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Plastikmüll auf Helgoland

Das Nest eines Basstölpels.

Vögel in Gefahr

Plastikmüll auf Helgoland

Die Meere sind zugemüllt mit Plastik. An keinem anderen Ort in Deutschland zeigt sich das Plastikproblem so deutlich, wie auf der Insel Helgoland. Unser Reporter Nikolas Golsch hat sich die Situation vor Ort angesehen.

Plastikmüll auf Helgoland

COSMO | 12.08.2018 | 03:32 Min.

Wenn die Sonne auf die Vogelkolonie knallt, dann funkeln die Nester der Basstölpel kunterbunt. Das Fernglas braucht Elmar Ballstaedt, vom Verein Jordsand zum Schutz der Seevögel und der Natur e. V., gar nicht: vom Aussichtspunkt auf den roten Sandsteinklippen aus kann jeder mit bloßen Augen sehen, dass hier etwas nicht stimmt. Gerade webt ein Tölpel seine neuste Beute in das Nest ein: Ein Bündel aus orangenen Plastikfasern. Gefährliches Zeug für die Tiere: nur drei Nester weiter ist das einem der Vögel zum Verhängnis geworden. Zwei Tiere haben sich in ihrem Nest so schlimm mit den Plastikfasern verheddert, dass sie sich nicht befreien konnten und starben. Besonders bei den Basstölpeln, die jedes Jahr nur ein Junges groß ziehen, kann das gravierende Auswirkungen auf die Population haben.

Das Nest eines Basstölpels.

Wissenschaftler von Greenpeace und GEO haben vor drei Jahren sieben Nester geborgen und das Plastik heraus gefiltert. Zusammengekommen sind so mehr als zehn Kilo Kunststoffmüll! Hochgerechnet auf alle Nester der Kolonie kommen da mehr als 1.000 Kilo Plastik zusammen – also eine Tonne! Für Elmar Ballstaedt ein Alarmsignal. "Über 90 Prozent der Nester sind kontaminiert."

In der Helgoländer Vogelwarte lagert seitdem der gesammelte Plastikmüll – in Tüten verpackt füllt er einen ganzen Schrank. Ein Teil der Fasern stammt mit Sicherheit aus Fischernetzen, aber die Fischerei ist eben nicht der einzige Schuldige, sagt Ballstedt. Um die genaue Herkunft des Plastiks detailliert analysieren zu können, fehlt derzeit aber noch das Geld. Mit einer Crowdfunding-Kampagne sucht der Wissenschaftler deshalb jetzt nach Spendern. Seine Hoffnung: Wenn klar ist, woher das Plastik kommt, kann man dort gezielt nach Alternativen zum Kunststoff suchen – und die Verursacher zum Umdenken bewegen.

Säcke mit Plastikmüll.

Für den Vogelkundler ist Helgoland als abgeschiedene Hochseeinsel der ideale Ort, um zu untersuchen, wie Plastikmüll Vogelkolonien beeinflusst. Ballstedt erhofft sich davon auch Erkenntnisse, die das Plastikproblem auch anderswo besser greifbar machen. Helgoland kann dabei als Labor dienen, um zu vermeiden, dass noch mehr Plastik im Meer landet.

Stand: 12.08.2018, 10:20