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Sicherheit im Urlaub - Alleinreisen als Frau

Woman walking to viewpoint near Uchisar, Cappadocia, Turkey

Sicherheit im Urlaub - Alleinreisen als Frau

Von Nele Posthausen

Allein zu verreisen ist im Trend. Vor allem Frauen reisen immer öfter allein. Was es dabei zu beachten gilt und welche Reiseziele geeignet sind, weiß unsere Reporterin Nele Posthausen.

Cities - Alleinreisen als Frau

COSMO 24.09.2019 11:57 Min. Verfügbar bis 23.09.2020 COSMO

Unabhängig sein, zu sich selbst finden oder einfach mal abschalten – das sind die Gründe warum mittlerweile viele Frauen* alleine reisen. Laut einer Studie des Portals skyscanner.de ist ihre Motivation damit ein wenig eine andere als die von männlichen Alleinreisenden. Die geben etwas häufiger an, auf der Suche nach Abenteuer zu sein oder neue Leute kennenlernen zu wollen. Insgesamt sind daher acht von zehn Deutschen schon einmal allein verreist.

Ranking der unsichersten Länder für Frauen

Wer als weibliche Person ankündigt, bald allein den Rucksack packen und aufbrechen zu wollen, wird schnell mit Sicherheitsbedenken von Freund*innen und Familie konfrontiert. Dass auch die breite Öffentlichkeit sich darum sorgt, zeigt die Vielfalt an Rankings von "unsicheren" Ländern für Frauen. Im Jahr 2018 wurde ein Ranking der Stiftung Thomson Reuters ziemlich häufig zitiert. Dessen Top 3 lautet: Indien, Afghanistan, Syrien. Dabei ging es dem Ranking vor allem um Themen wie: gesundheitliche Versorgung für Frauen, Menschenhandel oder sexuelle Gewalt. 

Unsicher für Frauen - aber auch für Reisende?

Die Frage ist: Betreffen diese Diskriminierungsfaktoren tatsächlich Frauen, die vielleicht aus der westlichen Welt gerade auf Reisen sind? Häufig ist die Antwort eher nein. Die Länder sind vor allem für die dort lebenden weiblichen Personen gefährlich. Daher haben amerikanische Journalist*innen eine andere Liste anhand von Fragen erstellt wie: Kann ich abends sicher allein über die Straße gehen? Oder: Gibt es Vergewaltigungen außerhalb von häuslicher Gewalt? Hierbei gelten dann Südafrika und Brasilien als die gefährlichsten Reiseländer für Frauen.

Rankings stehen dem Bauchgefühl gegenüber

Das Auswärtige Amt in Deutschland lehnt diese Rankings der gefährlichsten Länder generell ab. Auf Anfrage heißt es: "Auch die in seltenen Fällen ausgesprochenen Empfehlungen oder Warnungen gegen eine Reise in bestimmte Länder betreffen grundsätzlich alle Reisenden, unabhängig von deren Geschlecht." Stattdessen ist hier die Empfehlung, sich die App des Auswärtigen Amtes für Warnungen vor Naturkatastrophen auf das Smartphone zu laden und sich bei Aufbruch in die Krisenliste Elefand einzutragen. Das gilt für alle – egal ob männlich oder weiblich oder non-binär.

Es geht nicht nur um Sicherheit

Und damit landen wir am Ende bei einer ziemlich sicheren Antwort auf die Frage, in welches Land ich als allein reisende Frau gehen sollte: in eines, in dem ich mich selbst sicher fühle. Denn das Ranking der Stiftung Thomson Reuter hat 2018 auch die USA auf Platz Zehn der gefährlichsten Länder der Welt für Frauen gesetzt. Die Befragung lief kurz nach dem #metoo-Skandal. Durchaus denkbar, dass ich mich als Frau in einem konservativen Klima wie dem der USA, wo mehr und mehr Staaten rigide Abtreibungsgesetze vorantreiben und Politikerinnen öffentlich beleidigt werden,  momentan unwohler fühle, als in einem europäischen, afrikanischen oder asiatischen Land.

Vorkehrungen Treffen

Wer allein reist, sollte daher auch, unabhängig vom Geschlecht, einige Vorkehrungen treffen. Neben den Informationen des Auswärtigen Amts sind auch Informationen für Verwandte und Bekannte wichtig. Wenn ich in einem fremden Land einen Flirt wagen will, kann ich vom Ort des Dates ruhig mal einen Standort verschicken. Wenn ich schon vorab meine Unterkünfte kenne, kann ich ein paar Adressen weitergeben. Wenn ich mir beim Couchsurfen unsicher bin, zu wem ich da nach Hause gehe, könnte ich die Person bitten, sich mit mir zunächst auf einen Kaffee im öffentlichen Raum zu treffen. Und ganz wichtig ist: Immer einen Notgroschen dabei zu haben, um flexibel umplanen zu können, falls es sich irgendwo mal doch nicht so sicher anfühlt.

*Leider gibt es hier keine vergleichbare Datenlage zu Transpersonen oder non-binären Menschen. WDR COSMO geht aber natürlich davon aus, dass die Welt nicht strikt entlang der Zweigeschlechtlichkeit getrennt ist und möchte damit alle Leser*innen einladen, sich auch mit den Statements der Frauen zu identifizieren, die sich dieser Gruppe zugehörig fühlen.

Stand: 24.09.2019, 10:00