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Ghana - Zwischen Plastikmüll und Traumstränden

Cities - Ghana

Ghana - Zwischen Plastikmüll und Traumstränden

Von Nele Posthausen

Dauerndes Hupen, an jeder Ecke eine Jam-Session und einige der spannendsten Artists des afrikanischen Pop – Accra, die Hauptstadt Ghanas, ist ein Reiseziel für die Ohren.

Cities - Ghana

COSMO 14.01.2020 12:10 Min. Verfügbar bis 13.01.2021 COSMO

Kofi schlängelt sich durch den dichten Verkehr. Lachend nimmt er die Aufgabe an, eine zweite Runde um einen weihnachtlich-kitschig geschmückten Kreisverkehr zu fahren, damit die Tourist*Innen Fotos machen können. Seit drei Jahren ist Kofi Tricycle-Fahrer in Accra. "Seitdem habe ich aufgehört zu betteln", erzählt er. "Ich selbst finde es unangenehm, nach Geld zu betteln, aber ich hatte keine Wahl. Ich muss überleben, einen Platz zum Übernachten finden, deswegen habe ich gebettelt." Viele, die wie er eine Behinderung an den Beinen haben, sieht man auf selbstgebauten Skateboards zwischen den Autos herumrollen und nach Geld fragen.

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Einer von Kofis regelmäßigen Kunden ist der Musiker Wanlov The Kubolor. Emmanuel Owusu-Bonsu, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, ist in Accra aufgewachsen – sein Vater stammt von hier, seine Mutter aus Rumänien. Mit dem poppigen HipHop seiner Band FOKN Bois tourt er regelmäßig auch durch Europa. Solo macht Wanlov auf die Probleme der Stadt und Ghanas aufmerksam.

Er provoziert mit expliziter Sprache, die wie er sagt, durch "falsche, christliche Moral" unterdrückt wird und wirbt für ein Ghana ohne Plastik-Müll. "Wir sind in einem Ghana aufgewachsen, in dem das Einzige, was mal im Meer schwamm, ein Maiskolben oder ein Blatt von einem Kokosnuss-Baum war", erinnert er sich. Heute sieht das anders aus. Accras Strände sind voll von Plastik-Müll. Auch alte Kleidung, die sogenannte "Dead White Mens Clothes", in Europa nicht mehr gewollt und nach Afrika exportiert, schwimmt hier.

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Als Tourist*In gilt es, um jede nicht-gewollte Plastik-Tüte an den Markt-Ständen in der Stadt zu verhandeln. Plastik scheint überall. Und dabei ist es manchmal so einfach: Es gibt super viele frische Sachen, die eigentlich ohne Verpackung auskommen: Mango, Papaya, Banane, Avocado – dafür ist jetzt im Winter Saison und die gibt es frisch vom Baum, ohne Verpackung und ohne große Transport-Emissionen.

Um die Emissionen macht sich auch Eyetsa Lorraine Ocloo viele Gedanken. Sie hat einen Laden im hippen Stadtteil Osu aufgemacht, in dem sie versucht, nur Produkte aus Ghana anzubieten. Eyetsa ist in Ghana geboren, aber in Deutschland aufgewachsen. Als sie zurückkam, fiel ihr auf, dass viele Ghanaer im Süden zum Beispiel die Mode und Produkte aus dem Norden nicht kennen.

In ihrem Shop hat sie jetzt Stücke von Designern quer durchs Land gesammelt und verkauft sie teuer genug, damit für die Hersteller ordentlich was abfällt. Für Tourist*Innen, die europäische Preise gewöhnt sind, sind die Sachen gute Mitbringsel. Eine willkommene Abwechslung zum Klischee von Afrikanischen Masken. Ein Shirt mit traditionellem, bunten Kente-Stoff auf der Brusttasche kommt im Diskurs um kulturelle Aneignung weniger gewagt daher.

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Wer in Accra ist und sauberere, ruhige Strände vermisst, kann ein wenig aus der Stadt rausfahren. Zum Beispiel nach Krokobite, wo der Surf-Lehrer Brett alias "Mr. Bright" einen Laden aufgemacht hat. "Ich könnte nie in Accra leben", sagt Brett. Zwar schwärmt er für das Essen in der Stadt, aber es sei ihm einfach zu hektisch. Also bietet er auch anderen eine Auszeit vom Stadt-Trubel. In Krokobite liegen die Hotels und Lodges direkt am Strand. Surfen, Lagerfeuer, Plantschen und aufs Meer starren sind angesagt.

Stand: 14.01.2020, 06:00