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Der kaukasische Wendekreis

Georgien -  Blick auf Tiflis, Flagge Georgiens und der EU

Cities - Georgien

Der kaukasische Wendekreis

Von Christian Erll

Georgien ist schon lange ein beliebtes Reiseziel. 6,5 Millionen ausländische Touristen haben das kleine Land im Südkaukasus dieses Jahr besucht. Die meisten kommen aus den Nachbarländern.

Nur selten verirren sich Westeuropäer nach Georgien. Zu Unrecht, denn der Südkaukasus hat für jeden etwas zu bieten. Die Erreichbarkeit ist gut. Billigairlines fliegen aus Dortmund, Berlin oder Memmingen in die zweitgrößte Stadt Kutaisi, die auch Sitz des Parlaments ist.

Der Straßenverkehr - nichts für schwache Nerven

Das beliebteste Reisemittel innerhalb des Landes sind die Marschrutkas. Wie in vielen Ex-Sowjet-Staaten verbinden diese Kleinbus-Sammeltaxis die Städte auf festen Routen miteinander. Feste Abfahrtszeiten gibt es hingegen nicht. Los geht’s, sobald die durchschnittlich 20 Plätze voll oder gut gefüllt sind. Die vierstündige Fahrt nach Tbilisi kostet umgerechnet etwa 3,50 Euro.

Der Fahrstil der Männer am Steuer - es sind immer Männer! - ist halsbrecherisch. Der Mittelstreifen scheint nur ein vernachlässigbarer Vorschlag zu sein, selbst bei Gegenverkehr. Das gleiche gilt für Tempolimits. Kein Wunder, dass die Zahl der Verkehrstoten immens hoch ist. Wer zu Fuß unterwegs ist, sollte sich unter keinen Umständen darauf verlassen, dass ein Auto am Zebrastreifen oder an Fußgängerampeln hält.

Georgien - Autoverkauf

Autos gegen Urlaub

Die Marschrutkas sind häufig Transporter aus Deutschland. Auch Handwerker fahren häufig ausgemusterte Kleinlaster, deren deutscher Vorbesitzer noch im Schriftzug auf der Wagenseite steht. KfZ-Schrauber wie Rati Modebadze verdienen sich mit dem Import von dieser Autos etwas dazu. Auf Georgiens größtem Automarkt in Rustavi steht Ratis neueste Errungenschaft: ein Pritschenwagen. Ein Freund hat das Auto aus Thüringen hergefahren, Rati hat es aufgemöbelt. 30 bis 50 Prozent Gewinn kann er machen, wenn er das Auto zum handelsüblichen Preis verkauft. Bisweilen bringen auch touristische Kleingruppen neue Ware für ihn. Sie verbinden dann einen Roadtrip nach Georgien mit dem Deal: abgeschriebenes Auto gegen Urlaub, mehrtägige Tour und Verpflegung inklusive.

Cities - Georgien

COSMO | 14.11.2017 | 10:47 Min.

Die Wiege des Weinbaus

Über 500 Rebsorten wachsen in Georgien. Bereits vor 8000 Jahren sollen die Bewohner des Südkaukasus hier Wein hergestellt haben. Quevris, meterhohe Tonamphoren, werden in den Boden eingegraben und die Maische darin vergoren. Weinbauern wie Nika Bakhia bauen ihren "Raw wine" an wie vor Jahrtausenden. Wenn der Wein nach monatelanger Gärung abgeschöpft werden kann, wird aus der übrigen Maische der hochprozentige Chacha gebrannt.

Der Club Bassiani in Tiflis,  Screenshot aus der Dokumentation Der Sound von Tiflis

Tiflis - das neue Berlin?

Zwar orientiert sich Georgien politisch weiter nach Westen als seine Nachbarstaaten. Die erzkonservativen Vorstellungen der orthodoxen Kirche beherrschen aber dennoch die öffentliche Meinung. Die rege Clubkultur von Tiflis hat somit auch eine politische Botschaft. Das Bassiani in den Katakomben des Nationalstadions ist der beste Techno-Club in Tiflis. Gegründet von drei jungen Georgiern, erklärt sich das Bassiani explizit zum Safe Space für die LGBTQ-Community. Dafür wird der Club von Szenemagazinen als das neue Berghain gefeiert und Tiflis als das neue Berlin. Die namhaften Elektro-DJs jedenfalls sind in beiden Städten häufig anzutreffen.

Stand: 14.11.2017, 10:00