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Matera - Kulturhauptstadt Europas 2019

Matera

Cities - Matera

Matera - Kulturhauptstadt Europas 2019

Von Jan-Christoph Kitzler

Kein Wasser, kein Strom. Menschen und Tiere gemeinsam. Lange galt Matera in der Basilikata in Süditalien als Schadfleck und Hort der Armut. In diesem Jahr ist es Europäische Kulturhauptstadt und vielleicht bald schon ein Modell für den Süden.

Cities - Matera

COSMO | 08.01.2019 | 12:23 Min.

"Es gab kein Wasser, kein Bad, nichts. Hinter der Tür war ein Brunnen. Da war das große Zimmer mit dem Lehmboden, keine Steine", erinnert sich die 92-jährige Anna Maria D’Erole. Sie ist in Matera großgeworden mit vierzehn Geschwistern. Einige sind als Kinder gestorben. "Und dann gab es da den Stall mit den Pferden", fährt sie fort, "da haben wir ein Schwein gemästet. Es gab Hühner, alles im Haus." Matera galt nach dem zweiten Weltkrieg als eine der ärmsten und elendsten Städte Italiens. Der Schriftsteller und Künstler Carlo Levi wurde ins Exil nach Matera verbannt. In seinem Buch "Christus kam nur bis Eboli" beschreibt er das Elend.

Wer konnte, verließ Matera. Wer zurückkam, wurde für verrückt erklärt.

So ging es auch Monica Lascaro und ihrem Mann Arturo, die heute ein Bed&Breakfast und einen Weinladen in Matera führen, oder dem Architekten Mattia Antonio Acito. Er hat sich vom Kopfschütteln seines Vaters nicht abhalten lassen und arbeitet heute an den Gebäuden, die für das Kulturhauptstadt-Jahr errichtet oder restauriert wurden.

Keine Touristen, sondern Gäste

Ein bisschen Angst haben die Materini schon, dass ihre Stadt der Felsenhöhlen von Touristen überrannt werden könnte. Schon jetzt kommen jedes Jahr einige Tausend, um die Felsenkirchen – in Höhlen gegrabene oder gebaute Räume. Mehr als 150 dieser kleinen Schatzkammern gibt es rund um Matera zu entdecken. Einige sind mehrere hundert Jahre alt. Damit Besucher Zeit nehmen und die Sehenswürdigkeiten nicht nur "abhaken", haben sich die Materini überlegt, dass alle mitmachen sollen. Dafür bekommt jeder Besucher eine Art Ausweis. "Wir sprechen immer von Mitbewohnern auf Zeit. Denn wir glauben, dass sich die Idee vom Tourismus verändern muss", sagt Serafino Paternoster, einer der Organisatoren der Kulturhauptstadt-Events. "Wir möchten, dass Bürger aus der ganzen Welt nach Matera kommen, die Stadt leben, nicht nur kurz anhalten um zu schauen, und dass dadurch etwas Nützliches entsteht. Für sie selber und für die anderen. Das ist das Konzept."

Stand: 08.01.2019, 10:00