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Unabhängig von Nationalität, Religion und Geld

Matrimandir in Auroville

Cities - Auroville

Unabhängig von Nationalität, Religion und Geld

Von Rachel Patt

Mitten im Djungel Ostindiens haben in den 68ern ein indischer Philosoph und seine Gefährtin zusammen mit hunderten jungen Menschen aus der ganzen Welt eine Stadt gebaut. Sie wollten einen Ort erschaffen, an dem alle in Frieden und in Verbundenheit mit der Natur zusammen leben können – unabhängig von Nationalitäten, Religion, Geld und Besitz. Die Stadt heißt Auroville und existiert heute noch in Tamil Nadu, im Osten Indiens.

Cities - Auroville

COSMO 04.06.2019 12:54 Min. COSMO

Auroville,

Treffpunkt in Auroville

Auroville ist Wohnort für viele Menschen geworden, die von überall hergekommen sind, um an dem Gesellschafts-Projekt teilzunehmen. Sie haben einen gemeinsamen Traum und eine Vision: "Es sollte irgendwo auf der Erde einen Ort geben, den keine Nation als ihren erklärte. An dem alle Menschen mit gutem Willen und ernsthaftem Bestreben als freie Mitbürger dieser Welt leben können und nur einer einzigen Autorität gehorchen würden: Der höchsten Wahrheit. Ein Ort des Friedens, der Übereinstimmung und der Harmonie-" - Dieses Zitat stammt von Gründerin, genannt die Mutter.

Auroville, Schuleingang

Schuleingang in Auroville

In den 68ern, als Auroville entstanden ist, war weder die Gleichgestelltheit der Frau, noch die von verschiedenen Ethnien gang und gebe. Die Aurovillianer wollten in einer Welt mit diesen Zwängen einen Ort mit ihren eigenen Werten kreieren. Für damalige Verhältnisse war das schon fast revolutionär, besonders in Indien. Diese Idee hat ganze Menschenmassen in die hinterste Ecke Indiens gezogen und tut es heute noch. An der Stelle, wo Auroville gebaut wurde, gab es damals nur dichten Dschungel. Um nach Auroville zu kommen, reist man nach Chennai, der große Flughafen an der Ostküste Indiens. Von dort aus geht es weiter runter in das einst französiche Pondycherry.

Auroville

Auroville liegt recht abgelegen, einen anderen Weg dorthin gibt es nicht. Hinter Pondycherry liegt ein kleines Dorf. Man durchquert es und dann geht es vorbei an Staßenmusikern und Händlern und auf breiten Sandwegen noch ein ganzes Stück in den Wald hinein. Sehr abgelegen, super grün, viel Dickicht drum herum und überall sind Tiergeräusche aus den Tiefen des Urwaldes zu hören, die besonders nachts sehr laut sein können. Die üblichen indischen 38 Grad sind hier ganz gut ertragen. Es ist feucht aber nicht zu heiß. Nachts wird es sogar recht kühl. Nur die Mücken im Dschungel sind unerträglich, wenn man sich von den Einheimischen nichts zur Abwehr gegen sie geben lässt. Es gibt irre Pflanzen: Schlingpflanzen, Lianen und riesige alte Bäume. Sogenannte Banyan-Bäume. Sie haben dicke Stämme und viele große Wurzeln, die über dem Boden sichtbar und wirr ineinander verschlungen sind. Von den dicken massiven Ästen führen die Wurzeln wieder nach unten in den Boden und verankern sich dort. Die meisten Banyan-Bäume sind viele hundert Jahre alt.

Auroville, Karte

Karte von Auroville

Auroville besteht aus mehrerer einzelnen kleinen Zentren, die auf Lichtungen zwischen dem Dschungeldickicht verstreut sind. Die Gebäude sind fast alle architektonisch sehr unterschiedlich und vom Stil her eher westlich als asiatisch. Jede Nationalität hat ihr eigenes kleines Zentrum. So gibt es das Zentrum der Italiener, Afrikaner, Franzosen und noch viele mehr. Und es gibt Meditationszentren, Essenshäuser aber auch Shops oder kleine Fabriken, wo zum Beispiel Schmuck oder nachhaltige Kleidung hergestellt werden. Auch gibt es eine eigene Schule und einen Kindergarten, in dem die Kinder aller Nationen gemeinsam lernen und zusammen sind. Das Herz des Geländes ist das sogenannte Matrimandir. Eine goldene Kuppel, die aussieht wie eine riesige goldene Kugel. Die meisten Aurovillianer und Besucher praktizieren hier jeden Tag ihre stille Meditation. In Auroville leben heute circa 2500 Menschen aus 50 verschieden Nationen. Viele Besucher kommen für längere Zeit, oft füe mehrere Wochen und Monate.

Die meisten verbinden ihren Aufenthalt mit viel Meditation, Yoga und Entschleuigung vom Alltag. Auroville hat einen sehr spirituellen Vibe. Die Menschen, die dort leben, arbeiten auch dort – und zwar, was sie wollen und was sie können. Das ist Teil des Konzepts: Jeder tut das, was er am besten kann und trägt so etwas zur Gemeinschaft bei. Das soll einem die Möglichkeit geben, sich frei zu entfalten und kreativ zu sein. Für die Finanzierung von Projekten gibt es Fundraising oder die Bewohner unterstützen sich gegenseitig, wenn sie von der Idee überzeugt sind. Es gibt Auroville- Communities auf der ganzen Welt –auch in Europa. Auch von dort gibt es manchmal finanzielle Unterstützung, wodurch verschiedenste Projekte entstanden sind.

Stand: 04.06.2019, 11:09