Gambia - The Smiling Coast Of Africa

Cities - Gambia

Gambia - The Smiling Coast Of Africa

Von Adrian Nowak

Auch wenn Gambia wegen der Corona-Krise die Einreisemöglichkeiten beschränkt hat: Wir bringen euch akustisch nach Westafrika. Die "Smiling Coast Of Africa" ist ein Naturparadies mit einer bewegten Geschichte und einer jungen urbanen Musikszene.

"Du musst dran glauben, damit es funktioniert." Touristen-Führer Ibrahim steht am Teich von Kachikally und erklärt die magische Wirkung des Wassers. In einem kleinen Waschraum wird das Wasser gesammelt und wenn sich eine frisch verheiratete Frau damit wäscht, steht angeblich der Kindersegen kurz bevor.

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COSMO 24.03.2020 11:37 Min. Verfügbar bis 30.03.2021 COSMO

Die heiligen Krokodile von Kachikally

Was für die Einheimischen ein heiliger Ort ist, ist für Touristen ein beliebtes Ausflugsziel mit Nervenkitzelgarantie. Denn im Teich von Kachikally schwimmen 100 Krokodile, die man hautnah kennenlernen kann. Die Geschichte der Krokodile begann der Sage nach vor 500 Jahren. Damals befahl ein Geist namens Kachikally der Familie Bojang, die Krokodile in ihren Teich zu bringen, um Besucher an den heiligen Ort zu locken. Die Tiere werden regelmäßig gefüttert und liegen deswegen pappsatt und friedlich am Ufer. Touristenführer zeigen den Besuchern, wie man sich langsam den Echsen nähert, um sie dann vorsichtig zu streicheln.

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Zum Abschluss der Tour gibt es am Teich ein kleines historisches Museum. Exponate erzählen die Geschichte von Gambia in den letzten Jahrhunderten, zeigen traditionelle Instrumente wie die Kora oder Fotoaufnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg, als Gambier für die britischen Kolonialherren gekämpft haben.

Ringen für ein besseres Gambia

Eine Jahrhunderte alte Tradition in Gambia ist das Wrestling. Die Mandinka, der größte Stamm in Gambia, nennen es "Borreh". Die Ringkämpfe waren aber etwas in Vergessenheit geraten. 2012 wurde das Profi-Wrestling mithilfe von Sponsoren und der Regierung wiederbelebt. Nun treffen sich zum Beispiel jeden Sonntag im Wellingara Stadium 1000 Fans, um den Lieblingen aus ihrer Nachbarschaft zuzuschauen.

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Zur Unterhaltung spielt auf jeder Seite eine Trommelgruppe. Dazu kommen Tänzer und Sänger, ein Ansager, der durch ein Megafon schreit, Vuvuzelas und der Jubel der Fans. Ein wildes Soundgewirr, das schon beim Eintreten für eine mitreißende Stimmung sorgt. Dann geht es los: Zwei Kämpfer in kurzen Hosen stehen sich gegenüber und schleichen erst mal umeinander herum. Man wägt lange Zeit nur ab, um dann im richtigen Moment plötzlich anzugreifen und den Gegner in den Sand zu schmeißen. Das Wrestling ist aber mehr als ein Sport, es bringt die Communities zusammen und gibt den Kids eine Möglichkeit Geld zu verdienen - sehr wichtig in einem Land, aus dem viele über die Mittelmeer-Route flüchten.

Der alte Diktator und die junge Musikszene

Gambia ist ein Land, in dem man seit ein paar Jahren eine optimistische Aufbruchstimmung spüren kann. 2017 musste Langzeitdiktator Yahya Jammeh das Land verlassen. Er hatte das Land seit 1994 regiert, Millionen unterschlagen und die Opposition brutal unterdrückt. Sein Erbe prägt bis heute das Land. Wenn man über die Schnellstraße in die Hauptstadt Banjul fährt, begrüßt uns ein riesiger Triumph-Bogen, der "Arch 22". Nach der Machtergreifung hat Jammeh 1994 als Erstes diesen Triumph-Bogen gebaut, benannt nach seiner Revolution am 22. Juli - eine Demonstration der Macht. Jetzt dokumentiert die Ausstellung im Inneren die Geschichte seiner Herrschaft, aber auch, wie er vertrieben wurde und die Proteste der Zivilgesellschaft.

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Wichtig für den Sturz von Jammeh war 2016 das "Open Mic Fest", bei dem 15.000 Menschen gegen den Diktator protestiert haben. Das Festival begann 2007 als kleiner Talentwettbewerb in Jugendzentren und prägte eine neue urbane Musik-Szene mit Stars wie dem Wortakrobaten "ST Da Gambian Dream" oder dem charmanten Ladies-Man Jizzle. Wenn man heute in den Bars und Parties unterwegs ist, hört man alle möglichen Sounds - von US-Rap über jamaikanischen Reggae zu Mbalax aus dem Senegal. Doch der Höhepunkt der Party ist immer, wenn der DJ die lokalen Künstler*Innen auflegt. Die afrikanischen Turn-Up-Songs sind der Sound der Hoffnung, für ein Land, das versucht eine funktionierende Demokratie aufzubauen und einen Weg aus der wirtschaftlichen Krise zu finden.

Stand: 24.03.2020, 06:00