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Seoul – zwischen Kimchi und K-Pop

Menschen bevölkern bei einer Hitzewelle am 21.05.2017 in Seoul (Südkorea) das Ufer des Han-Fluss.

Cities

Seoul – zwischen Kimchi und K-Pop

Von Fabian Kretschmer

Auch wenn K-Pop und koreanisches Essen in den letzten Jahren auch bei uns einen unglaublichen Hype erfahren haben, ist Seoul als Reiseziel noch immer ein ziemlicher Geheimtipp – zu Unrecht.

Viele Touristen werden jedoch allein von den schaurigen Nachrichten über Nordkorea abgeschreckt. Tatsächlich liegt Seoul nur eine knappe Autostunde von der innerkoreanischen Grenze entfernt, die die beiden Staaten seit Ende des Koreakrieges im Jahre 1953 trennt. Dennoch begegnen die Südkoreaner dem jahrzehntealten Konflikt mit ihrem nördlichen Nachbarn demonstrativ gelassen. "Auch wenn Nordkorea Raketen schießt oder wenn sie komische Nachrichten liefern, bekomme ich keine Angst", sagt die 27-jährige Min-jung: "Ich wohne seit 30 Jahren hier und solche Momente gab es immer wieder, aber letztlich haben die Nordkoreaner nichts gemacht". Wie sie denken viele junge Leute. Auch in Zeiten politischer Spannungen sind die Seouler Ausgehviertel gut besucht wie eh und je.

Stadt im stetigen Wandel

Es gibt wohl keine Stadt der Welt, die sich in den letzten Jahrzehnten rasanter gewandelt hat als Seoul. Vor 70 Jahren bestand die Stadt noch aus ärmlichen Barackensiedlungen. Heute wird sie von riesigen Glastürmen gesäumt, einem hochmodernen U-Bahn-Netz und dem schnellsten Internet der Welt. "Seoul ist immer im Wandel – alle fünf Jahre sieht die Stadt komplett anders aus", sagt der deutsche Stadtforscher Nikola Medimoric, der seit rund zehn Jahren hier lebt. Das unglaubliche Tempo merke man auch den Leuten an: "Zum Beispiel Modetrends werden hier ganz schnell übernommen. Die Leute sind auch sehr technikaffin".

Dennoch lassen sich auch noch alte, historische Stadtviertel finden. Unter jungen Koreanern ist derzeit "Iksan-dong" besonders beliebt. Das einst ärmliche Viertel, zwischen zwei historischen Kaiserpalästen im Seouler Stadtzentrum gelegen, sollte vor wenigen Jahren den Abrissbirnen zum Opfer fallen. Doch junge Unternehmer haben die kleinen Steinhäuser mit den geschwungenen Ziegeldächern renoviert und das Viertel mit hippen Cafés und innovativen Restaurants wiederbelebt.

Verkehrsmoloch

Zugegeben: Mit seinen grauen Apartmentsiedlungen und dem extremen Autoverkehr ist Seoul nicht unbedingt eine klassische Schönheit. Doch wer genug vom Betondschungel hat, kann sich seine Naturdosis jederzeit abholen, ohne die Stadt verlassen zu müssen: Es gibt über dreißig Berggipfel innerhalb Seouls, die alle einen überragenden Blick auf die 10-Millionen-Metropole frei geben. Im Frühling und Herbst – wenn die Temperaturen am angenehmsten sind – setzt man sich am besten ans Ufer des Han-Flusses, der die Stadt in Nord und Süd trennt.

Komfortables Reiseziel

Ohnehin ist Seoul überaus komfortabel zu bereisen: Wer sich verlaufen hat, der loggt sich einfach ins öffentliche Wifi ein, das es praktisch überall kostenlos gibt. U-Bahnen und Busse lassen sich bequem mit per Chipkarte bezahlen, die man an jeder Station für drei Euro kaufen kann. Und spätestens an der nächsten Straßenecke lassen sich Cafés und Convenience Stores finden, die rund um die Uhr geöffnet sind.

Allein eine Reise wert sind die Streifzüge durch das kulinarische Seoul. Koreaner sind überaus stolz auf ihre Küche. Das spiegelt sich auch in der Sprache wider: Im Koreanischen begrüßt man einander oft mit der Redewendung: "Bab meogeosseo?" - Was so viel bedeutet, wie "Hast Du schon gegessen?". Doch zart besaitet sollte man nicht sein: Koreanisches Essen ist feurig scharf – mit viel Chilischoten, Knoblauch und fermentiertem Kimchi-Kohl. Wem das nicht abschreckt, der sollte unbedingt ein koreanisches Grillrestaurant besuchen. Hier lassen die Kellner nicht nur Fleisch und Salatbeilagen, sondern stets auch einen Bottich glühender Kohle, denn gegrillt wird direkt am Tisch.

Seoul – zwischen Kimchi und K-Pop

COSMO | 23.05.2017 | 12:11 Min.

Stand: 23.05.2017, 12:00