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Komposttoiletten auf Festivals

Ein Wegweiser mit dem Wort "Klo" und einem roten Herzchen.

Zero-Waste-Expertin Shia Su

Komposttoiletten auf Festivals

Die Festival-Saison hat begonnen! Nicht ganz so cool: Der ganze Müll, der dort anfällt. Aber auch in dieser Hinsicht tut sich was, immer mehr Festivalbetreiber bemühen sich um Nachhaltigkeit. Und das an einer Stelle, wo man es vielleicht nicht erwartet hätte: auf dem stillen Örtchen!

Komposttoiletten auf Festivals

COSMO 09.06.2019 04:04 Min. COSMO

COSMO: Komposttoiletten sind der neue Festival-Trend! Aber sag mal, sind Dixie-Klos etwa nicht nachhaltig genug?

Das Dixie-Klo ist eine sogenannte "Chemie-Toilette", d.h. alles, was wir so aufm Festival-Dixie von uns geben, landet in einer blauen Sanitärflüssigkeit, die z.B. Geruchsbildung verhindert. Darin enthalten sind allerdings auch Aldehyde wie Formaldehyd – ein giftiger Stoff, der in der EU ja als potentiell krebserzeugend eingestuft ist. Leicht flüchtig isser auch noch, d.h. er kann auch ohne, dass ihr da rein greift, Atemwege und Augen reizen oder Allergien auslösen. Und – wie könnte es anders sein – auch für die Umwelt ist diese Brühe schlecht. Der Naturschutzbund BUND kritisiert die Etikettierung als "biologisch abbaubar" oder "umweltverträglich" als "irreführend" und spricht sogar von Sondermüll. Denn diese Flüssigkeit tötet in Kläranlagen die wichtigen Mikroorganismen, die Kläranlagen brauchen, um unser Abwasser aufzubereiten! Klar, es gibt auch formaldehydfreie Flüssigkeiten, aber auch die sind für Umwelt und Klogänger nicht unbedenklich.

COSMO: Aber immer öfter werden Festivals mit Komposttoiletten bestückt! Shia Su war da schon drauf und findet die total klasse! Erzähl mal, wie war das?

Ich hab’s erst auch nicht geglaubt, aber ich würde das Erlebnis schon fast als angenehm bezeichnen, sofern man so einen Klogang bei Großevents überhaupt als angenehm beschreiben kann. Klar, einige Leute hinterlassen es immer wie Sau, aber diesen sonst ja doch beißenden und ziemlich unangenehmen Geruch gab’s einfach nicht! Im Gegenteil, es hat sogar schon fast angenehm nach so Fichten- oder Pinienholz oder so was gerochen. Total krass!

COSMO: Wie funktioniert so ein Kompostklo denn?

Zum Einen bestehen die in der Regel aus Holz und es gibt entweder unter oder über der Tür Platz, d.h. sie sind schon mal gut durchlüftet. Nachdem du dich erleichtert hast, wirfst du eine Handvoll Holzspäne in den Behälter. Das Holz bindet große und kleine Geschäfte und so bleibt alles ziemlich geruchsneutral. Der angenehme Holz-Geruch kommt von den unbenutzten Holzspänen. Hinterher werden die Klos geleert und daraus wird Kompost gemacht. Zum Vergleich: Bei Dixie-Klos gibt es hinterher eine giftige Brühe, während hier unsere Hinterlassenschaften sogar zu einer Ressource werden!

COSMO: Wo kommen sie denn schon überall zum Einsatz?

Die Dinger machen den Dixie-Klos echt ganz schön Konkurrenz! Gesichtet wurden sie schon bei allem, was so outdoor Großevents sind: Festivals – klar! –, Straßenfeste aber auch Privatveranstaltungen wie Firmenevents. In Berlin sind sogar welche in einigen Parks im Dauereinsatz. Das Konzept scheint auch bei den großen Festivals aufzugehen. Auf dem Hurricane und Deichbrand werdet ihr diese Öko-Klos spotten können. Und sogar Glastonbury in Großbritannien, das mit 177.000 Besuchern jedes Jahr eines der größten Festivals weltweit ist, hat sich darauf eingelassen und stellt gleich 1300 Stück auf.

Stand: 09.06.2019, 15:40