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Sand wird knapp

Sand rieselt durch eine Hand.

Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su

Sand wird knapp

Sand ist eine wichtige natürliche Ressource, die aus unserem Alltag kaum wegzudenken ist – obwohl kaum einer von uns das weiß. Das Problem: Der Sand wird knapp. Was das für Folgen haben kann, weiß Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su.

Sand wird knapp

COSMO 16.06.2019 03:45 Min. Verfügbar bis 16.06.2020 COSMO

COSMO: Wozu brauchen wir den Sand, Shia?

Shia Su: Sand wird vor allem als Baustoff gebraucht, für Beton beziehungsweise für Zement und Glas. Unmengen davon! Global herrscht ein Bau-Boom. Zur Einordnung: In einem Einfamilienhaus werden 200 Tonnen Sand verbaut. Sand hat alle Ritzen unseres Alltags erobert. Wir brauchen Sand für die Herstellung von Siliziumoxid. Und Siliziumoxid brauchen wir, um ganz alltäglichen Produkte wie Waschmittel, Putzmittel, Haarspray, Zahnpasta, Kosmetik, aber auch Papier oder getrocknete Lebensmittel herzustellen. Außerdem brauchen wir Sand – oder genauer gesagt viele Minerale, die in Sand enthalten sind – für Laptops, Handys und andere elektronische Gadgets. Kein Wunder also, dass – gemessen am Volumen – Sand die zweitgrößte geförderte und gehandelte Ressource ist.

COSMO: Wir knapp ist der Sand?

Shia Su: Nach neuesten Schätzungen der UN nimmt die Nachfrage jährlich um mehr als fünf Prozent zu. Nun ist Sand allerdings wie Erdöl keine nachwachsende, sondern eine endliche Ressource. Es wird mehr Sand abgebaut als in der kurzen Zeit entstehen kann. Auch in Deutschland wird so viel gebaut, dass wir rechnerisch auf einen Verbrauch von vier bis acht Tonnen Sand pro Kopf kommen. Wüstensand taugt dabei leider nicht als Baustoff, weil die Körner durch den Wind zu rund abgeschliffen werden und der Sand deshalb zu schlecht bindet. Es muss also Sand aus Küsten und Flüssen her. Die UN nennt dies "eine der größten Nachhaltigkeit-Herausforderungen dieses Jahrhunderts".

COSMO: Das klingt nicht gut. Was für Folgen hat das?

Shia Su: Der Sandabbau wird oft illegal betrieben. Kleine Inselstaaten wie die Malediven sind besonders betroffen, wo sogar ganze Inseln absinken und Einwohner umgesiedelt werden müssen. Ohne Regulierungen, die sich auf wissenschaftliche Ergebnisse stützen, wird zu viel Sand abgebaut. Das kann zu Erosionen, Überschwemmungen, dem Absinken des Grundwasserspiegels und sogar einer Änderung des Flussbettes führen. Außerdem leidet darunter natürlich die Artenvielfalt, weil die Ökosysteme aus dem Gleichgewicht geraten. Sogar der PH-Wert von Gewässern kann sich ändern, wenn wir Sand aus dem Flussbett klauen.

COSMO: Hat das auch Auswirkungen auf das Klima?

Shia Su: Es wird viel Masse rund um den Globus transportiert, weil wir Sand in großen Mengen verbrauchen. Da kommen viele Transport-Emissionen zusammen. Die UN bemängelten in einer Untersuchung von 2014 aber nicht nur das, sondern auch die Emissionen bei der Produktion von Zement. Die Zementproduktion sei demnach mit 1.65 Milliarden Tonnen Kohlenstoffdioxid für knapp fünf Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Weniger neu bauen verbraucht also nicht nur weniger Sand, der vielleicht illegal abgebaut wurde, sondern das spart auch Kohlenstoffdioxid ein, der bei der Zementproduktion entsteht.

Stand: 16.06.2019, 15:30