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Mit dem Fahrrad durch Neu-Delhi

Radtour Neu-Dehli

Cities - Neu-Dehli

Mit dem Fahrrad durch Neu-Delhi

Von Philipp Anft

Dichter Smog, verrückter Verkehr, freilaufende Kühe: In der indischen Hauptstadt Neu-Delhi ist eine Fahrradtour nicht unbedingt eine naheliegende Idee. Gerade deshalb eröffnet sie aber einen ganz neuen Blick auf die Stadt.

Cities - Mit dem Fahrrad durch Neu-Delhi

COSMO 14.05.2019 11:58 Min. COSMO

Straßenleben in Neu-Delhi bedeutet vor allem eins: Lärm. Motor-Rikschas knattern, Autos hupen ununterbrochen - und freilaufende Kühe geben Laute von sich, die zwischen entspannt und mordlustig klingen können. Erste Regel für eine Fahrradtour also: Auch laut sein. Mit der Klingel. Tourguide Joseph erklärt den Kulturunterschied: "In anderen Ländern ist Hupen oder klingeln aggressiv, hier ist es ein Brauch. Also: Benutzt sie so viel wie möglich!"

Tour durch den Süden der Stadt

Wird gemacht. Und so kommt man tatsächlich ganz gut durch den dichten Verkehr der Hauptstraßen. Jenseits davon zeigen die Viertel im Süden der Stadt vor allem die Kontraste der indischen Gesellschaft. Der Weg führt erst durch nette, grün bewachsene Wohngegenden. Nur Meter weiter gehen die in Wellblechhütten über, vor denen bitterarme Menschen sitzen. Ein Leben auf engstem Raum - aber in komplett verschiedenen Realitäten.

Zentrum der Tour durch den Süden der Stadt ist das Viertel Nizamuddin, benannt nach einem Sufi-Heiligen. Vor über 700 Jahren wurde für den muslimischen Gelehrten ein Mausoleum erbaut, das bis heute viele Pilger anzieht. Jede Woche drängen um die Tausend Menschen zu dem kleinen Heiligtum, um das viele weitere Schreine entstanden sind. Guide Joseph: "Der Glaube ist, dass der Heilige die Menschen um sich herum mit in den Himmel nimmt. Viele haben sich deshalb in seiner Nähe begraben lassen."

Radtour Neu-Dehli - Gläubige vor dem Nizamuddin-Mausoleum in Neu-Delhi

Das muslimische Viertel

In den Gassen des islamischen Viertels herrscht eine besondere Atmosphäre: Händler verlaufen parfümierte Rosenblätter und bunte Tücher, die als Opfergabe auf das Grab des Heiligen gelegt werden. Ein kleiner Platz umgibt das eigentliche Mausoleum. Hier wird gebetet und gesungen - aber auch gequatscht und telefoniert.

Ein großes Thema der Gespräche: Die aktuellen Parlamentswahlen. Premierminister Modi ist ein Hindunationalist. Viele werfen ihm Stimmungsmache gegen die indischen Muslime vor. Er fühle sich in seiner Redefreiheit eingeschränkt, sagt Hamza - ein junger Moslem vor dem Mausoleum. Das gehe aber auch vielen Hindus so, die gegen Modi seien. Trotz immer wieder aufflammender Konflikte zwischen den Religionen in Indien glaubt Hamza nicht, dass die Vielfalt im Land bedroht ist: "Wir feiern alle unsere Feste, wir haben Freunde aus allen Kasten und mit jedem Glauben. Das gerade ist nur eine Phase. Kein Mensch und keine Regierung können das kaputt machen."

Stand: 14.05.2019, 10:00