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Nachhaltigkeits-Irrtümer

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Nachhaltigkeits-Irrtümer

Viele versuchen im Alltag nachhaltige Entscheidungen zu treffen. Manchmal ist das aber nicht einfach. Zum Beispiel beim Einkaufen von Lebensmitteln. Unsere Cosmo-Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su klärt uns über Nachhaltigkeits-Irrtümer auf.

Nachhaltigkeits-Irrtümer

COSMO 24.02.2019 04:37 Min. Verfügbar bis 24.02.2020 COSMO

Cosmo: Es gibt überall Papier- statt Plastiktüten. Ist Papier wirklich nachhaltiger als Plastik?

Shia Su: Die Papiertüte braucht in der Herstellung doppelt so viel Energie und belastet dabei Luft und Wasser stärker als die Plastiktüte. Aber natürlich kann man da auch noch was drehen, indem zum Beispiel Altpapier für die Herstellung von Papiertüten verwendet wird. Die Plastiktüte ist reißfester und dadurch langlebiger. Der Vorteil der Papiertüte ist dagegen, dass sie sich in der Natur zersetzt und nicht wie Plastik unsere Umwelt noch jahrhunderte-, wenn nicht jahrtausendelang verschmutzt. Das nimmt sich also nicht so viel, wie man denkt. Die beste Lösung ist natürlich Einweg ganz weg zu lassen und einfach einen Stoffbeutel zu benutzen. Den muss man aber immer und immer wieder benutzen, denn die sind natürlich nur umweltfreundlicher, wenn wir sie nicht wie einen Einweg-Gegenstand benutzen.

Cosmo: Sind Lebensmittel in Glas umweltfreundlicher als in einer Plastikverpackung?

Shia Su: Glas kann man unendlich oft recyceln, was schon mal ziemlich cool ist. Plastik hingegen wird in Deutschland überwiegend – also zu über 50 Prozent 015 – der sogenannten "energetischen Verwertung" zugeführt. Das ist der gut klingende Ausdruck für: Am Ende doch verbrannt. Was recycelt wird, wird in der Regel "gedowncycelt", das heißt aus dem recycelten Produkt kann nicht noch mal etwas werden, das ist dann Restmüll. Aus einer Plastikflasche wird also beispielsweise ein Pulli, der kann aber dann nicht wieder recycelt werden. Und wenn Plastik in der Natur landet, ist das natürlich sehr schädlich. Der große Vorteil an Plastikverpackung ist allerdings, dass sie leicht ist und deshalb im Transport weniger Emissionen erzeugt. Also: Bei regionalen Produkten auf jeden Fall zu Glas statt Plastik greifen. Bei weitgereisten Dingen mal überlegen, ob man das wirklich braucht oder ob man es nicht doch im Unverpackt-Laden bekommt.

Cosmo: Was ist mit Getränken in Getränkekartons?

Shia Su: Getränkekartons werden leider immer beliebter und werden auch leider als umweltfreundlich vermarktet. Das ist aber Quatsch, denn Getränkekartons bestehen aus bis zu neun verklebten Schichten und das macht sie einfach mal sehr schwer und aufwendig zu recyceln. Lieber Finger weg von Einweg-Verpackungen, wenn es geht.

Cosmo: Also dann doch Mehrweg-Glasflaschen?

Shia Su: Generell ist es natürlich besser, Mehrweg zu bevorzugen. Wenn schon Flaschenkind, dann am besten Getränke aus der Region in Mehrweg-Glasflaschen – wegen der Transportemissionen, denn Glas ist schwer. Glas ist also nur unterm Strich umweltfreundlicher, wenn wir uns darin nicht Mineralwasser aus Frankreich oder Italien kaufen. Und sowieso: Wasser verpackt zu kaufen ist eine echte Umweltsünde, egal ob in Glas oder Plastik, Einweg oder Mehrweg. Das umweltfreundlichste Wasser kommt aus der Leitung. Und wir haben hier in Deutschland gutes Wasser. Das kommt auch noch frei Haus geliefert, ganz ohne Schleppen.

Stand: 24.02.2019, 11:10