Live hören
Jetzt läuft: Ya Ho von Inna de Yard feat. The Viceroys

Mit dem Auto von Deutschland nach Guinea Bissau

Wild Ass Rally

Cities - Wild Ass Rally

Mit dem Auto von Deutschland nach Guinea Bissau

Von Meike Glass

Sich ein gebrauchtes Auto kaufen und damit von Düsseldorf über Portugal und Marokko durch die Wüste bis nach Guinea Bissau fahren, um das Auto dort wieder zu verkaufen. Klingt verrückt? Samy und Anna haben genau das gemacht. Sie sind bei der Wild Ass Rally mitgefahren. Ein Wüstenabenteuer, durch vier Länder und die autonome West-Sahara.

Cities - Wild Ass Rally

COSMO 02.07.2019 12:39 Min. Verfügbar bis 01.07.2020 COSMO

800 Euro. So viel haben Anna und Samy dem Gebrauchtwagenhändler in Düsseldorf auf den Tisch gelegt, um ihren Rallye-Wagen zu bekommen, einen BMW 316 i 1997. Mehr als zwanzig Jahre alt und ab diesem Moment: hauptverantwortlich für die Pläne der beiden. 7565 Kilometer werden sie zurücklegen. Als Teil der Wild Ass Rally. Der Name hat nichts mit Hinterteilen zu tun, sondern mit Eseln. Wild-Esel, um genau zu sein. Die sind zwischen Marokko und Guinea-Bissau fast ausgestorben. Sie laufen kilometerlange Strecken am Stück und halten nur kurz an, um Trinkpausen zu machen. Sie sind rastlose Entdecker. Genauso wie die Rallye-Teilnehmer*innen es sein wollen.

Entstanden ist die Wild Ass Rally eigentlich per Zufall. Gilberto Ramos, Musiker und Filmproduzent aus Portugal, wollte eigentlich nur einen Roadtrip von Porto nach Dulombi machen. Ein kleines Dorf in Guinea Bissau, von dem ihm sein Vater erzählt hat. Die Menschen und der Ort gefielen ihm aber so gut, dass Gilberto sich dazu entschied, ein soziales Projekt dort aufzuziehen, die Missão Dulombi.

Fahren ohne Plan B

Mit der Rallye will Gilberto zusätzliches Geld für dieses Projekt sammeln und helfende Hände nach Dulombi bekommen. Zum Beispiel Menschen, wie Anna und Samy. Im letzten Jahr ist Samy zum ersten Mal bei der Rallye mitgefahren und gehört seitdem selbst zum Organisationsteam. Er filmt, dokumentiert und kümmert sich um die Social-Media Präsenz. Seine Freundin Anna war in diesem Jahr zum ersten Mal dabei.
Gestartet sind die beiden anfangs mit großer Unsicherheit. "Wir waren vorher ja nur kleine Strecken mit dem Auto gefahren und wussten also gar nicht, wie das Auto sich verhalten wird", erinnert sich Samy. Von Düsseldorf aus ging es nach Portugal, dann weiter nach Spanien und von dort mit der Fähre rüber nach Marokko - dort haben sie die anderen Teilnehmer*innen getroffen. Für Anna war das der entscheidende Moment: "ab hier hat es sich real angefühlt, plötzlich war klar, wir machen das wirklich".

Und das bedeutet: mit dem 20 Jahre alten BMW durch die Wüste, über alte und brüchige Straßen und durch dschungelartige Wälder fahren. Ein echtes Abenteuer, ohne Plan B - denn: "geht das Auto kaputt, ist die Rallye vorbei". Das war Anna und Samy von Anfang an klar, passiert ist es glücklicherweise nicht. Die erste Etappe der Rallye führt von Marokko nach Guelmim. Von dort geht es weiter durch die West-Sahara, nach Mauretanien, durch den Senegal, bis nach Guinea Bissau. Dort liegt der Zielort Saltinho - ein kleines Dorf mit knapp 100 Einwohnern.

Zeit - ein dehnbares Gut

Fragt man Anna, welche Etappe ihr am besten gefallen hat, überlegt sie erst lange und stellt dann fest: "eigentlich immer die Etappe, nach der aktuellen Etappe". Es sei von Tag zu Tag spannender, da es von Tag zu Tag "ursprünglicher" wird. In Marokko gibt es noch hochmoderne Autobahnen. Am Ende - in Guinea Bissau - führt die Route teilweise nur noch über Zentimeter - breite Wege, die von herunterhängenden Ästen zusätzlich verkleinert werden. Während der Rallye haben die beiden vieles gelernt. Zum Beispiel, dass Zeit ein dehnbares Gut ist, wenn man an einer Grenzkontrolle steht; oder, dass es sich auf Campingplätzen oftmals gemütlicher schläft, als in Hotels. Vor allem haben sie aber eins mitgenommen: ein Bewusstsein dafür, wie verschwenderisch man häufig lebt, ohne es zu realisieren. In Dulombi gibt es weder Strom, noch fließendes Wasser. Der nächste Brunnen ist eine halbe Stunde Fahrt entfernt. "Da achtet man plötzlich viel bewusster darauf, wie viel Wasser man verbraucht - und merkt auch erst, dass man eigentlich mit deutlich weniger Wasser auskommt, wenn man es drauf anlegt" - erinnert sich Anna.  

Im nächsten Jahr wollen beide auf jeden Fall wieder bei der Wild Ass Rallye mitfahren. Einen groben Termin gibt es auch schon, im April soll es losgehen. Anna hofft, dass dann noch mehr Leute mitfahren werden: "Klar, könnte man die Strecke auch mit dem Flugzeug machen. Aber durch das Auto fahren, bekommt man ein ganz anderes Gefühl für die Länder, die Grenzen und die Weite, die man da zurücklegt. Es ist eine unglaubliche Erfahrung."

Stand: 01.07.2019, 15:00