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Interview mit Ramadan Dabash, Kandidat von "Jerusalem for Jerusalemites"

Ramadan Dabash, Kandidat von "Jerusalem for Jerusalemites"

COSMO Interview

Interview mit Ramadan Dabash, Kandidat von "Jerusalem for Jerusalemites"

Ramadan Dabash ist palästinensischer Israeli, so nennt er sich selbst. Bei den Kommunalwahlen in Jerusalem heute tritt er für den Stadtrat an - obwohl die gesamte arabische Community die Wahlen boykottiert. Er bekommt Morddrohungen, gilt als Verräter. Deswegen ist ein anderer palästinensicher Kandidat bereits vor Wochen zurückgetreten. Seine Partei heißt "Jerusalem for Jerusalemites" - Jerusalem den Jerusalemern.

Interview mit Ramadan Dabash

COSMO | 30.10.2018 | 03:25 Min.

Wie sehen Sie sich selbst? Sind Sie Israeli? Oder Palästinenser?

Ich bin Palästinenser und Israeli. Das ist für mich dasselbe.


Sie treten für die Kommunalwahlen in Jerusalem an, als arabischer Israeli – und haben dafür sogar Morddrohungen bekommen. Warum treten Sie trotzdem an?

 Ich kandidiere, weil wir gerade in jämmerlichen Bedienungen leben. Seit 1967 haben wir Palästinenser kein Sagen in der Politik, das wurde uns durch die Annexion Jerusalems von Israel genommen. Seitdem sind wir politisch nicht gut aufgestellt. Das will ich ändern. Und ich rede hier nicht von Religion oder vom Staat, sondern nur von politischer Arbeit für meine Leute.

 Wer sind Ihre Wähler?

 Viele Leute in Jerusalem, denke ich, vor allem die Araber. Das hoffe ich. Denn ich möchte wirklich, dass sich unser Bild verändert, meine Leute zur Wahl gehen. Wenn die Araber nicht wählen gehen, gibt es auch keine Araber zur Wahl. Also, jetzt haben sie einen, ich trete für sie an. Und sie müssen verstehen, dass die Wahl eben nicht den Israelis Legitimität gibt, sondern es ausschließlich darum geht, die Araber politisch zu vertreten.

Warum ist es in der arabischen Community so verpönt, auch nur zu wählen? Bis hin zu Morddrohungen, die Sie als Kandidat  ja sogar bekommen...

 Manche Leute stimmen mir zu, andere nicht. Manche Leute glauben, dass ich kandidiere kommt der Zustimmung gleich, dass Jerusalem Israels Hauptstadt ist. Das stimmt nicht! Es geht um politische Teilhabe. Wenn du die schlechten Lebensbedingungen in Jerusalem ändern möchtest, dann musst du mich wählen!  

Warum ziehen Sie das trotz der Drohungen und allem durch? Was ist Ihr Ziel?

 Ich möchte politisch erstmal mit jedem zusammenarbeiten. Nur so kann ich meine politische Arbeit leisten. Sonst könnte ich es auch lassen – aber ich will weitermachen, das hier ist meine Gegend, meine Leute. Ich muss die Situation ändern.

Was wünschen Sie sich für Jerusalems Zukunft?

Erstmal wünsche ich mir Jerusalems Altstadt für alle drei Religionen: Judentum, Islam und Christentum. Und ich hoffe, ich erlebe irgendwann ein vereintes Jerusalem. Man muss dafür einfach eine Lösung finden, die gut für alle ist, Palästinenser und Israelis. Und ich hoffe, Jerusalem wird so eine Stadt. 

Stand: 30.10.2018, 14:00