Live hören
Jetzt läuft: Non ci sto von Marracash Shablo & Carl Brave

Radfahren für das Klima

Eine Fahrradampel die auf Grün steht

Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su

Radfahren für das Klima

Fahrradfahren ist total gesund und großartig für das Klima. Shia Su – unsere Cosmo-Nachhaltigkeitsexpertin – fährt auch gerne Rad und ärgert sich dann oft, weil das in vielen Städten ein ziemlich gefährliches Unterfangen ist. Also – Radfahrer haben's nicht immer gut…

Radfahren für das Klima

COSMO 18.08.2019 04:51 Min. Verfügbar bis 18.08.2020 COSMO

COSMO: Shia, was ist das Problem im Radverkehr?

Shia: Ich lebe ja in Köln und da ist z.B. die Verkehrsführung für Radfahrer oft absolut abenteuerlich. Die Radwege hören oft plötzlich auf und – ZACK! – bin ich im meist dichten Autoverkehr wieder, wo ich schon mehrmals in parkende Autos gedrängt wurde und ich muss richtig auf mich aufmerksam machen… Ich klopf dann auch schon mal an die Scheibe des neben mir fahrenden Autos – ja, so nah sind sie an mir dran! Wenn überhaupt Radwege da sind, sind sie zu eng oder führen ganz dicht an parkenden Wagen vorbei, wo jederzeit eine Autotür aufgehen kann und – denk das mal weiter, wenn man da so mit Schmackes in eine offene Tür fährt und über das Lenkrad absteigt… AUTSCH! Aber nicht nur in Köln muss man schon etwas lebensmüde sein, um auf das Rad zu steigen. Und das ist kein Wunder! Unsere gesamte Mobilitäts-Infrastruktur ist weitgehend auf das Auto als Hauptverkehrsmittel ausgerichtet – und das, obwohl wir ja seit knapp 50 Jahren über den Klimawandel Bescheid wissen. Also eigentlich ja Zeit genug, um was zu ändern.

COSMO: Was müssten Städte tun, um das Radfahren sicherer zu machen?

Shia: Erst mal müssen sie ernsthaft was tun wollen. Das bedeutet zum Einen, mehr Geld dafür locker zu machen, und zum Anderen für das Gemeinwohl auch Entscheidungen zu treffen, die im ersten Moment unbeliebt sind, wie beispielsweise Parkplätze wegzunehmen und stattdessen Radwege und breitere, barrierefreie Gehwege zu bauen. Wenn man mal darüber nachdenkt ist es eigentlich total verrückt, dass wir öffentliche Flächen dafür zur Verfügung stellen, dass Menschen ihre privaten Fahrzeuge da abstellen. Es ist doch viel klüger, die Flächen so zu nutzen, dass wir alle etwas davon haben, zum Beispiel indem der Verkehr dank einer besseren Radfahr-Infrastruktur besser fließen kann oder auch Menschen mit Rollatoren, Rollifahrer oder auch Eltern mit Kinderwagen gut auf den Gehwegen vorankommen.

COSMO: Das klingt auf jeden Fall nicht nach einem beliebten Vorschlag. Meinst du, das ist politisch realistisch?

Shia: Ja, auf jeden Fall! Wir haben laut dem Weltklimarat gerade mal 11 Jahre Zeit, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu verhindern. Langsam ist es keine Frage mehr von wollen oder nicht wollen, sondern von müssen – vorausgesetzt natürlich wir wollen als Spezies überleben. Und außerdem gibt es ja auch schon Städte, die das schon erfolgreich umgesetzt haben! Kopenhagen ist da ein Paradebeispiel! Breite Fahrradwege, eine autofreie Innenstadt und die grüne Welle bei der Ampelschaltung ist sogar auf Radfahrer ausgelegt! Und ja, das ging auf Kosten der Parkplätze. Im Tausch gab es mehr Lebensqualität und Gesundheit. Heute ist das Fahrrad in Kopenhagen das Hauptverkehrsmittel, einfach, weil es so praktisch ist.

COSMO: Bis Köln in Sachen Radfreundlichkeit zu Kopenhagen wird, das wird wohl noch dauern. Was können wir Radfahrerinnen und Radfahrer denn in der Zwischenzeit machen?

Shia: Erst mal kann ich nur jeder und jedem ans Herz legen, aktiv zu werden. In den meisten deutschen Städten gibt es die Critical Mass. Das ist ein meistens monatliches Radfahrertreffen, wo man gemeinsam durch die Stadt fährt, um darauf aufmerksam zu machen, dass wir Radler gleichberechtigte Verkehrsteilnehmerinnen sind. Das macht auch richtig Spaß! Hier in Köln sind es mehrere Hundert bis über tausend Teilnehmer. Einige Städte haben übrigens auch Fahrradbeauftragte bzw. Radverkehrsbeauftragte. Denen kann man nicht nur schreiben, man kann sie auch ganz persönlich mal anrufen. Ich wurde sogar schon mal im Gespräch gebeten, mal eine Liste zu machen, wo überall in der Stadt die Radführung schlecht sei, damit sie es auf ihre Liste nehmen können. Übrigens gibt es auch sexy grellgelbe Schutzwesten, wo "1,5m Sicherheitsabstand" drauf steht. Ich habe meine Schutzweste bei der Polizei bekommen und seitdem werde ich viel seltener von Autos abgedrängt.

Stand: 18.08.2019, 10:55