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"Danke, mir geht's gut"

Erster Auftritt von Deniz Yücel nach der Haft

"Danke, mir geht's gut"

Es ist sein erster öffentlicher Auftritt nach über einem Jahr Haft: Der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel bedankt sich für die Unterstützung, die ihm sehr viel Kraft gegeben habe.

Deniz Yücel im Festsaal Kreuzberg

Deniz Yücel (l.) und Veysel Ok

Eröffnet wird der Abend von Veysel Ok. Der Anwalt, der Deniz Yücel einmal pro Woche besuchen durfte, beschreibt das vergangene Jahr als sehr schwierig, wenngleich es im Fall Yücel gut zu Ende gegangen ist. "Ich habe so viel von Deniz gelernt", sagt er. "Er hat mir Mut, Widerstand und Kampf beigebracht. Ladies and Gentleman – I give you Deniz Yücel!"

Unter großem Jubel betritt der deutsch-türkische Journalist die Bühne. Für einen Moment lässt er sich feiern, wirft Handküsse in die Luft, verbeugt sich, und hat Tränen in den Augen. Taz-Redakteurin Doris Akrap, die auch Herausgeberin von Yücels Buch "Wir sind ja nicht zum Spaß hier" ist, das hier heute offiziell vorgestellt wird, hat im Vorfeld der Veröffentlichung 81 (!) Interviews gegeben. Die Frage, die sie am häufigsten beantworten musste, gibt sie heute weiter: "Wie geht es dir?"

Deniz Yücel im Festsaal Kreuzberg

Lesung mit Stehplätzen: Deniz Yücel im Festsaal Kreuzberg

"Mir geht's gut"

"Danke, mir geht’s gut", sagt Yücel. "Nicht nur, weil ich ein Jahr Knast ohne Anklageschrift hinter mir gelassen habe. Es geht mir auch deswegen gut, weil ich versucht habe, mich nicht fertig machen zu lassen. Viele Menschen haben an meiner Seite gestanden, und das hat mir sehr viel Kraft gegeben. Alle Autokorsos, Lesungen, Konzerte, Briefe und Kampagnen auf Twitter – ob der türkische Staatspräsident das mitbekommen hat, ist irrelevant. Aber in der Isolationshaft bin ich auf mich allein gestellt, und mitzubekommen, dass es Menschen gibt, die sich für mich interessieren, hat viel dazu beigetragen, dass es mir da gut ging."

Und so ist das zentrale Thema des Abends: Kämpfen. Sich nicht unterkriegen lassen. Zwischen den Texten aus dem neuen Buch, die er vorliest, erzählt der WELT- und ehemalige taz-Journalist davon, wie wichtig es für ihn war, einen Kugelschreiber in die Zelle zu schmuggeln, um auf die leeren Stellen der Seiten einer türkischen Ausgabe von "Der kleine Prinz" schreiben zu können.

Schreiben als emanzipatorischer Akt

Auch das Schreiben: Ein emanzipatorischer Akt. "Ich habe immer versucht, zu kämpfen, mich publizistisch aus dem Knast zu Wort zu melden." Oft habe ihn sein Anwalt Veysel Ok zurück halten müssen, gibt Yücel zu, wenn es nach ihm gegangen wäre, "hätten wir aus dem Knast noch viel mehr Krawall gemacht."

Neben seinem Anwalt Veysel Ok und dem Schreiben habe seine Frau Dilek Mayatürk-Yücel einen erheblichen Anteil daran gehabt, dass er sich nicht hat unterkriegen lassen, sagt der Journalist. "Ich werde ihr mein Leben lang "Danke" sagen und es wird immer noch zu wenig sein."

Es ist ein gelöster Abend im Festsaal Kreuzberg, es wird viel gelacht. Doch Yücel erinnert daran, dass der Anlass ein sehr ernster ist, und in der Türkei immer noch sehr viele Journalisten im Gefängnis sitzen, weil sie ihre Arbeit getan haben: "Das ist die Aufgabe von Journalismus. Denjenigen, die die Macht haben, auf die Pelle zu rücken. Das tun wir nicht, weil wir so coole Typen sind. Das tun wir im Auftrag der Öffentlichkeit."

Deniz Yücel im Festsaal Kreuzberg

Deniz Yücel im Festsaal Kreuzberg

Rückblick: #FreeDeniz: COSMO-Lesung 2018 "Wir sind ja nicht zum Spaß hier"

Genau ein Jahr nach der Verhaftung des deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel haben Prominente wie Herbert Grönemeyer und "Tatort"-Kommissar Mark Waschke aus dessen neuem Buch gelesen - COSMO hat das Event aus Berlin im Video-Livestream übertragen. Auf der Gala zur Veröffentlichung von Deniz Yücels neuem Buch "Wir sind ja nicht zum Spaß hier" haben prominente Musiker, Schauspieler und Moderatoren wie Herbert Grönemeyer, Hanna Schygulla, Mark Waschke, Gustav Seibt oder Anne Will Texte von Deniz Yücel vorgelesen, Thees Uhlmann, Igor Levit und Aynur Doğan den Abend musikalisch begleitet.

Stand: 17.03.2018, 10:30