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Bioplastik - Ist das nachhaltig?

Der Schriftzug "100% kompostierbar" auf einer Plastikverpackung.

Zero-Waste-Expertin Shia Su

Bioplastik - Ist das nachhaltig?

Klimawandel ist gerade in diesem Sommer ein heißes Thema! Kommt die Hitze durch den Klimawandel? Wie können wir umweltfreundlicher leben und können wir unseren Konsum fossiler Rohstoffe begrenzen? Dazu gehört auch Plastik, denn Plastik wird aus Erdöl hergestellt. Das soll besser werden, versprechen uns Bioplastik-Produkte. Aber ist Bioplastik auch wirklich so "bio", wie der Name suggeriert? Das weiß Shia Su, unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin.

Bioplastik: Nachhaltig oder nicht?

COSMO 04.08.2019 04:40 Min. Verfügbar bis 04.08.2020 COSMO

COSMO: Bioplastik ist nicht gleich Bioplastik. Was steckt dahinter?

Shia Su: Das ist kompliziert! Es gibt einmal Bioplastik, das "biobasiert" ist, also aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt ist, zum Beispiel aus Mais oder Kartoffeln. Die nennt man auch biobasierte Kunststoffe. Aber Achtung: Das heißt noch lange nicht, dass diese biobasierten Kunststoffe biologisch abbaubar oder überhaupt recycelbar sind! Oder dass sie überhaupt zu 100% biobasiert sind, wie z.B. bei den wiederverwendbaren Kaffee-to-go-Bechern aus Bambus, wo neben Bambus auch herkömmliches Plastik drin steckt.

Und es gibt Bioplastik, wo sich die Vorsilbe "bio" darauf bezieht, dass der Kunststoff biologisch abbaubar ist. Auch biologisch abbaubare Kunststoffe genannt. Hier ist es genau umgekehrt. Nur weil dieses Bioplastik biologisch abbaubar ist, heißt es noch lange nicht, dass es aus nachwachsenden Rohstoffen besteht! Da kann also trotzdem Erdöl drin stecken, wie eben beim gängigen Plastik, das aus Erdöl hergestellt wird.

COSMO: Aber biologisch abbaubar find ich ja schon mal echt nicht verkehrt, auch wenn es leider immer noch aus Erdöl hergestellt wird...

Shia Su: Achtung! Biologisch abbaubar heißt nicht automatisch kompostierbar. Und selbst wenn explizit "kompostierbar" drauf steht, heißt es noch lange nicht, dass das Teil in die Biotonne darf! In der Praxis hat sich gezeigt, dass angeblich kompostierbares Bioplastik wie z.B. Biomülltüten, sich trotzdem nicht schnell genug in den Anlagen zersetzen und dann z.B. zu Verstopfungen und anderen Problemen führen. Obwohl sie genau dafür verkauft werden!

Eine Studie von der University of Plymouth hat herausgefunden, dass solche biologisch abbaubaren Bioplastiktüten sich sogar nach drei Jahren im Meer und in der Erde nicht zersetzt hatten und sogar noch so fest waren, dass nach wie vor Einkäufe darin getragen werden konnten!

COSMO: Also wie entsorge ich dann Bioplastik richtig?

Shia Su: In der Gelben Tonne bzw. im Gelben Sack. De facto wird es allerdings mit 100%-iger Wahrscheinlichkeit verbrannt bzw. "der energetischen Verwertung zugeführt", wie es im Behördendeutsch geschönt ausgedrückt wird. Heißt, es wird als Ersatzbrennstoff verbrannt und in Treibhausgase umgewandelt, die dann dem Klimawandel einheizen. Es gibt zwar Bioplastik, das recycelbar ist, aber die Anlagen sind gar nicht darauf eingestellt, Bioplastik zu erkennen. Lohnt sich einfach nicht, wenn der Marktanteil bei unter einem Prozent liegt.

COSMO: Die Gretchenfragen Sind diese Biokunststoffe denn am Ende wirklich nachhaltiger?

Shia Su: Das hat das Umweltbundesamt untersucht und kommt zum Ergebnis: Nein, unterm Strich sind sie es nicht. Bei den biologisch abbaubaren Biokunststoffen wurde kein Vorteil festgestellt. Die Ökobilanz ist gleich schlecht und die biologische Abbaubarkeit eher, naja, nach wie vor schwierig.

Biokunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen sind auch nicht viel besser! Da verschieben sich nur die Umweltbelastungen. Durch den Anbau kommt es zu saurem Boden oder Wasserverschmutzung. Außerdem fehlen die Ackerflächen dann für den Lebensmittelanbau, weil stattdessen Pflanzen für Biokunststoffe angebaut werden. Und dieser Biokunststoff ist ja auch nicht unbedingt biologisch abbaubar, d.h. er hinterlässt die gleichen Umweltschäden wie reguläres Plastik aus Erdöl. Mikroplastik zum Beispiel.

Am nachhaltigsten ist es übrigens – und ich sage es gerne immer wieder – einfach nicht so viele Einweg-Sachen zu benutzen! Völlig egal ob aus Plastik, Bioplastik oder Papier! Einfach mal Mehrweg denken – und noch besser: handeln.

Stand: 04.08.2019, 16:03