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Grüner Knopf: Was taugt das Siegel für faire Kleidung?

Eine Frau mit einem bunten Mundschutz sitzt an einer Nähmaschine in einer hell beleuchteten Fabrik.

Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su

Grüner Knopf: Was taugt das Siegel für faire Kleidung?

Das neue Umweltsiegel "Grüner Knopf" soll uns zeigen, ob ein T-Shirt, eine Jeans oder eine Jacke wirklich fair produziert wurde. Es wird vom Entwicklungsministerium als "globales Siegel mit staatlicher Überwachung" angekündigt und soll uns etwa beim Shoppen helfen, gerecht produzierte Produkte zu erkennen. Doch kann dieses Textilsiegel wirklich dieses Versprechen halten? Das fragen wir unsere Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su.

Grüner Knopf: Was taugt das Siegel?

COSMO 08.09.2019 04:47 Min. Verfügbar bis 08.09.2020 COSMO

COSMO: Taugt das Siegel wirklich etwas oder ist das eher nur "gut gemeint"?

Generell finde ich es gut, dass es ein staatliches Siegel gibt, das sich auf unabhängige Prüfstellen bezieht. Denn es gibt leider oft genug den Fall, dass Firmen eigene Siegel machen, um sich so selber eine nachhaltige Produktion zu bescheinigen. Das wäre so, als ob ich mir mein eigenes Zeugnis schreiben würde.

Nun ist nur leider dieses staatliche Siegel erst einmal ziemlich lasch. Der Grüne Knopf startet nämlich mit einer Einführungsphase bis 2021. In dieser Zeit sollen auch Erkenntnisse gesammelt und evaluiert werden, um dann die Anforderungen immer weiter auszudehnen. In dieser Einführungsphase schaut der Grüne Knopf auch nur auf zwei Produktionsstufen der sehr langen Lieferkette überhaupt: "Zuschneiden und Nähen" und "Bleichen und Färben" – das reicht meiner Meinung nach nicht aus.

COSMO: Ist das Siegel denn verpflichtend?

Das wäre ein aus meiner Sicht längst überfälliger, sinnvoller Schritt, der viel bewirken würde: Das würde nämlich bedeuten, dass es endlich nötig wäre, gesetzliche Mindeststandards für eine faire und nachhaltige Produktion im Vorfeld festzulegen, ähnlich wie bei dem deutschen staatlichen Bio-Siegel bei Bio-Lebensmitteln. Leider ist das nicht der Fall. Außerdem ist die Teilnahme freiwillig, d.h. "Fast Fashion"-Riesen können sich weiterhin einfach aus der Verantwortung ziehen – wozu die Produktionsbedingungen kontrollieren lassen, wenn sie nicht müssen?

COSMO: Firmen, die das staatliche Siegel "grüner Knopf" haben wollen, können einige Standards für faire und ökologische Produktion auch mit privaten Siegeln nachweisen. Das wirkt jetzt wieder nicht so vertrauenerweckend. Kann das funktionieren?

Der Grüne Knopf stützt sich da schon auf einige gute private Siegel und es ist auch ganz klar, dass das aus pragmatischen Gründen so beschlossen wurde, um den eigenen Prüfungsaufwand gering zu halten. Aber aus meiner Sicht kann das keine Dauerlösung sein, denn der Vorteil bei einem staatlichen Siegel ist ja gerade, dass eine industriell unabhängige Instanz die Prüfung übernimmt. Sonst wäre das Siegel ja im Grunde überflüssig.

COSMO: Wenn jetzt der "Grüne Knopf" zumindest jetzt noch nicht das Wahre ist, wie du sagst – auf welche Siegel kann ich mich denn irgendwie verlassen?

Es gibt schon gute und strenge Siegel. Auf die – aber auch auf andere, weniger strenge – stützt sich der Grüne Knopf. Einer meiner Favoriten ist das GOTS-Siegel, an dem gibt es wenig – nicht gar nichts, aber wenig – zu meckern. Noch ein kleines bisschen strenger ist das IVN-Qualitätszeichen vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft. Was man außerdem häufig sieht ist das Zeichen der "Fair Wear Foundation". Das ist generell nicht schlecht, aber ich finde es trotzdem leider etwas irreführend. Denn ein Kleidungsstück mit dem Zeichen darauf ist trotzdem nicht unbedingt sozialverträglich produziert, denn es zeigt nur an, dass die Marke sich verpflichtet, auf faire Produktionsbedingungen hinzuarbeiten – und es kann sein, dass sie noch weit davon entfernt ist. Im schlechtesten Fall ist es also nicht mehr als ein "Versprechen" des Unternehmens, es eines Tages mal besser machen zu wollen.

Stand: 08.09.2019, 12:44