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Kleidung recyceln - gar nicht so einfach!

Jeans hängen an Wäscheleinen.

Nachhaltigkeit

Kleidung recyceln - gar nicht so einfach!

Kleidung ist zur Wegwerfware mutiert. Nach einer Zeit landen die Stücke in der Altkleidersammlung. Viele denken, dass die Kleidung recycelt wird, oder von Bedürftigen weitergetragen wird. Das ist aber meist nicht so, weiß Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su.

Kleidung recyceln - gar nicht so einfach!

COSMO 20.05.2018 05:55 Min. COSMO

Cosmo: Shia, was passiert denn mit meinen Klamotten und Schuhen, die ich in den Altkleidercontainer werfe? Gehen die nicht an Bedürftige?

Shia Su: Naja, es ist etwas komplizierter: Du spendest in der Tat deine Kleidung, du kriegst ja kein Geld dafür. Für die, die deine Klamotten einsammeln, sind deine Klamotten eine Ressource. Da geht es ums Geld. Bei gemeinnützigen Vereinen finde ich das noch in Ordnung, sofern die Sachen in deren eigenen Second-Hand-Läden vor Ort landen. Der Erlös daraus kommt dann zumindest einem guten Zweck zu. Viel wird leider aber auch in Entwicklungsländer verschifft, was schlecht für die dortige Textilindustrie ist. Inzwischen sind sogar Fast-Fashion-Ketten, wie H&M auf den Zug aufgesprungen und sammeln die alten Klamotten ein. Sie drängen sich also auf einen Markt, auf dem hauptsächlich Non-Profit-Organisationen sind und kurbeln den Fast-Fashion-Konsum an, indem sie den Menschen, die Kleidung spenden, Gutscheine für den nächsten Einkauf geben.

Cosmo: Warum kann man die Klamotten denn nicht vernünftig recyceln?

Shia Su: Das Problem fängt eigentlich schon bei der Produktion an. Die meisten Klamotten bestehen heute aus Kunst- oder Mischfasern. Du kannst dir ganz einfach merken: Je mehr Materialien irgendwo zusammen verklebt, verwoben, oder vernäht sind, desto schwerer bis unmöglich ist es, diese zu recyceln. Denn die Materialien müssen zum Recycling irgendwie getrennt werden und darauf wird bei der Produktion fast nie geachtet.

Cosmo: Was ist, wenn ich meine zerfetzte Lieblingsjeans in die Altkleidersammlung gebe, oder ein T-Shirt aus 100% Baumwolle?

Shia Su: Aus deiner Lieblingsjeans oder dem Baumwoll-T-Shirt wird wahrscheinlich eher so was wie ein Putzlappen oder Dämmstoff, was wiederum nicht mehr weiter recycelt werden kann. Es kann bei der Art und Weise der Sammlung keiner nachvollziehen oder nachprüfen, ob dein T-Shirt komplett aus Baumwolle besteht, oder vielleicht doch 30 Prozent Polyester drin ist. Das nennt sich dann Downcycling. Es ist also kein Kreislauf, sondern eher eine Einbahnstraße mit dem Restmüll als Endstation. Übrigens soll man aber kaputte, oder auch einfach nur unmodische Kleidung gar nicht in die Altkleidersammlung geben, sondern direkt im Restmüll entsorgen.

Cosmo: Was ist mit Schuhen? Auch direkt in den Restmüll? Oder gibt es da andere Recycling-Methoden?

Shia Su: Bei Schuhen gelten die gleichen Maßstäbe: Nur saubere, gut erhaltene und modische Schuhe werden weiter getragen. Wenn sie kaputt sind gehören sie in den Restmüll. "Schuh-Recycling" beziehungsweise "Schuh-Downcycling" ist sehr schwierig und dafür gibt es weltweit kaum Anlagen. In Deutschland kenn ich nur eine Firma, die Schuhe recycelt. Da werden die Schuhe geschreddert und man versucht, die Materialien danach zu trennen und daraus noch was zu machen. Aus dem Material der Sohle können zum Teil noch Sportplätze gemacht werden. Aber um Schuhe und Kleidung wirklich im großen Stil recyceln zu können, muss man bei der Produktion ansetzen. Da gibt es zum Glück einige Pioniere, die zum Beispiel Jeans nach dem "Cradle-to-Cradle-Prinzip" produzieren. Das heißt, schon bei der Produktion wird darauf geachtet, dass die Jeans hinterher auch recycelbar ist. Über ein eigenes Rücknahmesystem werden die Jeans wieder zu neuen Jeans verarbeitet. Das finde ich cool, denn das ist echtes Recycling und eine richtige Kreislaufwirtschaft!

Stand: 20.05.2018, 15:30