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Wie Plastik unsere Welt verändert hat

Menschen stehen in einem Supermarkt vor Regalen.

Nachhaltigkeit

Wie Plastik unsere Welt verändert hat

Plastik ist überall! Aber das war nicht immer so: Wir sprechen mit der COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su darüber, wie unsere Großeltern ohne Plastik gelebt haben und was wir davon heute lernen können.

Wie Plastik unsere Welt verändert hat

COSMO 03.03.2019 05:08 Min. Verfügbar bis 03.03.2020 COSMO

COSMO: Eine Welt ohne Plastik ist kaum mehr vorstellbar. Shia, du erinnerst daran, dass das noch nicht immer so war.

Shia Su: Genau! Plastik gibt es schon eine Weile, aber in unserem Alltag kamen Kunststoffe erst später. Im Zweiten Weltkrieg kam Plastik in größerem Stil für militärische Zwecke zum Einsatz. Nach dem Krieg, in den Fünfzigern, zogen viele der für das Militär entwickelten Plastikprodukte bei uns zuhause ein. Es ist ein unglaublich vielseitiges Material. Aber der große Nachteil: Plastik ist irgendwann zum Wegwerf-Material geworden. Heute werden über ein Drittel der Kunststoffe zu Verpackungen verarbeitet. Und das rächt sich jetzt in Form von Plastikmüll.

COSMO: Wie war früher der Alltag ohne Plastik?

Shia Su: Ein Beispiel: Wenn wir heute Lebensmittel einkaufen wollen, gehen die meisten von uns in den nächsten Supermarkt. Vor den sechziger Jahren war das in Deutschland aber gar nicht üblich. Man ist damals zum Lebensmittelhändler gegangen und hat für viele Waren auch eigene Dosen – früher hauptsächlich aus Blech und nicht aus Plastik –, Flaschen oder mal einen Topf mitgebracht. Die Ware wurde dann abgewogen und abgefüllt. Viel wurde auch in Papier eingeschlagen, oder in Papier oder Pappkartons verpackt angeboten. Man hat auch benutzte Papiertüten mitgebracht und wieder auffüllen lassen. Statt in Einwegtüten kamen die Einkäufe in den Einkaufskorb.

COSMO: Immer beliebter werden heute Geschäfte, die im Grunde wie früher funktionieren. Heute nennt man die Unverpackt-Läden, früher waren das die Tante-Emma-Läden. Was bringt es, in solchen Läden einzukaufen?

Shia Su: Du bringst deine eigenen Beutel und Dosen mit, um darin die Lebensmittel einzupacken. Damit vermeidest du erheblichen Verpackungsmüll. Übrigens hat man früher gar keinen Plastikmüll gehabt. Wir produzieren heute pro Nase statistisch 617 Kilogramm Müll im Jahr! Wohin mit dem ganzen Müll ohne Müllabfuhr? Würde es keine Müllabfuhr mehr geben und wir müssten uns um unseren eigenen Müll kümmern – ich bin mir sicher: Ganz viele Menschen würden dann ganz schnell weniger Plastikmüll produzieren.

COSMO: Wenn damals etwas kaputt ging, dann konnte man den Müll ja auch nicht vermeiden.

Shia Su: Erstmal hatten die Menschen damals nicht so viel Schrott wie wir heute. Man hat generell weniger besessen. Und das, was man hatte, war noch darauf angelegt, ein Leben lang zu halten. Es wurde nicht nach wenigen Malen Nutzung wieder ausgetauscht, weil es etwas Neueres gab. Heute läuft das oft unter dem Label "Minimalismus". Also, man sollte einfach keinen überflüssigen Kram kaufen und bei Neukäufen darauf achten, dass die Dinge auch langlebig und reparierbar sind. Interessanterweise landet man auch heute bei diesen Kriterien oft bei plastikfreien "Oldschool-Artikeln". Ich habe recherchiert, ob es noch Pfannen gibt, die ein Leben lang halten. Und worauf stoße ich? Auf Eisenpfannen – wie früher! Modern heißt also nicht immer innovativ.

Noch mehr Tipps zu einem nachhaltigen Leben gibt es auf Shia Sus Blog

Stand: 03.03.2019, 15:30