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Beirut: Religiöse Vielfalt und buntes Nachtleben

Cities Beirut: Küste

Beirut: Religiöse Vielfalt und buntes Nachtleben

Von Julia Neumann

Zurzeit feiern Muslime auf der ganzen Welt Ramadan. Durch Corona ist der heilige Monat aber anders als sonst, auch in der libanesischen Hauptstadt Beirut. Dort hatten die Cafés, Restaurants und Bars lange Zeit geschlossen, festliche Ramadan-Stimmung? Fehlanzeige!

Normalerweise füllen sich nach Sonnenuntergang die Restaurants und Cafés in der Stadt, Menschen rauchen Wasserpfeife oder trinken Säfte. Einige gläubige Muslime in Beirut schaffen es aber trotz der geschlossenen Moscheen, sich diesen Ramadan schön zu gestalten. Einige schaffen eine Art Mini-Moschee-Ersatz in ihren Häusern: Sie dekorieren eine Ecke der Wohnung mit Lichterketten und dekorativen Versen aus dem Koran.

Cities Beirut: Boot

Insgesamt gibt es 18 anerkannte Religionsgemeinschaften im Libanon, jedes religiöse Fest wird gefeiert. Einerseits gibt es in der Stadt viele Kirchen und Moscheen – andererseits aber auch eine hohe Dichte an Bars und Clubs. Von fancy über glamourös bis hin zu düsteren Locations. Die Grand Factory, ein Club in einer alten Fabrikhalle, transportiert ihre Gäste in einem alten Lastenaufzug zur Tanzfläche. Besonders makaber ist das BO18, ein ehemaliger Bunker. Auf demselben Stück Land wurden 1976 palästinensische Flüchtlinge während des Bürgerkriegs umgebracht. Entsprechend düster ist das Innere: Die Tische, an denen Wodka serviert wird, sehen aus wie Särge.

Cities Beirut: Storytelling Abend

Eine Alternative zum Clubtreiben bildet die unabhängige Kulturszene in Beirut. Die Storytelling-Abende der "Cliffhangers" beispielsweise, sind gemütliche Treffen in Cafés oder kleineren Veranstaltungsräumen im Freien, einmal im Monat. Die Erzählerinnen und Erzähler führen übrigens eine alte Tradition fort, die der Hakawatis – das waren ältere Männer, die in Cafés Geschichten zum Besten gegeben haben. Heute erzählen aber nicht nur Männer ihre Geschichten, sondern auch viele Frauen und Menschen aus der LGBTQI+ Szene. Für die Gedichte und Geschichten hält oft die Stadt Beirut als Muse her. Mal wird sie romantisiert, mal verflucht. Aber diese Hassliebe zur Stadt macht das Leben in Beirut aus.

Cities Beirut: Taubenfelsen

Auch wenn Beirut direkt am Mittelmeer liegt, Schwimmen ist keine gute Idee. Nicht nur ist die Küste der Stadt komplett bebaut. Am einzigen öffentlichen Sandstrand, Ramlet el Bayda (Weißer Sand) fließt das städtische Abwasser ins Meer. Durch die Wasserverschmutzung sterben auch die Fische. Deshalb verdienen sich Beiruts letzte Fischer etwas mit Bootstouren um die Taubenfelsen hinzu. Das ist ein echter Geheimtipp: Eine Bootstour um die steinigen Taubenfelsen, die das Wahrzeichen der libanesischen Hauptstadt sind. Ein aufregender Tag in Beirut lässt sich dann am besten auf der steinigen Felsküste verbringen, mit Falafel-Sandwiches und einem ungestörten Blick auf den Sonnenuntergang vor Meereskulisse.

Stand: 19.05.2020, 06:00