Live hören
Jetzt läuft: Domoroza von TDK Macassette feat. Mnqobi Yaso

Warum die „Fridays for Future“-Demo so wichtig ist

Demonstration

Zero Waste

Warum die „Fridays for Future“-Demo so wichtig ist

Wir hatten lange genug Zeit, den Klimawandel aufzuhalten. Haben wir aber nicht. Daher versammeln sich unter dem Hashtag #FridaysforFuture jeden Freitag junge Leute und fordern, dass die gesetzten Klimaziele eingehalten werden. Richtig so, findet COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su.

Warum die „Fridays for Future“-Demo so wichtig ist

COSMO | 10.03.2019

Cosmo: Shia, du bekommst regelmäßig über deine Social Media- Kanäle Nachrichten von jungen Leuten. Wie sehen die Zukunftssorgen dieser jungen Menschen aus?

Shia Su: Viele haben Angst. Und sie fragen mich, wie ich es schaffe, so positiv zu bleiben, obwohl ich ja die ganzen harten und schwerverdaulichen Klimafakten kenne, von denen die meisten Erwachsenen leider nichts wissen oder wissen wollen. Zum Beispiel, dass das Klimaziel von zwei Grad eigentlich nicht ausreicht, weil zwei Grad immer noch verheerend sind – und selbst dieses Klimaziel verfehlen wir laufend. Oder dass der Golfstrom zum Erliegen kommen kann. Neue Daten zeigen nämlich, dass seit den fünfziger Jahren der Golfstrom gefährlich langsam geworden ist. Die Ursache dafür ist wahrscheinlich der vom Mensch verursachte Klimawandel. Und ich bekomme Nachrichten von Jugendlichen, die erzählen, dass sie wirklich Panik bekommen, je mehr sie sich eingängig informieren. Ihnen wird klar, dass jung sein heute bedeutet, dass du es definitiv nicht besser haben wirst als deine Eltern. Ob du willst oder nicht: Du musst deren Suppe auslöffeln. 

Cosmo: Viele Erwachsene nehmen die jungen Menschen, die statt in die Schule oder Uni auf die Straße gehen und für die Erhaltung der Klimaziele demonstrieren, nicht ernst. Wie siehst du das? 

Shia Su: Meiner Erfahrung nach ist den meisten Erwachsenen die volle Tragweite des Klimawandels gar nicht bewusst. Ich glaube, die meisten denken insgeheim – wenn sie überhaupt darüber nachdenken, dass sich zwar viel durch den Klimawandel ändern wird, aber das Leben nur anders und nicht unbedingt schlechter wird. Ihnen fehlt auch die Vorstellungskraft für so was Großes wie den Klimawandel. Schüler sind hingegen oft deutlich besser aufgeklärt. Und mal ganz im Ernst: Wenn wir und die Generation davor es trotz der ganzen Warnungen von Wissenschaftlern und anderen Experten nicht verpennt hätten, müssten die Kids heute auch nicht streiken! 

Cosmo: Wie sieht denn deiner Meinung nach die Zukunft derer aus, die heute noch Kinder sind?

Shia Su: Das hängt maßgeblich davon ab, was jetzt in den nächsten elf Jahren passiert. Das ist laut der neuesten IPCC-Studie (Intergovernmental Panel on Climate Change), also dem  Weltklimarat, das Zeitfenster, das uns bleibt, um den Klimawandel auf 1,5 Grad zu begrenzen. Und nur damit das klar ist: 1,5 Grad ist zwar ein kleiner Schritt, aber immer noch verdammt schlecht! Wenn wir so weiter machen wie bisher, landen wir bei drei bis vier Grad! Katastrophal also – im wahrsten Sinne des Wortes! Und trotzdem sträuben sich die politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträger gegen Maßnahmen im großen Stile. Und das, obwohl uns die Zeit ausgeht. Die Generation jetzt hat einfach mal massiv den Kürzeren gezogen.

Cosmo: Was genau meinst du damit?

Shia Su: Viele der Streikenden sind noch minderjährig und politisch somit nicht mündig. Das heißt, du darfst deine Stimme nicht abgeben, obwohl es deine Zukunft ist, die gerade vor deinen Augen verhandelt wird. Das Zeitfenster schließt sich aber schon 2030. Dann sind die jetzt Streikenden teilweise nicht mal 30 Jahre alt! Die Politiker, die jetzt den Kohleausstieg in die Länge ziehen, sind dann aber schon Rentner und denken höchstens daran, wie sie sich ihren Lebensabend noch bequem machen können. Ab 2050 müssten wir übrigens klimaneutral leben, also rechnerisch gar keine Emissionen mehr ausstoßen. Die Entscheidungsträger*innen heute sind dann wahrscheinlich schon unter der Erde. Kein Wunder, dass sie dem keine Priorität einräumen! Wir haben 5 vor 12! Es führt also kein Weg daran vorbei, denen, die heute das Sagen haben, kräftig gegen das Schienbein zu treten, damit sie endlich was tun.

Stand: 10.03.2019, 10:57