Glücklicher durch ein nachhaltiges Leben?

Eine Frau hält ein Einmachglas mit Müll in der Hand.

Nachhaltigkeit

Glücklicher durch ein nachhaltiges Leben?

"Menschen, die sich sozial oder ökologisch engagieren, sind nachweislich zufriedener mit ihrem Leben." Das ist eines der Ergebnisse des Glücksatlases, der jährlichen repräsentativen Studie über die Lebenszufriedenheit in Deutschland. Unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su kann das nur bestätigen. Sie bezeichnet ihren veganen und müllfreien Lebensstil als Bereicherung.

Glücklicher durch ein nachhaltiges Leben?

COSMO | 12.11.2017 | 05:34 Min.

Cosmo: Shia, für dich bedeutet ein veganes und müllfreies Leben kein Verzicht – warum?

Shia Su: Das ist alles eine Frage der Perspektive. Für mich ist das kein Verzicht, sondern eine enorme Bereicherung. Ich muss nur noch einmal im Jahr meinen Müll runterbringen, ich muss nicht mehr mit Herzrasen meine Sachen an der Discounter-Kasse einpacken. Ich spare Zeit und Geld, weil ich nicht mehr so viel kaufe. Und ich ernähre mich viel gesünder, weil das Meiste, was man unverpackt kaufen kann, frische und unverarbeitete Lebensmittel sind. Außerdem setze ich mich weniger Schadstoffen aus, weil ich von Chemiekeulen auf Hausmittel umgestiegen bin. Dadurch haben sich meine Allergien von "ich könnte beim allergischen Asthma-Anfall sterben" auf "lässt sich gut aushalten" gebessert. All diese Bereicherungen würde ich gegen kein Geld der Welt wieder eintauschen wollen. 

Cosmo: Für dich ist nachhaltiges Leben also kein Verzicht, sondern eine Bereicherung?

Shia Su: Definitiv! Ich damit auch viel glücklicher als vorher. Jetzt kann ich das sogar nachweisen, denn es kam gerade der diesjährige Glücksatlas heraus. Das ist eine jährliche repräsentative Studie über die Lebenszufriedenheit in Deutschland im Auftrag der Deutschen Post. Dieses Jahr wurde der Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit gesetzt. Und das Ergebnis: "Nachhaltiges Engagement macht glücklicher. Menschen, die sich sozial oder ökologisch engagieren, sind nachweislich zufriedener mit ihrem Leben”.

Cosmo: Aber Shia, du kannst doch bestimmt vieles nicht mehr kaufen, weil es zum Beispiel in Plastik eingepackt ist oder tierische Inhaltsstoffe hat. Ärgerst du dich dann nicht?

Shia Su: Nein, gar nicht. Es ist auch nicht so, dass ich es nicht kaufen "kann". Ich könnte das alles sehr wohl kaufen, wenn ich nur will. Der Punkt ist: Ich will nicht! Diese Sachen haben für mich einfach null Attraktivität. Generell wird viel suggeriert, dass wir laufend neue materielle Dinge konsumieren müssen, um glücklich zu sein. Werbung ist ja richtig gut darin, uns zu zeigen, wie viel besser unser Leben wäre, wenn wir nur dieses oder jenes Produkt kaufen. Shopping ist sogar von einer ungeliebten Haushaltsaufgabe zu einem Hobby mutiert. Glücklicher scheint uns das aber nicht zu machen. Wir kaufen alle so viel mehr als wir wirklich brauchen – demnach müsste jeder einzelne von uns ja förmlich vor Glück übersprudeln, das tun wir aber nicht.

Cosmo: Aber am Wochenende bummeln zu gehen und sich dann was Nettes zu gönnen, das bereitet doch trotzdem Freude, oder nicht?

Shia Su: Ja, es macht kurzzeitig Freude, aber es macht nicht wirklich glücklich. Es ist eher wie ein Rausch, der schnell wieder vorbei ist. Das neue teure Smartphone ist nur solange cool, bis das nächste Modell um die Ecke kommt. Da andauernd mitzuhalten, heißt mehr zu arbeiten, um sich die laufend steigernden Ansprüche auch leisten zu können – und das heißt weniger Zeit für die unbezahlbaren Momente im Leben. Ich bin überzeugt vom Minimalismus, also der Idee, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und sich nicht mit anderem Schnick-Schnack rumzuschlagen. Wenn man den unnützen Konsum wegstreicht, tun sich plötzlich Zeit und Muße auf, sich um genau diese Dinge zu kümmern, die einen wirklich glücklich machen. Ein Beispiel: Natürlich können Eltern ihren Kindern das neuste Smartphone schenken – ich glaube aber, wenn man statt eines Produkts Zeit, Aufmerksamkeit und vielleicht ein Erlebnis schenkt, macht das langfristig glücklicher, als nur ein Technik-Schnick-Schnack. So sehe ich das zumindest.

 

 

Stand: 12.11.2017, 14:30