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Reisen auf der Halbinsel Yucatán : Mit dem Kopf voran in Süßwasserhöhlen

Strand in Mexiko

Cities - Mexiko

Reisen auf der Halbinsel Yucatán : Mit dem Kopf voran in Süßwasserhöhlen

Von Robert Ackermann

Heilige Wasserstellen, Inseln ohne Autos und exotische Tiere: Auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán kann man viel erleben, spürt aber mancherorts auch, wie die Umwelt auf den Menschen reagiert.

Sie sind die Tore zur Unterwelt, zumindest nach dem Glauben der Maya, trotzdem laden sie zum Schwimmen ein: Cenoten sind Höhlen, die vor tausenden Jahren eingestürzt und jetzt meistens mit Süßwasser gefüllt sind.

Cities - Yucatán

COSMO 03.09.2019 11:03 Min. Verfügbar bis 02.09.2020 COSMO

Cenote in Mexiko

In Yucatán gibt es tausende solcher Cenoten. Manchmal sind sie von Felswänden umrandet, manchmal einfach wie ein kleiner See mit viel Grün am Ufer. Bei einigen kann man sogar von kleinen Holztürmen ins Wasser springen. Zum Beispiel in Tulum, einem ehemaligen Hippie-Ort, der inzwischen ziemlich schick und teuer geworden ist. Hier schwimme ich etwas abseits in einer wenig bekannten Cenote: Mangrovenbäume stehen bis zum Ufer und es stehen vielleicht so 10 Leute an einer Lichtung.

Plötzlich kriege ich einen mittelschweren Schock. Genau dort, wo ich gerade geschwommen bin, gleitet auf einmal ein etwa 2-Meter großes Krokodil durchs Wasser. Die Aufregung bei den Badegästen ist groß, aber Larissa, die vorne am Kassenhäuschen sitzt, bleibt gechillt: "Wir wissen, dass die Krokodile da leben, aber es ist nicht gefährlich, weil das Ökosystem im Gleichgewicht ist. Wenn es Fische und Vögel zum Fressen gibt, interessieren die sich nicht für Menschen."

So sehr im Gleichgewicht scheint die Natur aber nicht zu sein, dann so große Krokodile sind normalerweise nicht an der Cenote. Larissa vermutet, dass die Tiere wegen des Bau-Booms in Tulum aus ihrem eigentlichen Lebensraum geflüchtet sind. Generell macht der Mensch der Natur auf Yucatán zu schaffen: An der westlichen Küste werden täglich hunderte Tonnen Braunalgen angespült. Die Strände liegen damit voll, aber auch das ehemals türkisblaue Wasser ist braun geworden. Und es stinkt, weil die Braunalge beim Zersetzen Schwefelwasserstoff freisetzt. Wie faule Eier. Diese Algenmasse ist eine Katastrophe für die Leute in Yucatán, die ja oft vom Tourismus leben.

Das sagt auch Regina, die in einem Beachressort nahe den berühmten Maya-Ruinen von Tulum arbeitet: "Wegen der Natur habe ich mich entschieden, hier zu leben. Der damit verbundene Tourismus ist wirtschaftlich wichtig. Jetzt ist nicht mehr viel los. Die Situation macht mich traurig, weil wir wirklich jeden Tag die Auswirkungen des menschlichen Handelns auf die Natur sehen."

Aber die Braunalgen sind glücklicherweise nicht überall. Die Insel Holbox ist ein kleines Paradies im nördlichen Teil von Yucatán. Hier gibt es sie noch: die weißen Traumstrände. Außerdem wilde Flamingos, Pelikane und Kormorane – und saisonal auch Walhaie, die größten Fische der Welt. Wer will, kann mit ihnen auf einer Tour schwimmen gehen. Das sollte man aber nicht tun, weil es die Tiere ziemlich stresst. Stattdessen sollte man sich ein Fahrrad leihen oder ein Golf Cart und ein bisschen rumcruisen. Denn die Insel ist sehr entspannt. Autos gibt es hier nicht und das einzige Dorf hat auch keine geteerten Straßen. In den letzten Jahren boomt die Insel. Das Paradies ist bedroht, meint auch Bewohner Hektor: "Nur wenn das Ausmaß der Bebauung reguliert wird, bleibt Holbox ein spektakulärer Ort", sagt er. Hoffen wir, dass die zuständigen Behörden das genauso sehen.

Stand: 02.09.2019, 16:31