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Reisetipp: Unterwegs auf dem "Te Araroa"-Fernwanderweg in Neuseeland

Trail des Te Araroa Wanderwegs - Mensch geht durch karge Berglandschaft.

Cities - Neuseeland

Reisetipp: Unterwegs auf dem "Te Araroa"-Fernwanderweg in Neuseeland

Neuseeland ist das Paradies für Camper und Backpacker. Aber auch immer mehr Fernwanderer zieht es ins Land am Ende der Welt. Seit 2011 gibt es den "Te Araroa" Wanderweg, einen der neuesten und abwechslungsreichsten Fernwanderwege weltweit. Auf 3000 Kilometern verbindet er den nördlichsten Punkt der Nordinsel, Cape Reinga, mit dem südlichsten Zipfel der Südinsel, Bluff. Wer ihn geht, braucht viel Zeit und leichtes Gepäck.

Cities - Neuseeland: Unterwegs auf dem "Te Araroa"-Fernwanderweg

COSMO 10.12.2019 11:26 Min. Verfügbar bis 09.12.2020 COSMO

Schon 1975 ist die Idee entstanden, in Neuseeland einen Fernwanderweg zu etablieren. Bis zur Fertigstellung hat es aber noch über 35 Jahre gedauert. Heute ist der "Te Araroa" ein Netzwerk aus alten und neuen Wanderstrecken. Jedes Jahr kommen mehr Wanderer, um ihn zu entdecken. Die meisten "Thru-Hiker", "Durch-Wanderer", starten auf der Nordinsel und laufen in den Süden. Auf der Nordinsel führt der Weg über kilometerlange Strände und durch viele Wälder. Fast die Hälfte des Weges geht aber auch über Straßen und Highways, weswegen viele Wanderer weite Teile der Nordinsel überspringen oder nur die Südinsel durchwandern. Hier geht das Naturspektakel erst richtig los.

Unberührt und gewaltig: Die Südinsel Neuseelands

Zehn Tage lang war Michelle Fausten, die im wandern völlig unerfahren war, von der Zivilisation abgeschieden. Mit einem Zelt, einem Schlafsack und genug Essen im Gepäck zapfte sie Wasser aus Flüssen oder aus Wassertanks, die es an den vielen Berghütten im Hinterland gibt. "Die Abgeschiedenheit hat mich völlig überfordert. Da draußen gibt es nichts. Kein Handynetz, kein Strom, kein Haus. Keine Menschenseele. Tagelang. Das habe ich so noch nie erlebt. Du beschäftigst dich nur mit dir selbst", sagt Michelle. Schnell sucht sie Anschluss bei zwei Schwedinnen, die ebenfalls den Wanderweg gehen. "Eigentlich habe ich Dinge immer gerne alleine gemacht. Aber da draußen habe ich gemerkt, wie wichtig es ist, Menschen um dich rum zu haben."

Michelle vor ihrem Zelt sitzend mit Schale für Frühstück.

Michelle konnte jederzeit und überall ihr Zelt aufschlagen. Zum Frühstück gab es aufgekochte Haferflocken mit Pulvermilch.

Fernwandern: Ein Extremsport

22 Kilometer ist Michelle im Schnitt pro Tag gelaufen. Manchmal über drei Berge hintereinander. "Die Dauerbelastung ist extrem. Morgens war der Körper so steif, dass ich zur Toilette nur humpeln konnte." Um den letzten größeren Berg des Wanderwegs ist Michelle zum Schluss herumgewandert. "Meine Knie haben das einfach nicht mehr mitgemacht. Ich habe bei jedem Schritt bergab geweint. Ich konnte nicht mehr." Und trotzdem würde sie es immer wieder tun. "Nirgendwo hast du die Möglichkeit, so genau in dich selbst hineinzuhorchen. Da draußen gibt es keine Ablenkung, keine Technik, keinen Luxus. Da draußen bist du ganz alleine mit dir selbst, deinen Gefühlen und der Natur. Sie ist wunderschön. Aber auch gewaltig."

Das Schicksal eines jungen Mannes aus Krefeld lässt sie seit ihrer Wanderung auf dem "Te Araroa" nicht mehr los. In einer Berghütte hängt noch heute ein Foto des damals 19-Jährigen, der im Frühjahr 2014 in den Bergen spurlos verschwunden ist. Rettungskräfte fanden damals nur seinen Rucksack am Rande des Wanderwegs. "Das hat mich tief getroffen, vor allem als Allein-Reisende. Ich habe damals zum ersten Mal in meinem Leben verstanden, dass die Natur sehr viel stärker ist als wir, dass ein Menschenleben da draußen in Sekunden ausgelöscht werden kann. Als ich nach Tagen wieder in der Zivilisation angekommen bin, war ich dankbar, dass ich meiner Familie schreiben konnte."

67 Tage lang war Michelle auf dem "Te Araroa" Wanderweg unterwegs. Als sie in Bluff im Süden Neuseelands angekommen ist, war sie "erleichtert und stolz, aber auch ein bisschen wehmütig, dass das Abenteuer vorbei ist." In einem Café hat sie sich dann den wohlverdienten Luxus gegönnt: "Cappuccino und Salat! Nach über zwei Monaten Tütensuppe, Müsliriegeln und Erdnussbutter-Wraps"

Stand: 09.12.2019, 16:00