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Sonnenschutz ohne Chemie

Sonnencreme, Sonnenbrille und Muscheln

Nachhaltigkeit

Sonnenschutz ohne Chemie

Pflanzenöle wie Kokos- oder Weizenkeimöle sind kein verlässlicher Sonnenschutz, sagt Cosmo-Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su. Aber auch bei herkömmlichen Sonnenschutzmitteln ist Vorsicht geboten.

Sonnenschutz ohne Chemie

COSMO | 13.05.2018

Cosmo: Shia, im Netz werden oft Pflanzenöle wie Kokos- oder Weizenkeimöl als Ersatz für Sonnencreme vorgeschlagen. Stimmt das?

Shia Su: Ja, das schwirrt hartnäckig im Internet rum. Das war, denke ich, ein voreiliger Schluss aus ein paar Studien, die ich mir auch mal genauer angeguckt habe. Man kann sagen: Die Ergebnisse lassen sich nicht einfach auf die menschliche Haut übertragen. Da müsste noch solche Fragen geklärt werden wie: Was passiert, wenn das aufgetragene Öl in die Haut einzieht? Vielleicht blockieren die Öle UV-Strahlen ja nur, wenn es eine ganz dicke Schicht ist, und so dick lassen sich Öle ja auch nicht auftragen, die ziehen ja auch in die Haut ein. Ich hab es übrigens mal mit Kokosöl ausprobiert und geschaut, wie es wirkt. Ich hab einen Arm eingecremt und den anderen nicht und bin bei schönstem Wetter spazieren gegangen.

Cosmo: Wie lief es mit Kokosöl als Sonnenschutz?

Shia Su: Also ich konnte keinen Unterschied feststellen! Meine Arme waren danach deutlich brauner und zwar beide. Das erkennt man direkt an der Linie am Ärmel. Das ist jetzt natürlich keine wissenschaftliche Studie, sondern nur eine Einzelerfahrung. Also für mich ist das auf jeden Fall keine verlässliche Alternative zu Sonnencreme. Ich creme mich mit Sonnencreme ein und achte natürlich drauf, es in der Sonne nicht zu übertreiben – also ich ziehen mal etwas über oder halte mich im Halbschatten auf.

Cosmo: Worauf sollte man achten, wenn man ein Sonnenschutzmittel kauft?

Shia Su: Die meisten Sonnencremes verwenden leider sogenannte chemische UV-Filter. In diesen Cremes sind Stoffe drin, die Allergien auslösen oder unseren Hormonhaushalt durcheinander bringen können. Das ist nicht nur für uns schlecht, sondern auch für andere Lebewesen, zum Beispiel wenn du im Meer schwimmen gehst. Forscher schätzen, dass sich jährlich 4.000 bis 6.000 Tonnen Sonnencreme von Badegästen ins Meer löst. Denn auch als "wasserfest" verkaufte Sonnencreme löst sich beim Baden von der Haut.                                                                                       

Cosmo: Womit cremst du dich ein?

Shia Su: Ich creme mich mit einer Bio-Sonnencreme mit einem physikalischem statt einem chemischen Filter ein. Wichtig ist dabei aber, darauf zu achten, dass die Sonnencreme keine sogenannte Nanopartikel enthält. Es gibt leider keine Deklarationspflicht für Nanopartikel, aber die Hersteller, die keine verwenden, schreiben das auch auf die Packung.

Cosmo: Was ist so schlecht an diesen Nanopartikeln?

Shia Su: Der physikalische UV-Filter besteht in der Regel aus Partikeln aus Zink- oder Titanoxid. Die reflektieren dann wie ganz viele kleine Spiegel die UV-Strahlen. Das ist der weiße Film, den einige Sonnencremes auf der Haut hinterlassen und der auch da sein muss, um zu wirken. So weiß auszusehen finden aber viele Leute doof. Deswegen haben Produzenten angefangen, diese Partikel zu verkleinern, das sind dann die Nanopartikel. Nanopartikel werden von der Haut aufgenommen und können auch von Pflanzen und Meeresbewohnern aufgenommen werden. Die gesamten Auswirkungen werden noch erforscht, aber es wurden schon bedenkliche Effekte festgestellt, zum Beispiel auf die menschlichen Darmkulturen. Ich bin lieber etwas blasser, als meine Gesundheit und die Umwelt zu gefährden.

Stand: 13.05.2018, 15:30