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Reisetipp: Morondava - eine madagassische Stadt geht leise unter

Morondava - Frauen watten durch den Küstenfluß

Cities - Morondava

Reisetipp: Morondava - eine madagassische Stadt geht leise unter

Von Sira Thierij

Zwei Hauptstraßen, ein Krankenhaus und unzählige Häuser – all das hat der Ozean in Morondava schon verschluckt. Vom Leuchtturm ragt nur noch die Spitze aus dem Meer. Die Küstenstadt im Westen Madagaskars könnte es so bald nicht mehr geben. Dabei ist sie ein Highlight für die Besucher der Insel.

Reisetipp: Madagaskar

COSMO 07.01.2020 10:17 Min. Verfügbar bis 06.01.2021 COSMO

Chayoune Badouraly erinnert sich noch genau an das letzte Jahr: Innerhalb weniger Tage hat das Meer sein Coco Beach Hotel fast vollständig zerstört. Das Restaurant, die Rezeption und fast alle Bungalows sind verschwunden. “Wir arbeiten mit dem was übrig bleibt”, sagt Badouraly. "Wir müssen improvisieren. Aber wir investieren hier gar nicht mehr. Ich glaube nicht, dass mein Hotel überlebt. Nicht einmal bis zum Ende des Jahres."

So wie Badouraly geht es vielen Hotel- und Restaurantbesitzern in Morondava. Fast 50 Meter hat das Meer quasi über Nacht verschluckt – und damit die Existenzgrundlage der Bewohner. Denn die Küstenstadt ist ein Magnet für Touristen: Die berühmte Allée des Baobabs ist nur 30 Autominuten entfernt und auch die Nationalparks Tsingy De Bemaraha und Kirindy Mitea sind aus Morondava gut zu erreichen. Bei einer Armutsrate von über 70 Prozent ist der Tourismus für viele Menschen überlebenswichtig.

Das Phänomen ist nicht neu. Innerhalb der letzten 80 Jahre sind insgesamt sieben Kilometer der Stadt verschwunden, doch seit einiger Zeit geht es immer schneller. Madagaskar ist wie kaum ein anderes Land vom Klimawandel bedroht: Der Meeresspiegel steigt, mehrere Zyklone verwüsten jedes Jahr die Küste, Buschfeuer und Rodungen sorgen dafür, dass der Boden immer trockener wird. So auch ein wichtiger Fluss im Innern des Landes, der immer weniger Sand an die Küste Morondavas trägt.

Einzigartige Tiere und Pflanzen

Doch nicht nur die Bewohner leiden unter den Folgen des Klimawandels, auch viele Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht. Madagaskar ist weltbekannt für seine einzigartige Natur, denn 80 Prozent der Tiere und Pflanzen gibt es nur dort. Riesige Schmetterlinge, Chamäleons und Schnecken so groß wie Kokosnüsse – damit diese und andere Tiere ihren Lebensraum nicht noch weiter verlieren, setzen sich immer mehr Bewohner für den Naturschutz ein. Teilweise pflanzen sogar ganze Dörfer zusammen Mangroven an der Küste. Denn die speichern nicht nur CO2, sondern dienen vor allem als natürlichen Schutz vor Stürmen und der Flut.

Doch Mangroven allein werden nicht ausreichen, um die Bewohner und Tiere vor dem Ozean zu retten. Bis zum Ende des Jahrhunderts soll der Meeresspiegel um bis zu einen Meter steigen. Bald soll es weitere Projekte geben, um die Küste zu retten. Doch für Chayoune Badouraly kommen sie zu spät. Er hat das Coco Beach mittlerweile verkauft.

Stand: 07.01.2020, 06:00