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Gibt es "grünen Konsum"?

Plastikflaschen und anderer Müll liegen an einem Strand.

Nachhaltigkeit

Gibt es "grünen Konsum"?

Geht Konsum mit Umweltschutz zusammen? Echte Nachhaltigkeit geht nur durch weniger Konsum – sagt COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su.

Gibt es "grünen Konsum"?

COSMO 03.02.2019 04:15 Min. Verfügbar bis 03.02.2020 COSMO

COSMO: Shia, Öko- statt Massenware aus dem Supermarkt – müsstest du doch gut finden, oder?

Shia Su: Ja, es ist besser als gar nichts. Aber ich hab auf Instagram etwas wirklich Passendes gelesen: "Wenn deine Badewanne überläuft, dann holst du ja nicht als erstes den Mopp, sondern drehst erst mal das Wasser ab." Also, wir können Recyceln wie die Weltmeister, und noch so viel "Bio" kaufen – unsere Klima-Badewanne wird trotzdem weiter überlaufen. Denn der Kern unseres Umweltproblems ist der übermäßige Konsum – da müssen wir den Hahn zudrehen. Deshalb kräuseln sich beim Begriff "grüner Konsum" auch immer meine Zehennägel.

COSMO: Warum funktioniert "kauf dich öko" nicht?

Shia Su: Ganz einfach: Weil wir da auch wieder "kaufen" und der maßlose Konsum hat uns erst in das Schlamassel reingeritten. Wir sind es alle gewohnt zu konsumieren. Ich ja auch! Ich erwische mich auch immer noch oft dabei, dass ich denke: "Hm, da gibt es ein Problem." Zum Beispiel, dass Coffee-to-go in Einwegbechern verkauft wird. Also renne ich los und kaufe mir einen Mehrweg-Becher, die gibt es ja inzwischen auch aus Bioplastik.

COSMO: Was ist daran schlecht, ist doch erstmal besser als ein Wegwerf-Becher!

Shia Su: Ja! Aber der Becher hat trotzdem auch in der Produktion und beim Transport Ressourcen verschlungen – davon auch nicht regenerierbare Ressourcen wie Erdöl oder Kohle. Wenn nicht nur ich einen Mehrwegbecher kaufe, sondern auch 80 Millionen andere, summiert sich das. Klar ist es auf Dauer besser, als jedes Mal einen Wegwerfbecher zu benutzen. Aber ein Marmeladenglas tut es auch. Ich hab meinen Coffee-to-go-Becher nach sieben Jahren Benutzung verschenkt und benutze seitdem selber nur noch ein Marmeladenglas, das ich sowieso noch hatte.

COSMO: Was ist dann die wirklich nachhaltige Lösung?

Shia Su: Bei Nachhaltigkeit geht es nicht ums Kaufen. Das wird ja oft weisgemacht: Statt konventionellen Wattepads zum Wegwerfen soll man einfach Bio-Wattepads zum Wegwerfen kaufen. Alles natürlich doppelt so teuer und sofort denkt man: "Mensch, das kann ich mir ja nicht leisten." Ganz im Gegenteil! Nachhaltigkeit hat viel damit zu tun, mal nichts zu kaufen und weniger zu konsumieren. Minimalismus, Baby! Lieber insgesamt weniger kaufen, dafür bewusster – und das ist oft auch schöner. Dann kann man sich nämlich auch die guten Sachen leisten. Ich kaufe zum Beispiel nur noch Bio-Lebensmittel. Kann ich mir jetzt locker leisten, weil ich einfach keinen überflüssigen Krimskrams kaufe, der am Ende sowieso nur die Wohnung zumüllt.

Mehr Infos und Tipps zu einem nachhaltigen Leben gibt es auf Shia Sus Blog.

Stand: 03.02.2019, 15:30