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Ski-Urlaub nachhaltig?!

Ski-Urlaub nachhaltig?!

Cities Winter

Ski-Urlaub nachhaltig?!

Von Sabine Rossi

Auf die Bretter oder das Board und ab die Piste runter. Für viele gehört ein Urlaub im Schnee dazu. Aber wie nachhaltig ist der Skiurlaub? Und wie können wir ihn möglichst umweltbewusst gestalten?

Cities - Nachhaltig Skifahren?

COSMO 28.01.2019 11:23 Min. Verfügbar bis 05.03.2020 COSMO

Marko Rataj steht neben einem großen weißen Container. "Snowfactory" steht darauf. Die Schneefabrik soll die noch braun-grüne Piste im Pohorje-Skigebiet, dem größten in Slowenien, in ein weißes Winterparadies verwandeln. "Es ist eine große Eismaschine", sagt Marko Rataj, "sie erzeugt Eis wie in einem normalen Kühlschrank. Das wird dann gemahlen." Geschreddertes Crushed Ice, das nach draußen gepustet wird.

Ski-Urlaub nachhaltig?!

Anders als herkömmliche Schneekanonen, die nur bei Temperaturen um den Gefrierpunkt zum Einsatz kommen, produziert die Schneefabrik auch bei Plusgraden Schnee. Der Preis: Sie verbraucht enorm viel Trinkwasser und Strom. "Ungefähr fünf Mal so viel Strom wie eine normale Schneekanone", rechnet Marko Rataj vor, "aber eine normale Schneekanone kann auf der anderen Seite auch fünf Mal so viel Schnee produzieren in der gleichen Zeit wie die Schneefabrik." Dennoch findet Marko Rataj die Investition gerechtfertigt. Die Weltcup-Piste in Pohorje endet auf 325 Metern Höhe, also tief im Tal. "Was kostet mehr", fragt Marko Rataj, "Hotels und Leute dazuhaben, aber keinen Schnee oder ein bisschen mehr in die Beschneiung zu investieren und eine sichere Schneesaison zu haben."

Langfristig nur noch drei schneesichere Skigebiete in Bayern

Wie im Pohorje-Skigebiet in Slowenien sieht es auch an anderen Orten in den Alpen aus. Eine Studie des Alpenvereins kommt zu dem Ergebnis, dass in den bayerischen Alpen schon heute die Hälfte aller Skigebiete nur mit Kunstschnee sicheren Ski-Spaß gewährleisten können. Langfristig – also in den 25 bis 65 Jahren – werden in Deutschland wohl noch drei Skigebiete schneesicher sein, so die Studie.

Längere Auszeiten statt Kurztrips

Die slowenische Klimaexpertin Lučka Kajfez Bogataj von der Universität von Ljubljana untersucht seit Jahren, welche Auswirkungen der Klimawandel und der Tourismus auf die Alpen haben – auch in Slowenien. Besonders dramatisch sei es unter 1.200 Metern. Statt Schnee fällt dort immer häufiger Regen. Unterhalb von 1.000 Metern Kunstschnee zu produzieren, mache keinen Sinn, sagt Lučka Kajfez Bogataj, weder unter ökonomischen noch unter ökologischen Gesichtspunkten. In höheren Lagen könne es dem Ski-Tourismus helfen. Insgesamt findet Lučka Kajfez Bogataj, dass ein Umdenken nötig ist. Skigebiete sollten mehr auf Sommertourismus setzen. Denn wenn die Sommer in Zukunft immer heißer werden, suchten die Leute Abkühlung in den Bergen. Und schon jetzt können wir etwas tun: Uns von kurzen Tages- oder Wochenendausflügen in den Schnee verabschieden, vor allem wenn wir mit dem Auto anreisen und viel CO2 produzieren. "Das ist nicht nachhaltig", meint Lučka Kajfez Bogataj. "Wir sollten lieber längere Zeit wegfahren, zwei Wochen am Stück zum Skifahren. Das verursacht weniger CO2-Emissionen als wenn wir zehn Mal während einer Saison am Wochenende in die Berge fahren."

Stand: 28.01.2019, 14:45