Altersvorsorge: Geld ethisch-ökologisch anlegen

Ein rosa Porzellan-Sparschwein von oben.

Nachhaltigkeits-Expertin Shia Su

Altersvorsorge: Geld ethisch-ökologisch anlegen

Wie plane ich meine Altersvorsorge? Geld anlegen klingt ja sinnvoll, die Frage ist nur, wie? Diejenigen, die ihr Geld investieren, gucken vermutlich gar nicht auf die Kurswerte. Corona hat ja auch da Spuren hinterlassen. Aber trotzdem müssen wir ja irgendwie für das Alter vorsorgen. Das macht auch unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su, die natürlich auch da den Klimaschutz nicht aus den Augen verliert.

Shia Su - Nachhaltige Altersvorsorge

04:52 Min. Verfügbar bis 31.05.2030

COSMO: Shia, als Freiberuflerin musst du dich ja komplett selbst um deine Altersvorsorge kümmern. Wie machst du das?

Shia: Ungern mache ich das. Genau wie die Steuererklärung. Aber hilft ja alles nichts: Was muss, das muss. Also: Zum einen lege ich jeden Monat Geld zur Seite, das ich selber anlege und das zum Großteil auch für die Altersvorsorge gedacht ist. Ich zahle diesen Teil nicht in eine Rentenversicherung ein, weil gerade als Selbstständige halt vieles ungewiss ist. Es kann bei mir immer so sein, dass ich das Geld dringender jetzt für irgendwas brauche. Dann komme ich zumindest dran.

Außerdem habe ich noch die Basisrente, die oft auch Rürup-Rente genannt wird. Das ist eine steuerlich vergünstigte Form der privaten Altersvorsorge, in die ich jeden Monat brav einzahle und wenn die Finanzlage es zulässt, kommt am Jahresende noch mal ein bisschen was rein. An das Geld komme ich natürlich erst im Rentenalter. Das aufzusetzen war jetzt ehrlich gesagt alles nicht so schwer. Die Herausforderung war, da etwas zu finden, das auch mit Nachhaltigkeit vereinbar ist.

COSMO: Und was hat denn so was mit Nachhaltigkeit zu tun?

Shia: Viel mehr, als man so denkt! Alles, was mit Geldanlagen oder auch Banken als Kreditinstituten zu tun hat, hat direkte Auswirkungen auf Klimaschutz, Arbeitsbedingungen oder sogar Kriege! Banken wirtschaften mit unserem Geld, um Gewinne zu erzielen. Dabei investiert die überwiegende Mehrheit der Banken standardmäßig in Firmen, die wiederum ihre Hände in Rüstungsgeschäften und Menschenrechtsverletzungen haben können, auch Atom- und Kohlekraft sind dabei. Das Gleiche gilt natürlich auch, wenn wir oder die Versicherung in Fonds oder Aktien investieren.

Tja, wie "Ton Steine Scherben" schon Anfang der 70-er Jahre besungen haben: "Wer das Geld hat, hat die Macht und wer die Macht hat, hat das Recht." Und die Frage ist hier: Wem geben wir unser Geld?

COSMO: Und Rente hat mit Geld und Geld anlegen zu tun.

Shia: Genau, wobei das natürlich auch auf die Rentenform ankommt. Die gesetzliche Rentenversicherung ist z.B. umlagenfinanziert. Das bedeutet, dass bei der gesetzlichen Rentenversicherung die Beiträge der jungen Einzahler die Renten der Älteren finanzieren, die jetzt am Ende ihres Berufslebens angekommen sind. Bei z.B. der Basisrente, die ich habe, ist das anders. Das Geld, das ich einzahle, wird von der Versicherung angelegt und so wird meine Rente später finanziert. Kapitalgedeckt heißt das. Und ich möchte jetzt natürlich nicht, dass meine Rentenversicherung mit meinem Geld in Unternehmen finanziert, die dem Klima schaden oder Menschen ausbeuten.

COSMO: Aber woher weißt du, welche Versicherungen gut sind und welche nicht?

Shia: Das ist leider gar nicht so einfach. Die Verbraucherzentrale Bremen hat z.B. Anbieter der Riester-Rente - das ist ja eine staatlich geförderte und private Altersvorsorge - auf Transparenz untersucht, was ethisch-ökologische Kriterien angeht. Nur 5 von 48 Anbietern schlossen ethische und ökologisch bedenkliche Branchen aus. Wer mehr dazu wissen will, kann das auf der Homepage der Verbraucherzentrale Bremen nachlesen.

Eine weitere gute Anlaufstelle, um sich beraten zu lassen, können auch Nachhaltigkeitsbanken sein. Das sind Banken, die bedenkliche Branchen komplett ausschließen und meistens gezielt in grüne Branchen wie z.B. erneuerbare Energien investieren und sehr transparent sind. Ich bin natürlich auch bei einer Nachhaltigkeitsbank, die sogar eine Genossenschaft ist. Das bedeutet, meine Bank ist nicht mal profitorientiert. Dort habe ich mich von meiner Beraterin ausführlich informieren lassen. Die bekommt übrigens auch keine Provision, für sie ist das einfach stinknormale Arbeitszeit.

Für Hintergrundinfos kann ich noch den gemeinnützigen Verein "Urgewald" wärmstens empfehlen, die leisten ganze Arbeit rund um das Thema Geld und Nachhaltigkeit.

Stand: 17.05.2020, 12:30