Live hören
Jetzt läuft: Miracle von Jaqee

Auf 2000 Metern Höhe im Himalaya

Teepflückerin mit Korb auf dem Rücken auf einer Plantage im indischen Darjeeling

Cities

Auf 2000 Metern Höhe im Himalaya

Von Marta Kupiec

Auf den Spuren des Frühstückstees in Darjeeling. Der Weg durch die Teeplantagen ist nichts für schwache Gemüter: Auf den Serpentinenstraßen reiht sich Kurve an Kurve. Die Region steckt voller alter Traditionen und kolonialer Geschichte.

Teepflücken ist in Darjeeling meist Frauensache. Die ersten Teebüsche brachten die britischen Kolonialherren um etwa 1840 in die Region. Seitdem hat sich auf den Teeplantagen wenig geändert. "Two and a bud" lautet die Regel: zwei Blättchen und eine Blatt-Knospe werden gepflückt und über die Schulter in eine Bambus-Kiepe geworfen. Bis zu zehn Kilo erntet eine Teepflückerin am Tag. Dafür bekommt sie etwas mehr als zwei Euro. Rund um die Plantagen stehen einfache Wellblechhütten. Fließendes Wasser sucht man vergeblich. Dafür wohnen die Pflücker dort mietfrei.

Bis die Teeblätter aus Darjeeling zu uns in die Supermarktregale kommen, haben sie eine lange Bearbeitung hinter sich. Zuerst wird den Blättern die Feuchtigkeit entzogen. Anschließend werden sie maschinell gerollt und fangen an zu fermentieren. Um diesen Prozess zu unterbrechen, kommen die gerollten Blätter in einen Ofen. Eine Ausnahme ist der Weiße Tee. Dafür werden die Blätter nach der Ernte sofort getrocknet.

Zwischen Butlern, Bergsteigern und Bahnbegeisterten

Alte Dampflokomotive im indischen Darjeeling

Himalayan Railway - mit einer der ältesten Dampfloks der Welt

Auch in der Stadt Darjeeling findet sich bis heute das Erbe der kolonialen Vergangenheit. Im Mayfair-Hotel scheint die Zeit still zu stehen. Butler reichen warme Handtücher zur Erfrischung, legen eine heiße Wärmflasche ins Bett oder servieren den "Early Morning Tea". Mit seiner Galerie von alten Schwarzweißfotos erinnert das Mayfair an ein Museum. Die Bilder erzählen die Geschichte der ersten Bergsteiger und Pflücker, und sie zeigen, wie die Bahn in Darjeeling gebaut wurde. Der Himalayan Railway, eine Schmalspurbahn, ist rund 135 Jahre alt und zählt zum Weltkulturerbe. Den Zug zieht eine der ältesten Dampfloks der Welt. Sie macht viel Krach, jagt viel schwarzen Rauch in die Luft und bewegt sich im Schneckentempo durch Darjeeling.

Auf 2000 Metern Höhe ist die Bahn neben Autos und Pick-ups das Verkehrsmittel. Rikshas, wie sonst in Indien üblich, sieht man in Darjeeling nicht. Keiner hat Lust, in dieser Höhe in die Pedale zu treten. Viele sind in Darjeeling deshalb zu Fuß unterwegs. In den frühen Morgenstunden sieht man viele Leute, die in den Parks Yoga üben oder joggen. Ein beliebtes Ziel der Läufer ist der Tiger Hill, ein Aussichtspunkt. Mit etwas Glück kann man von dort aus den majestätischen Kangchendzönga sehen, mit 8586 Metern ist er der dritthöchste Berg der Erde.

Cities - Darjeeling: Auf den Spuren des Frühstückstees

COSMO | 16.05.2017 | 09:10 Min.

Stand: 16.05.2017, 10:00