt-Laden einkaufen kann. Vielleicht gibt’s bei dir einfach keinen. Vielleicht kommst wegen deiner Arbeitszeiten nicht zu den Öffnungszeiten hin. Oder du hast eine heftigere Lebensmittel-Allergie bzw. eine -Unverträglichkeit, wo du irre aufpassen musst, dass das, was du isst, nicht mal Spuren von genau dem Lebensmittel enthält. Da ist ein Unverpackt-Laden natürlich raus, weil dann alles Spuren von allem enthalten kann, wird halt an einem Ort alles umgeschüttet. Der Supermarkt ist da für viele also die realistische Alternative. Macht aber nix, ich bin ja immer Verfechterin davon, das Beste aus dem zu machen, was eben möglich ist. Ich kenn das übrigens auch ohne Unverpackt-Laden – zum nächsten hab ich früher nämlich zwei Stunden mit den Öffis gebraucht. Wenn sich da mal die Möglichkeit ergab, hab ich direkt auf Vorrat gekauft und ansonsten in normalen Läden eben versucht, alles so plastikmüllarm wie möglich zu bekommen.

Gut, du lebst in Köln, wo es direkt fünf Unverpackt-Läden gibt. Den Luxus hat ja nicht jeder. Aber auch in einem normalen Supermarkt kann man Plastikmüll einsparen. Das hast du also für uns getestet. Wie war’s so für dich?

Schon ziemlich ungewohnt, ich kauf ja sonst aufm Wochenmarkt und im Unverpackt-Laden ein. Aber es war echt besser als erwartet! Bevor ich losgezogen bin, hab ich mir erst mal ein paar Sachen eingesteckt. Am besten für Umwelt und Klima ist ja natürlich ganz ohne Verpackung, d.h. ich hab natürlich Dinge zum Reintun gebraucht. Die jute Jute natürlich – also Einkaufstaschen aus Stoff –, einen Stoffbeutel für Brot, ’ne Dose für die Frischetheke und für loses Obst und Gemüse hab ich einfach ein Wäschenetz zweckentfremdet.

Und dagegen hat im Supermarkt niemand was gesagt? Oder gab’s Gemecker?

Angepflaumt wurde ich nicht! Hat nicht mal irgendwer auch nur mit einer Wimper gezuckt. Weder an der Kasse mit den grünen, frischen Bohnen im Wäschenetz noch beim Bäcker, als ich meinen Stoffbeutel aufgehalten hab. Allerdings hab’ ich an der Frischetheke und der Salatbar ne Abfuhr kassiert – aber voll nett waren sie! Haben sich dafür entschuldigt, dass sie da noch nicht so weit sind, aber hoffen, dass sie bald auch so ein Tablettsystem einführen, wie es ja schon viele Supermärkte machen.

Das ist doch das, wo du deine Dose aufs Tablett legst und die dann das Tablett mit deiner Dose hinter die Theke zum Befüllen nehmen, oder?

Ganz genau! So kann das Personal die Lebensmittel in deiner Dose abwiegen, ohne dass deine Dose irgendetwas sonst da berührt oder vom Personal angefasst werden muss. Hintergrund sind Hygienebestimmungen. Ich hab auch mit dem Besitzer der Filialen da in der Gegend telefoniert und er überlegt, das System auch einzuführen, findet er nämlich gut! Aber auch ohne Frischetheke gab’s so einiges. Loses Obst & Gemüse – das gibt’s ja fast überall –, total viele Sachen in Glas natürlich, Mehl und Zucker in Papier – aber sogar Hülsenfrüchte und ein paar Nudeln in Pappschachteln und es gab auch viel Schoki in Papier und Alu statt Plastik. Die beste Verpackung ist natürlich keine Verpackung, aber Glas, Papier und Alu lassen sich zumindest besser recyceln als Plastik. Wären "Plastik" und "Recycling" Personen bei Facebook, hätten die beide nämlich den Beziehungsstatus "it’s complicated".

Stand: 02.06.2019, 15:40