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Mit dem Rad auf der Seidenstraße

Anne Westwards am Kirgistan Pass.

Weltweit

Mit dem Rad auf der Seidenstraße

Anne Westwards aus Berlin war über ein Jahr auf der Seidenstraße unterwegs – eine Solo-Expedition mit dem Rad durch Asien und den Nahen Osten.

Mit dem Rad auf der Seidenstraße

COSMO | 07.07.2018 | 09:33 Min.

Radfahrer, die Anne Westwards in China getroffen hat, haben ihr von der Schönheit und Einsamkeit des Pamir Highways erzählt. Der führt durch das Pamir-Gebirge in Zentralasien und ist die zweithöchste befestigte Fernstraße der Welt. "Wenn man anfängt zu recherchieren, stößt man auf wahnsinnig schöne Bilder. Dann war klar: Ich muss dahin", erzählt Anne. Das war also der Startschuss für ihre Reise, die eigentlich nur sechs Wochen dauern sollte. Stattdessen ist die Berlinerin mit dem Rad eineinhalb Jahre durch China, die Mongolei, Pakistan, Indien und den Iran gefahren. Sie bahnte sich den Weg durch die Steppen der Mongolei und ins Hochgebirge des Himalayas. Das war nicht immer einfach: "Man ist schon froh, wenn man überhaupt eine befahrbare Straße hat", erzählt Anne.

Anne Westwards Zelt in der Mongolei.

Auf dieser langen Reise, hat sie viel über sich selbst gelernt: "Ich habe für mich entdeckt, dass Radfahren für mich so eine Art Meditation ist. Man hat keinen Input von außen und hört nichts, außer dem Wind und dem eigenen Atem." Probleme, als Frau allein zu reisen, habe sie nicht gehabt. Eher das Gegenteil war der Fall, sagt Anne: "Wenn man allein in so ein Dorf reinradelt im Hochgebirge, dann wird man eigentlich sofort adoptiert. (...) Alle wollen einen einladen und fragen, ob alles ok ist."

Anne Westwards vor einer Festung im Oman.

Der Iran hat Anne Westwards nachhaltig beeindruckt, aber es war auch nicht immer leicht: "Ich bin auf dem Fahrrad als Mann verkleidet gereist, weil ich merkte, dass ich mich mit dem Tragen des Hijabs sehr schwer tue." Die Gastfreundschaft sei unglaublich, sagt die Berlinerin: "Die Menschen sind sehr gebildet, sehr höflich, sehr freundlich, aber die Gastfreundschaft, die man als Mann erfährt, ist noch mal auf einem ganz anderen Level." Ihre Erfahrung: Männer und Frauen werden unterschiedlich behandelt. Sie habe auch erlebt, dass Männer eine halbe Stunde mit dem Auto neben ihr fuhren, um mit ihr zu reden und ihre Nummer zu bekommen – das habe sie teilweise als Belästigung empfunden und das würde Männern so nicht passieren, vermutet Anne Westwards.

Das Spiti-Tal in Indien.

Anne Westwards arbeitet gerade an einem Buch, in dem sie die Erfahrungen ihrer Reise verarbeitet. "Wir haben viele Feindbilder über den Iran im Kopf. Diese Schlagzeilen, das ist nicht das Leben der Menschen vor Ort. Im Alltagsleben im Iran haben Menschen auch Träume, Hoffnungen, Ängste (...)", das wolle sie vermitteln. In den zwei Monaten im Iran habe sie nur zwei Mal gezeltet, die restliche Zeit wurde sie bei Menschen eingeladen. Im Iran traf sie sehr viele verschiedene Menschen – von sehr religiös, bis säkular, von gebildet bis Menschen, die ein sehr einfaches Leben haben. "Es gibt ganz viele Grauschattierungen im Iran", so Anne. Die Menschen seien sehr gastfreundlich, aber es gebe auch Menschen, die Fremden gegenüber feindselig gestimmt seien. All diese Erfahrungen haben sie zum Nachdenken und ihr Weltbild in Bewegung gebracht.

Mehr Infos zu Annes Reise gibt es auf ihrem Blog.

Stand: 07.07.2018, 11:45