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Bukarest- Verkehrschaos, Party und viel Entwicklungspotential

Der Parlamentspalast in Bukarest

Cities - Bukarest

Bukarest- Verkehrschaos, Party und viel Entwicklungspotential

Von Gian-Luca Delbach

Laut, dreckig und voller hässlicher Plattenbauten - Attribute, die viele Menschen Rumäniens Hauptstadt Bukarest zuordnen. Deswegen wird die Stadt von Backpackern häufig nur als Durchgangsstation zum Schwarzen Meer abgestempelt. Ein Fehler! Denn Bukarest hat viel zu bieten und ist einen Stop wert.

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COSMO 25.06.2019 08:26 Min. Verfügbar bis 24.06.2020 COSMO

Zugegeben, wer zwischen 16 Uhr und 18 Uhr durch die Straßen Bukarests läuft, bekommt zunächst einmal einen Kulturschock - oder besser gesagt, einen Verkehrsschock. Hunderte Autos reihen sich hintereinander und geben wilde Huplaute von sich. Bukarests Rush Hour ist laut dem Traffic Index die Chaotischste in ganz Europa.

Eventisierung des Tages

Ein bisschen Entspannung tut also gut. Die findet man in den zahlreichen Parks von Bukarest. Herestrau, Ior und Titan heißen sie unter anderem und sind vor allem eines: wunderschön, ruhig und gut gepflegt. Hier finden im Sommer auch die meisten Events statt. In Bukarest entwickelt sich die Party-Kultur immer mehr in Richtung Open Air. "In den letzten Jahren gibt es immer mehr Events, die während des Tages stattfinden. Man schnappt sich ne Decke, ein Bier und tanzt. Die Nachtparties werden zu Tagesparties", sagt Anca Mihoci, die ich in einer Rooftop-Bar treffe.

Rooftop-Bars und Weinproduktion boomen

Stichwort Rooftop - davon gibt es Bukarest bekanntlich sehr viele, ein Mitbringsel des Kommunismus. Immer mehr Bar-Betreiber sehen die Chance diese ungenutzte Flächen in etwas Cooles umzugestalten. Deshalb integrieren sich immer mehr Rooftop-Bars in Bukarests Nightlife. Viele von ihnen sind sehr modern und stilvoll mit Holzböden und Sitzkissen eingerichtet. Am besten trinkt man in Bukarest Wein. Der ist günstig und vor allem sehr unterschätzt. Das liegt daran, dass Rumänien kaum exportiert - und das obwohl das Land eines der größten Weinproduzenten der Welt ist.


"Es ist hart mit Ländern wie Frankreich und Italien zu konkurrieren. Sie produzieren Wein schon seit Jahrhunderten. Wir haben jetzt die erste Generation von wirklich talentierten Winzern und im Laufe der Zeit werden wir aufschließen", sagt Lucian, Barmanager in einem Bukarester Weinladen. Liebhaber von alkoholfreien Getränken kommen auch auf ihre Kosten. In Rumänien machen die Leute nämlich phänomenale Limonade. Es gibt kaum ein Café, dass nicht seine eigene Limonaden-Kreation herstellt. Geheimtipp vom Autor: Socata bestellen, das ist eine Holunderlimonade.

Junge Menschen verlassen das Land

Bei all der tollen Kulinarik vergisst man ab und zu, dass das Land auch Probleme hat. Vor allem die allgegenwärtige Korruption ist ein Riesenproblem. Das Gesundheitssystem ist sehr unsozial und die Jobperspektiven sind für EU-Verhältnisse äußerst gering. Das führt dazu, dass vor allem junge, gut ausgebildete Menschen das Land verlassen. Laut einem Report der Weltbank leben drei bis fünf Millionen Rumänen bereits im Ausland, Tendenz steigend.

Georghe Gherman hat zwei Jahre im Ausland gelebt, in Belgien und in Spanien. Er ist mittlerweile wieder in Bukarest. "In Belgien und Spanien konnte ich mehr Geld machen, ich hatte ein besseres Gesundheitssystem, sogar eine Sozialversicherung," erzählt er mir, "aber irgendetwas fehlt. Deine Freunde, dein Zuhause, deine Familie. Mit der Zeit wird es schwieriger im Ausland zu leben". Wenn Menschen wie Georghe zurückkommen, dann meistens aus persönlichen Gründen. Dass sie zurück nach Bukarest gehen, kann aber auch eine Chance für die Stadt sein. Sie muss sich selbst nur attraktiver für die eigenen Bürger machen. Denn in einem sind Georghe und ich uns einig: Rumänien hat so viel Potenzial, es muss nur genutzt werden.

Stand: 25.06.2019, 06:00