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"Warum ich mich nicht mehr distanzieren will!"

Erkan Arikan

Kommentar

"Warum ich mich nicht mehr distanzieren will!"

Von Erkan Arikan

Müssen Muslime sich von islamistischen Terroristen distanzieren? "Warum sollte ich das tun?", fragt Erkan Arikan - Leiter unserer türkischen Redaktion. "Diese Menschen sind für mich keine Muslime. Sie sind Terroristen." Ein Kommentar.

Oft werde ich angesprochen, warum Muslime sich nicht von islamistischen Anschlägen distanzieren? Warum sie nicht auf die Straße gehen, um für Frieden zu demonstrieren und die Attentäter zu ächten. Als gläubiger Moslem sehe ich keinen Grund dafür. Warum sollte ich das tun? Warum muss ich mich von Menschen, ja, von Monstern distanzieren, die den Islam, einen Glauben, der Frieden bedeutet, dafür missbrauchen, um ihre grausamen Taten zu rechtfertigen? Warum muss ich nach jedem Terroranschlag des so genannten IS den Finger heben und sagen: 'ICH habe mit denen nichts gemein.' Diese Menschen sind für mich keine Muslime. Sie sind Terroristen. Und nur Terroristen. Es gab eine Zeit, wo ich mich oft distanziert habe. Oft habe ich versucht zu erklären, habe versucht zu vermitteln. Doch ich will das nicht mehr.

Nehmen wir die IRA als Beispiel: Sie ist eine der ältesten Terrororganisationen der westlichen Welt. 90 Jahre lang wollte die Irisch-Republikanische Armee Irlands Unabhängigkeit von Großbritannien mit brutalen Bombenanschlägen durchsetzen, später wurde es auch eine Glaubensfrage zwischen Katholiken und Protestanten. Auch wenn seit Juli 2005 die Waffen offiziell schweigen, hat kein Katholik gesagt: 'Ich distanziere mich!' Darum will ich das für ein paar Radikale, durchgeknallte - angebliche - Muslime auch nicht tun. Dennoch gehe ich auf die Straße, weil ich Frieden will. Frieden zwischen allen Weltreligionen.

Großdemo von Muslimen gegen Terror - überfällig?

WDR 5 Tagesgespräch | 16.06.2017 | 45:09 Min.

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Stand: 17.06.2017, 12:16